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Umgang mit sich und anderen: Fragen

Grundlagen

Warum fragen Menschen?

Schriftliche Fragen erkennt man am Fragezeichen, mündliche an der am Satzende angehobenen Stimme. Ansonsten haben sie wenig gemeinsam.

Lehrerin: Warum hast du Thomas geschlagen? (Schüler: Ich weiß es selber nicht, aber ich muss jetzt irgendwas Geschicktes antworten).

Verkäufer: Bietet der Toaster nicht wirklich viel für sein Geld? (Ich brauche keinen Toaster)

Sie: wollen wir Essen gehen oder lieber ins Kino? (Ich möchte zu Hause bleiben, aber das sage ich lieber nicht)

Er: liebst du mich wirklich? (Was ich auch antworte, es kann nur falsch sein)

Lehrer: hat Felix richtig gerechnet? (Ja oder Nein)

Eltern: wie war es in der Schule? – Gut. (Kind weiß, es geht nicht darum, Eltern beunruhigende Dinge zu sagen. Aber auch nicht, dass einige Dinge Spaß gemacht haben. Es geht vielmehr darum, wenig zu sagen und damit kein Öl ins Feuer zu gießen).

Eine gute Retourkutsche, wenn man eine Frage nicht beantworten möchte: „Warum fragst du?“

Fragen dienen verschiedenen Zwecken:

Jemand will eine Information, einen in Verlegenheit bringen, einem Alternativen aufzwingen, seine eigene Sorge besänftigen (was so nicht gelingt), Überlegenheit zeigen (Warum fragt der Lehrer Sachen, die er doch schon weiß?). Manche Fragen beinhalten gleich eine Bewertung. „Findest du das richtig, kleine Kinder zu ärgern?“

Fragen können aber die befragte Person in ihrer Phantasie beflügeln, Nachdenken fördern..

Enge Fragen sind eindimensionale Fragen, die nur wenige Antworten zulassen. Der Gefragte ist in dem Gespräch eigentlich nur Statist.

Weite Fragen lassen der befragten Person Spielraum, weite Fragen stimulieren und setzen wenig unter Druck. Sie ermöglichen einen Austausch von Gedanken.

Zirkuläres Fragen –

das ist so Etwas wie Klatschen mit Anwesenden: man wird nach Meinungen über andere gefragt statt über sich selber reden zu müssen. Dabei geht es um Vergleiche.

Wer ist noch so unordentlich wie Thomas? Wer ist am ordentlichsten?

War Thomas immer schon unordentlich? Wann war er am ordentlichsten?

Wenn Thomas unordentlich ist, wer regt sich darüber am meisten auf?

Wer kann Thomas am ehesten dazu bewegen, aufzuräumen?

Wenn Thomas plötzlich ganz ordentlich wäre, wer hätte am meisten davon?

Was würde geschehen, wenn Thomas noch viel unordentlicher würde?

Wer würde als erster bemerken, wenn Thomas seine Sachen aufräumt?

Gibt es jemanden, der früher auch unordentlich war? Wie hat sie oder er zur Ordnung gefunden?

Welche Vorteile hat Thomas davon, unordentlich zu sein?

Wer würde sich mehr und wer würde sich weniger um Thomas kümmern, wenn er ordentlich wäre?

Was würde geschehen, wenn alle unordentlich würden?

Würde es Thomas dann besser oder schlechter gehen?

Zirkuläre Fragen beinhalten explizit den Beziehungs- und den Inhaltsaspekt:

Statt: „Was hast du gesehen?“ „Was denkst du, was er gesehen hat?“

Statt: „Wie siehst du das Problem?“ „Was denkst du, wie sie das Problem sieht?“

Zirkuläre Fragen erweitern die Perspektive. Auf andere Personen, auf Zusammenhänge, unterschiedliche Zeiten, auf die Zukunft. Es wird in verschiedene Richtungen geblickt. Das System wird ausgeleuchtet, statt isoliert eine Person zu untersuchen. Daher werden zirkuläre Fragen auch systemische Fragen genannt.

Zirkuläre Fragen sind Vergleichsfragen. Verschiedene Personen, Verhaltensweisen, Bewertungen, Zeitpunkte werden miteinander verglichen. Vergleiche führen weg vom Absoluten zum Relativen.

Mit zirkulären Fragen bringt man eine Person mit Defiziten aus der Defensive und macht sie zur Mit-Forscherin.

Vorschläge

Stelle weite Fragen, zirkuläre Fragen.

Beobachte dabei deine Gefühle.

Achte darauf, wie sich deine Sichtweise von den Dingen erweitert.

Fertige eine Liste an. Was kann man alles vergleichen?