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Die Versuchung. Weiche von mir, Verstand

Oder: komme dem Größenwahn nicht mit Ironie.

Versuchung
Bild: Juan de Flandes ca 1500

Matthäus 4:

1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.
2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
3 Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.
4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels
6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«
7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
8 Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit
9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederknielst und mich anbetest.
10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«
11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel herzu und dienten ihm.  (Vom bibelserver.com)


Ich erzähle es mal aus der Sicht des Freundes aus der Tempelschule:

"Vor einiger Zeit habe ich Jesus, den Sohn des Zimmermanns, wieder getroffen, mit dem ich zusammen in der Rabbischule war. Er war ein unglaublich begabter Schüler, aber immer schon ein bisschen abgehoben. Er kam gerade aus der Wüste. 40 Tage hat er gefastet, und wie das so ist, er hatte Halluzinationen, das habe ich nicht gleich in der ganzen Tragweite gemerkt. Er hat mich auch nicht richtig erkannt und mich behandelt als sei ich ein Fremder.

Dann fing er an, mir zu erzählen, er hätte jetzt erkannt, dass er Gottes Sohn sei und die Welt erlösen wollte. Oh oh oh, ich dachte, wenn der so etwas herum erzählt, bekommt er richtig Schwierigkeiten, mit der Verwaltung, den Hohepriestern, und vor allem mit den Römern.
Da ich ihn als intelligenten Menschen kannte, dachte ich, vielleicht kann ich ihn mit rationalen Argumenten auf den Boden der Tatsachen zurückführen. Zum Beispiel: müsste er als Gottes Sohn nicht locker etwas zaubern können? Etwa Steine in Brot verwandeln, um seinen Hunger zu stillen? Das sagte ich ihm. Nun, Jesus hat die ganzen alten Schriften im Kopf, und sofort kam ein Bibelvers: (5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
Also: kein Realitätstest, sondern ein Spruch. So behält man seinen Größenwahn. Also versuchte ich es selber mit einem Bibelzitat. Ich bestieg mit ihm das Dach des Tempels und bat ihn, herunterzuspringen, denn es steht ja geschrieben: (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«
Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« Also: wieder kein Realtitätstest. Er ist Gottes Sohn, aber er weigert sich, das zu beweisen.
Da wurde ich langsam ärgerlich. Mich ritt sozusagen der Teufel, und ich wollte mich über ihn lustig machen: "Ich bin der Satan, und ich verspreche dir alle Länder der Erde, wenn du mich anbetest." Ich hatte erwartet, dass er jetzt endlich merkt, wie albern das alles ist. Aber er war nicht mehr der Jesus, den ich kannte, er war fest entschlossen, nunmehr Gottes Sohn zu sein. Er nahm meinen Ausspruch für bare Münze und zieh mich der Sünde gegen das erste Gebot, beschimpfte mich tatsächlich als Satan und drohte auf mich einzuschlagen. Da habe mich schnell aus dem Staube gemacht.

Wie furchtbar und vorhersagbar die Geschichte mit dem Jesus ausging, ist dann ja bekannt. Was ich aber nicht für möglich gehalten habe ist, dass er im Austausch mit seinen vielen, vielen Anhängern auch noch in seinem Wahn bestätigt wurde. Die haben sich dann richtig gegenseitig aufgeschaukelt."

So ist es bis heute. Wenn du deinen Verstand anwendest, wenn du die grotesken abergläubischen Vorstellungen der Religionen hinterfragst oder dich gar darüber lustig machst, dann bist du der Satan. Immer wieder gern freigegeben zum Abschuss. Gläubiger Christ, Moslem, Hindu ..., halte dich vom Baum der Erkenntnis fern. Rette deine erhabene Gefühlswelt und deine Selbstgerechtigkeit.

In die demokratische Verfassung eines Staates gehört nicht nur die garantierte Religionsfreiheit, sondern ganz besonders das Recht auf Freiheit von Religion.

*) Der sogenannte Apostel Paulus lehrte übrigens, jede Obrigkeit zu akzeptieren und ihr zu dienen, denn sie ist ja von Gott zugelassen. Römer 13, Vers 1 und 2.