Supervision - Erfahrungen

Meine Aufgabe als Supervisor besteht darin, für eine konstruktive, ergiebige und unterhaltsame Sitzung zu sorgen, die sachlichen und emotionalen Gewinn bringt.

Wie ich diese Aufgabe angehe, hängt zum Teil vom Verhalten und der Zusammensetzung der Gruppe ab.

Wichtig ist:

  1. Es wird über ein Anliegen einer einzelnen Person gesprochen. Also zum Beispiel nicht über ein Thema, das mehrere beschäftigt. Warum nicht? Jede* erlebt eine Situation anders und versucht sie anders zu lösen. Außerdem besteht die Gefahr, dass dann jede* über sich reden will und das Zuhören auf der Strecke bleibt.

    Wenn also Lehrerin* A über Schülerin* Z spricht, steht ihr Erleben und ihr Lösungsanliegen im Mittelpunkt. Nicht dass der anderen Lehrkräfte, die auch ein Problem mit Y haben.

    Methodisch gehe ich so vor, dass ich mit Lehrerin* A ein Zweier-Gespräch führe.

    Ich spiegele der Lehrerin* A wider, was sie denkt, was sie fühlt und empfindet, wie sie Dinge abwägt, welche Handlungstendenzen sie hat (oft in Konflikten widersprüchliche). Wenn ich etwas nicht verstehe oder mir nicht vorstellen kann oder wenn mir etwas zu vage bleibt, frage ich nach (siehe auch Gesprächsführung).

    Die Gruppe hat den Auftrag, zu beobachten. Jede Teilnehmerin* achtet darauf, was ihr dabei durch den Kopf geht, wie das auf sie wirkt, was sie vermutet, wie es ihr* ergangen ist.

    Diese Phase sollte mindestens 10 Minuten, aber auf keinen Fall länger als 20 Minuten dauern.

    Diese Phase dient dazu, dass alle sich auf das Problem konzentrieren. Außerdem bin ich als Supervisor ein Modell für einfühlsame, klärende Gesprächsführung, die Teilnehmerinnen werden sich auf die Dauer etwas von mir abgucken. In Supervisionsgruppen, die schnell lernen oder schon länger zusammen sind, kann auch eine Teilnehmerin die Aufgabe des Gesprächspartners übernehmen.

  2. Die Teilnehmerinnen* äußern nach dem Gespräch ihre Gedanken und Eindrücke. Lehrerin* A soll sich dies nur anhören.

  3. Die Gruppe hat die Gelegenheit, klärende Fragen zu stellen. Das ist ein guter Anlass, gerade mit einer neuen Gruppe, über die Art von Fragen zu reflektieren.

    Fragen können die Sache klären, zur Konkretisierung und Veranschaulichung beitragen. Man kann mit Fragen aber auch einschüchtern, implizit Urteile, Wertungen aussprechen, Lösungen vorschlagen, die in dieser Phase noch gar nicht angeboten werden sollen.

    Die Gruppe kann auch mit dem Konzept des zirkulären Fragens vertraut gemacht werden. Dahinter steht das Konzept: Soziale Wahrnehmung durch Vergleiche – zwischen Personen, Zeitpunkten, Folgen, Alternativen.

  4. Jetzt erfolgt ein offener Austausch der Gruppe. Die Teilnehmerinnen erzählen zum Beispiel, wie sie mit Schülerin Z oder ähnlichen Situationen umgehen, sie bestätigen A für die bisherigen Handlungen und Überlegungen.

    Dabei kann sich bereits ergeben, dass A formuliert, wie sie künftig im Umgang mit Z vorgehen wird.

  5. Man kann aber auch eine regelrechte Lösungsphase einschieben. Jede Person in der Gruppe macht einen Vorschlag. Zur Intensivierung kann das auch schriftlich erfolgen, natürlich dürfen auch mehrere Vorschläge notiert werden. Diese sollten möglichst konkret sein, also nicht einfach etwa „geduldiger sein“, „mehr loben“.

    A darf dann dazu Stellung nehmen. Welche Vorschläge findet sie für sich überzeugend und anwendbar, welche gerade nicht? Auch eine vehement abgelehnte Lösung trägt zu Klärung und Lösung eines Problems bei. „Ich werde auf keinen Fall die Eltern einbeziehen.“

  6. Am Ende erfolgt eine Verabredung. Wie wird A bis zum nächsten Supervisionstermin vorgehen?

    Eingerahmt wird die Supervisionssitzung durch ein sogenanntes Blitzlicht. Jede sagt kurz, wie es ihr geht, was sie erwartet und eventuell befürchtet, am Ende, was ihr die Sitzung gebracht hat, oder was nicht.

  7. Die Supervisorin* sollte die Sitzung behutsam lenken und ihr Augenmerk darauf haben, dass keine destruktiven Prozesse ablaufen. Wird eine Person abgewertet oder dominiert, redet jemand „ohne Punkt und Komma“, weiß jemand ständig alles besser, dann greift die Supervisorin* resolut ein. Nur so kann ein lebendiger Gruppenprozess entstehen. Sonst besteht die Gefahr, dass alle wie auf Kohlen sitzen und sich immer mehr verschließen.

  8. Gut, das ist die Kunst einer Supervisorin*, das Heft in der Hand zu behalten, ohne die Dompteurin* zu spielen. Sie soll im Laufe mehrerer Sitzungen die Verantwortung immer stärker an die Gruppe abgeben.

* gilt für Frauen und Männer