uwewiestLernen und Zusammenleben

Dr. Uwe Wiest, Dipl.-Psych., Leiter des Schulpsychologischen Dienstes Bremen  a.D.

Originalarbeiten

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Uwe Wiest

Sehen und Glauben

der ungläubige Thomas
Bild: Michelangelo Merisi da Caravaggio, etwa 1603

Evangelium nach Johannes, Kap. 20

25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte:
Friede sei mit euch!
27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig,
sondern gläubig!
28 Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Die Geschichte enthält nur zwei Varianten des Glaubens und des Zweifelns bzw. Ablehnens.

In Wahrheit sind es vier Alternativen, die alle ihren Sinn machen.


Glauben
Nicht glauben
Sehen
Der klassische Thomas-Typ:
erst skeptisch, dann erleichtert, wenn er glauben darf
Skeptiker, die um ihre Empfänglichkeit für Zaubertricks, Täuschungen, Fälschungen wissen
Nicht sehen
Theisten: gläubig um jeden Preis, wollen Gott auf ihrer Seite
Die klassischen Skeptiker: stolz auf ihr unbestechliches Urteilsvermögen

Die Theisten und die Thomasse sind gleichermaßen naiv. Die Thomas-Variante klingt auf den ersten Blick überzeugend. Aber: er probiert den Realitätstest gar nicht!
Caravaggios Bild entspricht nicht dem Bibeltext! Fortsetzung HIER auf Seite 13.

Uwe Wiests Betrachtungen der monotheistischen Religionen, ihrer theologischen und psychologischen Grundlagen und Widersprüche.

Uwe Wiests feste Überzeugung: Gott ruht. Gott gibt niemandem die Schuld an irgendwas. Gott mischt sich nicht ein und greift nicht Partei.


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