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Umgang mit Konflikten nach Thomas Gordon

Konfliktfeld Im Alltag, in der problemfreien Zone (hellgrünes Feld) machen wir uns über unser Verhalten und das anderer Menschen nicht viele Gedanken. Die Beteiligten können entspannt bleiben und müssen ihre Worte nicht auf die Goldwaage legen.
Die Psychologie kommt erst ins Spiel, wenn es knirscht und kracht (dunkelgrüne Zonen): Dringt eine Person in das Feld der Nicht-Annahme der anderen Person ein, kommt es zum Konflikt -
in der Erziehung (in die Grafik klicken),
unter Paaren,
in Gruppen,
im Berufsleben,
in der Politik.
Es ist besonders belastend, wenn Menschen in immer die gleichen  Kommunikations-Fallen geraten.
Dann liegt das fast immer mit der fehlenden Bereitschaft oder gar Fähigkeit, sich in andere einzufühlen oder sich selber zu verstehen: am Mangel von Empathie.
Jetzt kommt das Modell von Thomas Gordon ins Spiel.

Im Folgenden kannst du Konflikt-Strategien identifizieren und trainieren:

Ich habe ein Problem mit dir, du hast ein Problem mit mir
dir wird ein Vorwurf gemacht. Jemand will nicht so wie du es für richtig hältst. Jemand hält sich nicht an Vereinbarungen, Pflichten. Jemand kritisiert deine Fähigkeiten, dein Bemühen, jemand will auf deine Bedürfnisse nicht eingehen, jemand macht dich wütend oder traurig ...
Oder: du fühlst dich missverstanden und abgewertet, gekränkt, kriegst "keinen Draht" zu jemandem ...

Benutze die Arbeitsbögen:

Methode 1: Greife an, wehre dich! Setze dich durch, siege und beherrsche!
Oft spontan. Du hast damit unter Umständen kurzfristig gute Gefühle und Erfolg. Bei häufigem Gebrauch bewirkst du Eskalation, Gesprächsabbruch, Rückzug der anderen, weil es kränkt und wütend macht. Du verlierst an Einfluss.
Na gut, manchmal muss es raus, aber es sollte nicht zur Regel werden. Wer mag schon einen Rechthaber oder gar einen Wutkopf, selbst wenn er Recht hat.

Methode 2: Gebe nach. Zieh dich zurück! Ordne dich unter, gehorche!
In manchen Situationen ist es sinnvoll, aber prüfe dich, ob du zum Rückzug neigst. Das ist emotional für dich selber gefährlich. Bei häufigem Gebrauch frustrierst du dich selber, machst dich mutlos, forderst andere zu neuen Angriffen heraus und verlierst an Einfluss. Der innere Groll wird an dir nagen.

Mit den Methoden 3 gibt es keine Sieger und Verlierer: die niederlagelose Methode:

Methode 3a: : Höre aktiv zu. Gib das Gesagte in deinen Worten wieder: Einfühlendes Verstehen.
Methode 3b: Öffne dich. Beschreibe in der Ich-Form, was das Gesagte bei dir auslöst: Ich-Botschaften.
Der Wechsel von Zuhören und Sich-Öffnen führt zu mehr Klarheit und Entspannung - und zu einem fruchtbaren Ergebnis des Austauschs.
Schreibe auf
oder probiere alle Methoden im Rollenspiel aus und bewerte sie anschließend,
bei Partnerarbeit oder im Gruppentraining gemeinsam.

Zweiter Schritt: Übung mit einem Arbeitsbogen aus eigenen Erlebnissen.

Nonverbale Kommunikation
... kann die gewählte Methode unterstreichen oder schwächen:
Drücke deine Äußerungen so aus, achte darauf, wie sich die Wirkung deiner verbalen Aussagen verändert:
freundlich; mit verhaltenem Zorn, mit Verachtung, neutral, liebevoll, mitleidvoll, optimistisch, beleidigt, drohend, todmüde, weinerlich, forsch, süßlich, gereizt, überlegen, ängstlich, resigniert, --- stimmungsvoll, lustig, romantisch, herzlich, überzeugt, keinen Widerspruch duldend, mit den Nerven am Ende, gutmütig, kompetent, lieb, warnend, entspannt, vorwurfsvoll, markig, kochend vor Wut, theatralisch, undeutlich, überhastet, gedehnt, anklagend, schlapp ...

Weitere Erläuterungen

Methode 3a:
Die andere Person hat ein Problem mit dir und möchte das bei sich klären. Du verzichtest auf Ratschläge und darauf, dich über die andere Person zu stellen. Stattdessen versuchst du, der anderen Person zu helfen, Klarheit zu bekommen und selber eine Lösung zu finden.
Aktives Zuhören oder Einfühlendes Verstehen: du hörst heraus, was die andere Person denkt, empfindet, wünscht und formulierst das für sie.

Methode 3b:
du hast ein Problem mit einer anderen Person. Du willst etwas über dich loswerden, ohne in eine Vorwurfs- und Streitschleife zu geraten. Du benutzt Sätze, die eher mit „ich“ anfangen:
Ich-Botschaften oder Selbstoffenbarung:Wenn du das und das sagst oder machst, geht es mir oft so und so.“ Das setzt voraus: du horchst in dich hinein. Was denkst, was fühlst du im Zusammenhang mit dem Konflikt? Und das sprichst du aus.

Ich-Botschaften sind Informationen, die du über dich und dein Erleben gibst, ohne den anderen mit  Beschuldigungen, Kränkungen anzugreifen. So kann dein Gegenüber zuhören, ohne seinerseits in einen Angriff überzugehen.

Hilfsmittel: Formuliere deine Ich-Botschaften:
Was halte ich aus, was nicht

Methode 3 bedeutet ein Gespräch, in dem sich Einfühlendes Verstehen und Selbstoffenbarung abwechseln.
Das ist oft nicht einfach: je angegriffener du dich fühlst, je mehr Frust und Wut in dir aufsteigt, desto schwerer fällt es dir, dein Innenleben auszubreiten statt loszupoltern, oder gar, wahrzunehmen, was die andere Person beschäftigt, statt bei deinem Frust zu bleiben. Gerade wenn du in einem Konflikt mit einer anderen Person bist, denkst du, dass du dich vor Verletzungen schützen musst und austeilen musst, statt nur zu sagen, wie es dir geht.
Methode 3 verlangt also viel Selbstdisziplin. Aber es lohnt sich. Wer die Methode 3 kann, geht schon bald viel besser mit sich und anderen Personen um.

Ideales Verhalten?
Wenn du immer wieder in in die gleichen Konflikte gerätst, frage dich, ob du sehr oft mit Methode 1 oder 2 reagierst, und ob es dir vielleicht guttut, vermehrt die Methoden 3 umzusetzen und damit neue Erfahrungen zu machen.
Es geht nicht darum, sich pausenlos psychologisch korrekt zu verhalten- das ist angepasstes Kindheits-Ich -  sondern klug zu sein, wenn es darauf ankommt: Erwachsenen-Ich.
Und schon gar nicht geht es darum, eine unechte psychologische Masche zu praktizieren, sondern:

Sensibel für sich und andere zu sein. Einfach mal in einem Streit oder schwierigen Gespräch an Methode 3 denken und umschalten.

Problemlösungsschritte

Zur Bereinigung einer Situation, der Bearbeitung eines Probleme bisz zu einer einvernehmlichen Lösung für Paare, Familien, Gruppen schlägt Gordon folgende Schritte vor:
  1. Beide Seiten äußern sich und hören einander zu. Was ist das
  2. Problem, wer hat das Problem?
  3. Beide Seiten schlagen vor, wie das Problem gelöst werden kann.
  4. Die Vorschläge werden  gesammelt, ohne sie zu kommentieren.    Am besten schreibt sie jeder für sich erst einmal auf. Dann werden die Vorschläge im Wechsel vorgelesen, ohne jede Bewertung.
  5. Erst dann werden die Vorschläge bewertet. Man streicht die, die für jemanden nicht akzeptabel sind.
  6. Der beste Vorschlag wird ausgewählt und dann ausgestaltet, konkretisiert
  7. … und erprobt.
Nach einer festgelegten Zeit wird das Ergebnis bewertet. Damit ist die Konfliktbearbeitung abgeschlossen oder geht in eine modifizierte Phase.

Kommunikationssperren nach Thomas Gordon,
Kommunikationsregeln nach Ruth Cohn

Beispiele für Aktives Zuhören/Einfühlendes Verstehen

 

Anwendungsbereiche

Erziehung: Konflikte zwischen Eltern und Kindern;
Schule: Lehrer und Kinder, Lehrer und Eltern, Lehrer untereinander;
Firma, Arbeitsplatz: Mitarbeiter untereinander, verschiedene Hierarchie-Ebenen.


Literatur
Thomas Gordon (1972): Familienkonferenz. Die Lösung von Konflikten zwischen Eltern und Kind. Hoffmann und Campe, Hamburg.
    Das grundlegende Werk.
Weitere Literatur siehe Wikipedia