uwewiestLernen und Zusammenleben

Dr. Uwe Wiest, Dipl.-Psych., Psychologiedirektor  a.D.

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Sehen und Glauben

Uwe Wiest

Die Auferstehung. Eine kriminologische Betrachtung.
Die Versuchung: ach so.
Glaube 2.0 -  Religion verstehen
Weitere Aufsätze
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Die Auferstehung. Die Beweislage anhand des Neuen Testaments.

Das Christentum beruht wesentlich auf der Erzählung, dass Gott seinen Sohn auf die Erde geschickt hat, dass dieser hingerichtet wurde, um die ererbte Sündhaftigkeit der Menschen zu sühnen und Gottvater zu besänftigen, und dass dieser Gottessohn nach drei Tagen physisch wieder hergestellt wurde – die Auferstehung.

Der Apostel Paulus weist ausdrücklich drauf hin, dass das Christentum ohne den Glauben an die körperliche Auferstehung des hingerichteten Gottessohnes nichtig ist.

1. Korinther 15. 12-19, Einheitsübersetzung 2016

12 Wenn aber verkündet wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht?

13 Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden.

14 Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube.

15 Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden.

16 Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden.

17 Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden;

18 und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.

19 Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.

Wie ist nun die Beweislage, wenn man sich ausschließlich auf die Bibeltexte beruft? Hier sind die Texte:

Matthäus 28

Die Frauen am leeren Grab
1 Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
2 Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee.
4 Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot.
5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.
6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag!
7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.
8 Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.

Markus 16

Die Frauen am leeren Grab
1 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.
2 Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging.
3 Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?
4 Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß.
5 Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr.
6 Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wohin man ihn gelegt hat.
7 Nun aber geht und sagt seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.
8 Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon; denn sie fürchteten sich.

Lukas 24

Die Frauen und Petrus am leeren Grab
1 Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab.
2 Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war;
3 sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht.
4 Und es geschah, während sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen.
5 Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
6 Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war:
7 Der Menschensohn muss in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.
8 Da erinnerten sie sich an seine Worte.
9 Und sie kehrten vom Grab zurück und berichteten das alles den Elf und allen Übrigen.
10 Es waren Maria von Magdala, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, und die übrigen Frauen mit ihnen. Sie erzählten es den Aposteln.
11 Doch die Apostel hielten diese Reden für Geschwätz und glaubten ihnen nicht.
12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab. Er beugte sich vor, sah aber nur die Leinenbinden. Dann ging er nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen war.

Johannes 20

Die Erscheinung Jesu vor Maria von Magdala
11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.
16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.
17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.
18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Der ungläubige Thomas
25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte:
Friede sei mit euch!
27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig,
sondern gläubig!
28 Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Apostelgeschichte 1

4 Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt!
5 Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden.
6 Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
7 Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8 Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
10 Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
11 und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen,
wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.
12 Dann kehrten sie von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.

Was fällt auf?

Es gibt keine direkte Zeugenaussage von dem Ereignis der Auferstehung. Stattdessen berichten weiß gekleidete Männer im leeren Grab, dass Jesus auferstanden sei.

Auch im Matthäus-Evangelium wälzt der weiß gekleidete Engel den Stein vor dem Grab weg, aber das Grab ist schon leer.

Im Johannes-Evangelium trifft Maria Magdalena auf einen Mann, der behauptet, Jesus zu sein, den sie zunächst für den Gärtner hielt, also ihn nicht wirklich erkannt hat.

Von den direkten Begegnungen von Personen mit den Auferstandenen ist die des ungläubigen Thomas die berühmteste. Der auferstandene Jesus formuliert hier eine neue Beweisqualität: Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben. Darum geht es in der Religion: glauben an etwas, das nicht vorhanden oder doch zumindest nicht beweisbar ist.

Besonders interessant aber ist an dieser Geschichte, dass Thomas der Aufforderung Jesu, ihn an den Wunden anzufassen, nicht nachkommt! Das haben selbst sie großen Meister der religiösen Kunst nicht bemerkt und die Geschichte daher falsch dargestellt.

der ungläubige Thomas
Bild: Michelangelo Merisi da Caravaggio, etwa 1603

Eine rationale Umdeutung:

Die Geschichte der Auferstehung würde in einem ordentlichen Indizienprozess gnadenlos zerpflückt! Wahrscheinlicher ist:

Die Auferstehung war eine raffinierte Inszenierung, um die Apostel bei der Stange zu halten:

Die bereits zahlenmäßig große und gut organisierte Christengemeinde wäre ohne Jesus am Ende gewesen. Der Messias tot? Das konnte und durfte nicht sein! Vor allem durften die Jünger einschließlich der Maria Magdalena nicht entmutigt werden,
vielmehr sollten sie die Botschaft Jesu, vor allem seine triumphale Auferstehung, in die Welt tragen: mit Jesus kann der persönliche Tod überwunden werden.

Das hieß aber: es musste eine für die Jünger, die späteren Apostel, glaubwürdige Inszenierung der Auferstehung her.

Innerhalb von drei Tagen trat der geheime Krisenstab der gut organisierten Anhänger Jesu zusammen, natürlich ohne die Apostel und die Jüngerinnen.

Dazu waren notwendig:

  • ein Kommando, das die römischen Grabwächter ausschaltete, den Stein wegwälzte und den Leichnam an einen unbekannten Ort brachte,
  • zwei „Engel“ in weißen Gewändern, die den naiven und seelisch schwer erschütterten Grabbesucherinnen die Botschaft vom Auferstandenen überbringen würden,
  • ein Jesus-Darsteller, ein Mann mit großer Ähnlichkeit zu dem Verstorbenen und gutem Imitationstalent. Dieser durfte natürlich nie zu lange auftreten, um nicht aufgedeckt zu werden.

Vor allem musste dieses Manöver vor den Aposteln und den weiblichen Anhängerinnen geheim gehalten werden. Und das gelang perfekt. Denn diese waren verzweifelt und wollten glauben.

Die Apostel und andere Jünger erfuhren zunächst ausschließlich durch die Frauen von der Auferstehung. Keiner von ihnen war direkter Zeuge.

Der sogenannte ungläubige Thomas war erleichtert, dass er die Wundmale Jesu sehen konnte und glauben konnte. Denn wenn er den Jesus angefasst hätte, hätte er gemerkt, dass diese nur aufgemalt waren.

Der Auferstandene durfte auch nicht zu lange erscheinen, denn das hätte die Römer und die Hohenpriester aufs Neue auf den Plan gerufen. Die ganze Auferstehungsgeschichte musste eine Erzählung unter den Gläubigen bleiben, bis sie mit der Himmelfahrt abgeschlossen war.

Erst dann konnte die junge Christenheit überall von der Auferstehung berichten.

Dieses Meisterstück einer genialen Inszenierung führte dazu, dass die Apostel die christliche Religions-Botschaft freudig und mit voller Überzeugung verbreiten konnten.

Fazit

Mit der Inszenierung "Auferstehung und Himmelfahrt" hat das Christentum den "Beweis" simuliert, dass der Tod gegen ein perfektes ewiges Leben ausgetauscht werden kann, wenn man dem angeblich Auferstandenen folgt und sich "erlösen" lässt.
So ein mächtiges Versprechen für seine Anhänger konnte bis dato keine Religion anbieten: Ein Jenseits für gottgefällig gelebte und dann biologisch wiederhergestellte organische Wesen.

Das Menschenbild der Christen besagt:

Alle anderen Lehren, Gleichnisse, Gebote, die Jesus von Nazareth zugeschrieben werden, sind demgegenüber nebensächlich und haben sich für die Majorität der Anhänger des Christentums im Laufe der Geschichte verflüchtigt.

So erklärt sich das verheerende moralische Missverständnis bei nicht wenigen Christen:
Du bist durch die Erbsünde sowieso gebranntmarkt bei Gott, also kannst du machen was du willst. Anständiges Verhalten ist vor Gott zweitrangig, vielmehr ist
die Hauptsache, du erkennst die Gottgleichheit des Gekreuzigten und seine Auferstehung an. Du musst Jesus nachfolgen, dann wirst du ewig leben.

Dieses Menschenbild widerspricht dem heutigen Wissen über die Eigenschaften organischen Lebens diametral.
Der Mensch unterscheidet sich von anderen Organismen in mancherlei Hinsicht (so durch seine Fähigkeit, Götter, Propheten und heilige Schriften zu erfinden), aber sicher nicht hinsichtlich
seiner biologischen Eigenschaft als Werdender, Lebender und Vergehender.
Der Tod ist normal, kein Schrecken und keine Strafe.


Die Versuchung: ach so.

Versuchung
Bild: Juan de Flandes ca 1500

Matthäus 4:

1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.
2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
3 Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.
4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels
6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«
7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
8 Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit
9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niedergällst und mich anbetest.
10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«
11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel herzu und dienten ihm.  (Vom bibelserver.com)


Ich erzähle es mal aus der Sicht des Freundes aus der Tempelschule:

"Vor einiger Zeit habe ich Jesus, den Sohn des Zimmermanns, wieder getroffen, mit dem ich zusammen in der Rabbischule war. Er war ein unglaublich begabter Schüler, aber immer schon ein bisschen abgehoben. Er kam gerade aus der Wüste. 40 Tage hat er gefastet, und wie das so ist, er hatte Halluzinationen, das habe ich nicht gleich in der ganzen Tragweite gemerkt. Er hat mich auch nicht richtig erkannt und mich behandelt als sei ich ein Fremder.

Dann fing er an, mir zu erzählen, er hätte jetzt erkannt, dass er Gottes Sohn sei und die Welt erlösen wollte. Oh oh oh, ich dachte, wenn der so etwas herum erzählt, bekommt er richtig Schwierigkeiten, mit der Verwaltung, den Hohepriestern, und vor allem mit den Römern.
Da ich ihn als intelligenten Menschen kannte, dachte ich, vielleicht kann ich ihn mit rationalen Argumenten auf den Boden der Tatsachen zurückführen. Zum Beispiel: müsste er als Gottes Sohn nicht locker etwas zaubern können? Etwa Steine in Brot verwandeln, um seinen Hunger zu stillen? Das sagte ich ihm. Nun, Jesus hat die ganzen alten Schriften im Kopf, und sofort kam ein Bibelvers: (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
Also: kein Realitätstest, sondern ein Spruch. So behält man seinen Größenwahn. Also versuchte ich es selber mit einem Bibelzitat. Ich bestieg mit ihm das Dach des Tempels und bat ihn, herunterzuspringen, denn es steht ja geschrieben: (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«
Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« Also: wieder kein Realtitätstest. Er ist Gottes Sohn, aber er weigert sich, das zu beweisen.
Da wurde ich langsam ärgerlich. Mich ritt sozusagen der Teufel, und ich wollte mich über ihn lustig machen: "Ich bin der Satan, und ich verspreche dir alle Länder der Erde, wenn du mich anbetest." Ich hatte erwartet, dass er jetzt endlich merkt, wie albern das alles ist. Aber er war nicht mehr der Jesus, den ich kannte, er war fest entschlossen, nunmehr Gottes Sohn zu sein. Er nahm meinen Ausspruch für bare Münze und zieh mich der Sünde gegen das erste Gebot, beschimpfte mich tatsächlich als Satan und drohte auf mich einzuschlagen. Da habe mich schnell aus dem Staube gemacht.

Wie furchtbar und vorhersagbar die Geschichte mit dem Jesus ausging, ist dann ja bekannt. Was ich aber nicht für möglich gehalten habe ist, dass er im Austausch mit seinen vielen, vielen Anhängern auch noch in seinem Wahn bestätigt wurde. Die haben sich dann richtig gegenseitig aufgeschaukelt."

So ist es bis heute. Wenn du deinen Verstand anwendest, hinterfragst, oder wenn du dich über die abergläubischen Vorstellungen der Religionen lustig machst, dann bist du der Satan. Halte dich vom Baum der Erkenntnis fern.




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