42 uwewiest.de                               
Titel      Gewohnheiten     Gespräch    Zuhören   Einfühlen    Fragen     Rat geben     Freundlich   Liebevoll Ansehen    Rolle     Konsequenzen     Verhalten Ändern

Umgang mit sich und anderen - Aus der Rolle fallen

Grundlagen

Im Theater oder Film verkörpern die Schauspieler bestimmte Rollen. Bei guten Werken können diese Rollen durchaus differenziert sein.

Im Alltag stelle ich auch so eine Rolle dar, ich sehe mich in einer ganz bestimmten Weise, und ich könnte für mich sogar ein Drehbuch schreiben. Das ist eine interessante Vorstellung: sich selber zu spielen.

Dazu passend gibt es das Fremdbild, wie andere Menschen mich sehen. Das Fremdbild ist oft sogar präziser als das Selbstbild, es zu erforschen, birgt manchmal Überraschungen.

Bei den Disney-Figuren gibt es klare Rollenkonzepte: den Glückspilz Gustav Gans, den reichen Geizkragen Dagobert Duck, den sich selbst überschätzenden sympathischen Looser Donald Duck, die altklugen Neffen Tick, Trick und Track, die Panzerknacker, die immer am Ende die Dummen sind, aber immer weiter an ihre Erfolgsaussichten glauben, der große böse Wolf, gefährlich, aber immer der Verlierer, muss sich von seinem moralisch-guten Sohn retten lassen. Daniel Düsentrieb, der kreativ ist aber anscheinend an seinen Erfindungen nicht viel verdient.

Negative Selbstbilder werden selten eine Realitätsprüfung unterzogen. Sie können sich dann auch nicht verändern.

Ich bin zu dick.

Ich bin nicht schlagfertig und nicht witzig.

Männer/Frauen finden mich unattraktiv.

Ich bin krank, depressiv, mutlos, ich halte mich nur mit großer Anstrengung auf den Beinen.

Ich habe einfach kein Glück.

Mir sagt niemand mal etwas Nettes.

Ich finde mich hölzern, unentspannt, langweilig.

Ich mag mich nicht leiden, wenn ich in den Spiegel schaue.

Was soll man dazu sagen?

Negative Selbstbilder verstärken ständig das Verhalten.

Vorschläge

  • Beschreibe dein Selbst- und dein Fremdbild in einem Satz, möglichst anschaulich.

Beispiel:

    1. Ich bin ein munterer Mensch, der gern andere unterhält. Ich weiß sehr viel, meistens mehr als andere, und das zeige ich auch.

      Fremdbild (bei jemandem, der es gern ruhig hat und leicht schon mal unsicher wird, aber auch mal was sagen möchte):

      Er ist aufdringlich, lässt niemanden zu Worte kommen, weiß alles besser.

    2. Ich bin sehr genau, und ich sage anderen immer die Wahrheit und was ich denke und von anderen halte, auch wenn das nicht immer angenehm ist.

      Fremdbild bei jemandem, die oder der eine freundliche lockere ermutigende menschliche Umgebung schätzt:

      Er ist mit nichts zufrieden was man tut und benimmt sich unhöflich und ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer.

    3. Ich bin ein gebildeter Mensch und hasse oberflächliche Gespräche. Ich liebe den intellektuellen Tiefgang.

      Mögliches Fremdbild: Muss sich immer wichtig machen. Man fühlt sich in seiner Gegenwart ungemütlich, wie bei einer Prüfung, wo es auf jedes Wort ankommt.

    4. Ich bin schüchtern und werde leicht übersehen.

      Mögliches Fremdbild: ein angenehmer, ruhiger, gelassener Mensch, den man gern um sich hat. Nie aufdringlich. Aber auch ein wenig langweilig. Man kann sich kaum erinnern wie sie/er aussieht.

Die Beispiele zeigen, dass Merkmale, die man an sich selber schätzt, bei anderen negativ gesehen werden können. Und umgekehrt. Vermeintliche Schwächen werden als Stärken wahrgenommen.

  • Nimm eine andere Rolle ein.

    1. Male dir die Rolle sozusagen aus. Wie denkt ein Mensch in dieser Rolle, was ist ihm wichtig, wie redet der Mensch, welche Haltung nimmt er ein?

    2. Spiele diese Rolle bei verschiedenen Gelegenheiten im Alltag.

    3. Was geschieht? Ist dir das peinlich oder geht das ganz leicht? Welche Wirkung hat das auf andere? Auf dich?

    4. Hast du Lust, diese Rolle öfter einzunehmen? Oder wenigstens etwas davon? Oder bist du mit deiner eigenen jetzt sogar zufriedener?

Was für eine Rolle? Es gibt so viele Charaktere in Filmen, Romanen, Theaterstücken.