Alte arme Rentnerinnen lesen über Adlige, Reiche, Prominente.
Kennen jedes Detail.
Teenager jubeln groß verdienenden Stars zu.
Fußballfans zahlen Eintritte, kaufen Souvenirs und sehen
Bezahlfernsehen für kickende Milliardäre.
Der Adel sah sich früher von Gottes Gnaden, und die Untertanen
sahen dies genauso.
Politiker sehen den Staat als finanziellen Selbstbedienungsladen,
und das Parteienfußvolk und die sogenannten Stammwähler finden
nicht nur nichts dabei, sondern bewundern dies.
Die Linke wird kaum gewählt, als die Partei, die sich aktiv für
Gering-Verdienende einsetzt.
In Demokratien werden immer wieder Politiker an die Macht gewählt,
die sich finanziell bedienen, sich und für ihre Angehörigen.
Protzige, eitle, machtgierige und schamlose Kirchenmänner werden
akzeptiert.
Was ist los mit den Menschen?
Sie lehnen es anscheinend nicht grundsätzlich ab, dass andere
stellvertretend für sie in Saus und Braus leben. Im Gegenteil. Sie
verehren solche Leute.
Das scheint nur dann nicht zu funktionieren, wenn die Leute nicht
mehr genug zu essen haben und willkürlich eingesperrt oder
hingerichtet werden.
Die Herrschenden verlieren manchmal das Maß und werden zu Feinden
der Untertanen, dann müssen sie offene Gewalt anwenden. Aber meist
das gar nicht nötig.
Um Herrschende loszuwerden braucht man Gegenpersonen wie Robin
Hood, die dann, wenn sie wirklich selber an die Macht kommen, genauso
unterdrückend und selbstbedienend sind. Iran, Kuba, Venezuela,
Simbabwe …
Man will ja Herrscher, nur sollen sie den Untertanen auch ein
bisschen was gönnen und eine gewisse Rechts-Sicherheit bieten.
Da gibt es den Begriff von der Gleichmacherei. „Links“ als
Schimpfwort. Obwohl die früheren kommunistischen Länder weit von
Gleichmacherei entfernt waren, im Gegenteil.
Liegt es daran, dass „Erfolg“ und Schlauheit als von Gott
gesegnet angesehen wird? Am geringen Selbstwertgefühl der Untertanen
und Fans und Gläubigen? Selbst schuld, dass aus einem nichts
geworden ist?
Absolute Herrscher gründen ihr System auf Gewalt. Wenn sie es
übertreiben, gibt es Aufstände, die dann mehrheitlich
niedergeschlagen werden, weil der Despot Militär hat. So lange der
Despot nicht übertreibt, kann er auf Bewunderung und
stellvertretende Teilhabe (Verehrung) rechnen. Die Herrscher bauen
Schlösser und Kathedralen und schöne Gärten, um die Phantasie der
Untergebenen anzuregen und den Beweis für ihre Macht zu liefern.
Vereinsleben: übernimmst du ein Amt, wirst du von den anderen
verpflichtet, deine Leistungen zu bringen. Aber man ordnet sich dann
auch unter. Weil die anderen zufrieden sind, dass sie so ein Amt nicht
machen müssen.
Daher auch die Tendenz, über Politiker zu meckern, aber auf
keinen Fall ein solches Amt zu übernehmen. Auch in Verwaltungen und
Firmen wollen die meisten gar keine Führungsposition. Zu viel Ärger,
kann man nur mit entsprechender Vergütung, Belohnungen, ködern.
Nationalismus. "Wir".
Wenn die Spannung zwischen Reichtum und rechtloser Armut zu groß wird,
hilft das den Herrschenden, ein Wir-Gefühl zu konstruieren.
Das Wir-Gefühl kann die Nation sein. Das kann man gut am Beispiel des
ersten Weltkriegs nachvollziehen. Die Bedrohung der Nation durch andere
Nationen führt zu Kriegsbegeisterung: "Wir" müssen die Nation
verteidigen. Der Adel und das Lumpenproletariat gemeinsam.
Das funktioniert auch auf anderen Ebenen. Zur Gruppe der
Landwirte gehören die kleinen Pächter mit wenigen Tieren und die
Großgrundbesitzer mit landwirtschaftlichen Groß-"Fabriken". Arbeitgeber
sind alle, die 4 Angestellte haben und jene, die die Märkte beherrschen
mit Tausenden von lohnabhänig Beschäftigten. Das sind alles "Wir". Die
Selbständigen.
Es gibt Beamte, die sich finanziell durch den Monat kämpfen und solche, die in Geld schwimmen. "Wir" oder "die Beamten".
So schleicht sich durch solche Kategorisierung im Denken die nicht hinterfragte Ungleichheit ein.
Und dazu, wie der Volksmund sagt: die Kohlen für andere aus dem Feuer holen.
2026.