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Sehen und Glauben

Die Krux mit dem Monotheismus -  © Dr. Uwe Wiest, Dipl.-Psych.


Inhaltsverzeichnis

Die Lehre von ruhenden Göttern und Seelen ohne Gedächtnis

In den Weltreligionen gibt es Götter oder einen Gott, die mit den Menschen herummachen

Die angeführten Gründe für das Wirken von Gottheiten auf den Menschen sind nicht stichhaltig

Gott hat das Ganze einmal in Gang gesetzt und ruht jetzt -

nicht nur am 7. Tag, sondern für immer

Könnte das sein? Die Seele verliert mit dem Tod ihre persönlichen Merkmale und macht einen Neuanfang.

Das subjektive Bewusstsein ist wie ein mehrdimensionaler Film

Das Verlangen nach Lebensverlängerung bis hin zur Unsterblichkeit ist töricht und zerstört Möglichkeiten

Die menschliche Leistung in Richtung auf Einfluss über den Tod hinaus besteht in der Kultur

Was bedeutet das für mein Leben?

Ich

Gut oder schlecht? Eine Frage der Dosierung

Harmlose Genüsse werden zu Gift, wenn sie in Überdosis eingenommen werden. Gifte können Heilwirkung haben, wenn sie stark verdünnt konsumiert werden

So ist es auch mit der Religion

Aber: in Überdosis

Der gut dosierte Umgang mit der Religion

Das ist nicht so ganz einfach.

Der ungläubige Thomas

Das Vierfelder-Quadrat des Glaubens

Pilatus trickst und Jesus hat einen Doppelgänger

Der Mensch – geschaffen als Bild Gottes?

Es gibt keinen menschenähnlichen Gott und der Mensch ist nicht gottähnlich, und das Leid der Welt kommt nicht von der Auflehnung gegen Gott

Der Mensch ist bei der Schaffung einer Moral auf sich selber gestellt

Appendix: Adam und Jesus, wurden beide von Gott gestraft?

Begreifen

Was ist mit Gott?

Blasphemie: Gotteslästerung ist: Gott hässliche Eigenschaften zuschreiben.

Liebe Leute, DAS ist Gotteslästerung.

Der Menschenhass der Schrift-Götzen-Diener.

Variante: Christen

Variante: Moslems

Zitate aus dem Heiligen Buch des Islam, dem Koran (wortwörtlich von Gott diktiert!)

Die Macht des Gebets.

Das Gebet als Zwiegespräch

Gebete als autosuggestive Leerformeln zur Stärkung der Gruppenbindung

Das Gebet im Vergleich

Die zehn Gebote des Alten Testaments

Bittest du deine Mitmenschen um die Einschätzung dieser Gebote oder besser gesagt Verbote ...

Neuer Vorschlag: Nur ein Gebot, aber das dann auch wirklich halten, Leute

Glauben kann Irrtum sein. Glaube kann tödlich sein!

»Irgendwas« erzeugt das Universum und die Menschen.

»Irgendwas« schafft die Menschen. Menschen-Gemeinschaften gestalten Gott.

Das erste Gebot. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Gott hat ein Kommunikationsproblem. Deshalb gibt es Mittler.

Gibt es nun Gott oder gibt es ihn nicht?

Gott ist besiegbar. Wozu sonst die Propaganda?

Religion ist aggressiv, intolerant. Sie muss es sein.

Religion ist humorlos.

Gott neu formen, Gott modifizieren, das ist gut für Gott und gut für die Menschen.

Jesus-Special: Das Alte und das Neue Testament

Was will der Alltagsmensch – du und ich – von der Religion?

Zusammenfassung

Selbsttötung oder Jammertal.

Jesus: wahr Mensch. Echt?

Die Tragik des Christentums. Mein Wort zum Karfreitag

Gottsch

Das Reich Gottes

Wo ist das Reich des Jesus von Nazareth?

Judas und Satan

Die Versuchung auf dem Tempeldach. Wäre er doch gesprungen!

Gott hat sich im Alten Testament hervorragend mit dem Satan vertragen

Auch Jesus blieb im Dialog mit dem Satan

Judas und Satan als Werkzeug Jesu

Natürliche Erklärungen: Selig sind, die erst sehen und dann glauben

Das Kreuz mit dem Gehenkten

Realität und Religion

Was spricht für oder gegen den Wahrheitsgehalt religiöser Lehren?

Das Recht aller Rechtgläubigen, an Irgendwas Gläubigen, Ungläubigen und Anders-Seienden auf ein würdiges Dasein

Die Befriedigung grundlegender Bedürfnisse durch Religion

Empathie und der Verlust der Unschuld. Oder: ein Entwicklungskonzept des Sündenfalls.

Die Krux mit der Verneinung. Nicht- und A-, Un- und -los

Die Sprache sorgt dafür, dass nicht der Theismus, sondern die Freiheit vom Theismus als Problem definiert wird. Als Atheismus

Zusammenfassung:

Das (Un-)Wissen der Propheten und Gottessöhne und das heutige Weltbild

Wahrheit und Gleichnis

Wer oder was ist Gott (nicht)? 8 Thesen

Kein Gott greift ordnend in das menschliche Geschehen ein

Gott kann keinen Sohn haben. Und keine Mutter. Und kein Geschlecht

Die Sterblichkeit und das Leid kann nicht durch Sünde (Ungehorsam gegen Gott) entstanden sein

Es kann keinen Gegengott namens Teufel oder Satan geben

Gott, wenn es ihn denn gibt, braucht kein Lob von sterblichen Lebewesen

Ein universaler Gott schließt keine Bündnisse mit Menschen gegen andere Menschen

Gott teilt sich keinem Menschen Wort für Wort mit

Die sogenannten monotheistischen Hochreligionen sind kein Fortschritt gegenüber früheren Religionen

Was bleibt?

Zeitgeist

Die Ökumene und die toleranten evangelischen Kirchvertreter halten sich bedeckt

Die Faszination des Christus

Die kirchliche Quadratur des Kreises

Der Webfehler der Religionen

Beleidigung des Propheten und seines Buchs

Religiöse Legasthenie:

Pastor Latzels angebliche Hasspredigt in der Martinikirche Bremen

Der einzige alle Zeiten und Kulturen überdauernde Glaube

Wie entstehen Religionen:

Sehen und Glauben 2.0

Impressum




Religion ist Erzählung. Hier der Versuch einer neuen Erzählung. Kompatibel mit dem Stand der Wissenschaft. Entlastend und Angst-Nehmend.
"Das wird uns eine Leere sein."
Mögen Sie lieber komplett abgeschlossene Filme als endlose Serien oder Neuauflagen desselben mit denselben Beteiligten?

Die Lehre von ruhenden Göttern und Seelen ohne Gedächtnis.

In den Weltreligionen gibt es Götter oder einen Gott, die mit den Menschen herummachen.

Religionen sind Ansammlungen von Phantasien. Sie geben Rezepte, wie man Gott (oder Götter) beeinflussen kann, zum Beispiel durch Gebete und Opfer. Religionen dienen als Rechtfertigung für Macht, Unterdrückung, Krieg. Die Phantasien bestehen aus Behauptungen über Jenseitiges, Auferstehung, Rache Gottes an Ungläubigen, Belohnung der rechtschaffenen Gottgläubigen, und natürlich über GottesMÄNNER, die als einzige authentischen Kontakt mit Gott haben oder hatten. Sogenannte Propheten, Messiasse, Erlöser, Heilige.

Zu einem freudig gestalteten rechtschaffenen Leben führt das nicht unbedingt. Religion baut auf Zweifel und Ängsten auf. Wer weiß schon, ob Gott zufrieden ist oder hier im Diesseits oder dort im Jenseits auf die Person drauf haut?

Die angeführten Gründe für das Wirken von Gottheiten auf den Menschen sind nicht stichhaltig.

Religionen sind rationalen Überlegungen, Forschungsergebnissen, Erfahrungen unzugänglich. Beispiel: Arme werden ersäuft, Kirchen stürzen ein, Gläubige verschiedener Richtungen bekämpfen sich. Gebete werden so oft erhört wie es nach Zufall zu erwarten ist. Das alles stört Gläubige überhaupt nicht. Wenn gar nichts mehr hilft: "Gottes Ratschluss ist unerforschlich".

Es spricht alles dafür, Gott-Sein und Mensch-Sein zu entkoppel. Zum Beispiel so:

Gott hat das Ganze einmal in Gang gesetzt und ruht jetzt.Sein 7. Tag dauert noch immer an.

Die Entwicklung des Da-Seins erfolgt nach seinen Gesetzen und bedarf keines weiteren Eingreifens.

Die Antithese zu den Weltreligionen ist nicht: – Gott existiert nicht –, sondern: - die Gott-Mensch-Beziehung existiert nicht -.

An Menschen uninteressierte Götter: Gott schafft die Welt mit einer Initialzündung, von den Physikern etwas missverständlich Urknall genannt, und das war es dann. Seitdem sieht er gelegentlich zu, so wie ein Gärtner den Wuchs der Pflanzen beguckt, aber ohne jemals zu gärtnern, ohne Interesse, und ohne Möglichkeit und Motivation einzugreifen, denn alles entwickelt sich nach Gottes Gesetzen (den Gesetzen der Physik, Biologie und der in allem Sein innewohnenden Kreativität). Alles was da ist, war als Möglichkeit von Anfang an da. Mögliches wird Wirklichkeit – oder auch nicht.

Gott ruht nicht nur am siebten Tag. Sein siebter Tag hält an bis in alle Ewigkeit.

Die Konsequenz für das tägliche menschliche Leben ist im übrigen die Gleiche wie beim Atheismus. Aber: Gott bestreiten ist gar nicht notwendig und irrelevant, wenn man einen nicht individuell eingreifenden Gott postuliert. Die Abkopplung vom Nachdenken über Gott macht es leichter, seine Energie auf das tatsächliche Leben zu konzentrieren.

Die Religionsgemeinschaften verlieren dadurch natürlich jede bisherige Bedeutung. Sie versuchen als Hilfsorganisationen und Kulturveranstalter, vor allem musikalischer Art, zu überleben. Oder in der perfidesten Art als kognitives Dach autoritär-gewalttätiger Staaten und anderer Unterdrückungssysteme. Stichwörter: Waffen segnen. Gottes-Staat.

Daraus ergibt sich:

die Priorität des Grundrechts auf Ablehnung von Gott-Mensch-Religionen (Theistischen Religionen) vor der Freiheit für Glauben und Praktizieren von abergläubischem Kasperkram.

Könnte das sein? Die Seele verliert mit dem Tod ihre persönlichen Merkmale und macht einen Neuanfang,

wie eine ausgewischte Schultafel oder eine gelöschte Datei, und entwickelt sich mit einem anderen Individuum neu. Das vorige Leben hinterlässt keine Spur in der Seele. Damit ist das Verhalten eines Individuums für die Existenz der Seele nach dem Tode nicht relevant. Es erübrigt sich die Angst vor dem Tode und dem Jenseits, und es bedarf keines Erlösers.

Nicht nur die Kirchen, sondern auch die Sekten aller Art verlieren ihre Geschäftsgrundlage. Zum Beispiel die Scientology.

Das ist doch ganz leicht zu verstehen: die Person hat über die ganze Lebenszeit die Wahrnehmung, immer dasselbe Ich zu sein. Dabei wird sie doch im Laufe der Jahre durch Erfahrung und ihre biologische Entwicklungsphase eine andere. Würde man die Siebzigjährige wieder zu einer Zwanzigjährigen verwandeln, würde sie unter Umständen ganz anders denken und handeln.

Das Ich stirbt nicht, die Seele existiert weiter, aber ohne irgendetwas von der verstorbenen Person mitzunehmen. Es ist nicht einfach schwarz nach dem Tode, vielmehr beginnt ein ganz anderer neuer Film in einem anderen sich entwickelnden Körper. Das Licht geht aus und woanders wieder an.

Ob das so ist, wird wohl nie zu beweisen sein, wie auch das Gegenteil: die komplette Auslöschung.

Das subjektive Bewusstsein ist wie ein mehrdimensionaler Film,

Das Individuum erkennt, dass es gleichzeitig einzigartig ist: es wirkt nur in diesem Film mit und in keinem anderen. Es erlebt sich als „Ich“, als Hauptdarsteller. Es beobachtet, nimmt wahr, kommuniziert und reagiert mit anderen, die gewissermaßen „außen“ sind. Die individuelle Person ist die Einzige, die Emotionen erlebt, sie kann nur annehmen, dass andere dieselben Emotionen haben: gleiche Sprachäußerungen, gleiche Mimik und Gestik. Der Ausdruck von Gefühlen ist ja weitgehend universal. Für sich selber kann man in den Spiegel schauen oder Fotos und Videos ansehen.

Das Individuum kann seinen Film nicht verlassen, sein Leben lang, wenn der Film zu ende ist, stirbt die Person. Es ist Beobachter und Akteur zugleich.

Es kann nur existieren, wenn es die Macht und die Regeln des Drehbuchs akzeptiert. Innerhalb des Drehbuchs hat es nur einen schmalen Handlungs-Spielraum. Das Individuum muss sich so verhalten, als wären alle anderen Menschen in derselben Situation und hätten ihre eigenen Filme. Es muss also einen objektiven Standpunkt einnehmen.

Moral: auch bei besten Einsichten und Absichten: das Ich mit seinen Interessen bleibt im Vordergrund. Moral war und ist immer: was schützt mich, die Gruppe, was gibt ihr Entwicklungschancen? Es geht nie um universale Menschenrechte. Oder warum wollen die Reichen ihr Erbe nicht an andere verteilen? Warum usurpieren Familienclans ganze Staaten? Das ist im Tierreich so, das ist bei den Menschen so. Der Fortschritt könnte sein, dass wir alle Menschen als einheitliche Sippe verstehen.

Das Verlangen nach Lebensverlängerung bis hin zur Unsterblichkeit ist töricht und zerstört Möglichkeiten.

So was strebt die Wissenschaft an, Erhaltung deiner Merkmale, virtuell oder als Gehirn im Glas oder verpflanzt in einen neuen Körper? Die ewige Idee vom individuellen Jungbrunnen? Ein Irrweg.

Die Christen träumten immer von der persönlichen Auferstehung und dem ewigen Leben. Das ist nichts gegen die Vorstellung einer völlig anderen Existenz. Stelle dir vor, du wirst eine schlaue Krähe in einem funktionierenden Sozialverband mit einer attraktiven Krähin. Eieiei. Nichts geht über einen hohen Paarungsflug. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Ist es so final toll, ein Mensch zu sein? Wir müssen ständig atmen, schlafen, kacken, pissen, uns waschen, die Nägel schneiden, dauernd sind wir krank, wir müssen unsere Macken ständig kompensieren, wir sind unseren Trieben ausgesetzt, Und und und. in den letzten Jahren sehen wir überhaupt nicht mehr schön aus, im Vergleich zu früher geht es noch ein paar Jährchen länger dank der hochentwickelten Chirurgie mit ihren Techniken und Ersatzteilen, gut, es gibt Schlimmeres, aber so ein Neuanfang als perfekter Einzeller ist auch nicht schlecht. Hunderte von Jahren herum paddeln und sich gelegentlich teilen. Nette andere Einzeller treffen. Bloß nicht die eigene abgeteilte Verwandtschaft. Bis dich jemand frisst. Oder ein Neubeginn als Möwe. In der Luft herumgleiten, mit anderen Möwen zusammenstehen, Touristen mit elegantem Anflug das Essen klauen. Oder gar als Baum.

Das sind alles Existenzen, die wir verpassen, wenn wir sie nicht sein können.

Spannender ist es also, sein Leben aktiv zu gestalten, dann zu sterben, und in einen neuen Film einzutauchen. Das ist ein Paradoxon: ich bin nicht tot, ich kehre wieder. Aber ich bin ein völlig neues Ich.

Die menschliche Leistung in Richtung auf Einfluss über den Tod hinaus besteht in der Kultur,

dem Hinterlassen von Spuren in die menschlichen Gemeinschaft. Von den Personen bleiben Versatzstücke in den „Filmen“ anderer. Wenn sie denn Spuren hinterlassen haben! Je weiter sich die Zivilisation entwickelt hat, desto mehr solcher Spuren gibt es. Bauwerke, Schrift, Gedankengebäude, Kunst, Technik aller Art, schließlich das Internet als kollektives Supergedächtnis und Kommunikationsmittel.

Was bedeutet das für mein Leben?

Die Lehre von den ruhenden Göttern und den von allen Merkmalen sauber gewaschenen Seelen, die auf den nächsten Film warten, stimmt mich froh.

Bis es so weit ist, mache ich noch etwas richtig Gutes aus dem laufenden Film.

Literaturempfehlung: Lukrez, über die Natur der Dinge. Von zeno.org Geschrieben vor über 2000 Jahren, vor dem Neuen Testament.

Den Gedanken noch einmal, anders formuliert:


Ich

1

Das Ich wird im allgemeinen als die Summe von individuellen Erinnerungen, Identitätsempfindungen, Gefühls- und Wahrnehmungskonstellationen aufgefasst.

Die Spekulationen um ein Weiterleben nach dem Tode gehen davon aus, dass nach dem Tode die Person mit allen genannten Faktoren wiederhergestellt werden müsste.

Gegebenenfalls könnte man in naher Zukunft die Person vom Gehirn auf einen anderen Datenträger speichern.

Unterschlagen wird dabei: das Ich scheint uns immer konstant zu sein. Aber welche Konstellation sollte denn wiederhergestellt werden? Die jetzige, die von vor 20 Jahren, die als ich 5 Jahre alt war? Das Ich war doch immer dasselbe, aber nicht die Eigenschaften meiner Person.

Das hat mich schon immer an der christlichen Auferstehung irritiert. Wie soll das sein? Wer mit 20 stirbt, steht als 20-jähriger wieder auf, die oder der 90-jährige Verstorbene als eben 90-jährig? Das ist doch komisch, und darüber wird in den heiligen Schriften nicht informiert.

Es wird vorausgesetzt, die Person, das Ich, sei konstant.

Ferner wird nicht zwischen den Person als Subjekt und als Objekt unterschieden. Wenn die Person identisch wiederhergestellt wird, mag das für mich als Beobachter so sein, aber nicht für mich als Subjekt. Ist die wiederhergestellte Person als Objekt wirklich das identische Ich? Bei Zwillingen offensichtlich nicht. Außerdem würde die wiederhergestellte Person wieder anfangen, neue Erinnerungen zu haben und sich weiterzuentwickeln, denn jedes Lebewesen entwickelt sich permanent weiter. Ich brauche nur meine Fingernägel und meinen Bartwuchs zu beobachten. Ich war gestern ein anderer, ich werde morgen ein anderer sein. Aber das Ich ist immer da, so lange ich lebe.

Wenn aber das Ich immer da ist, aber der Träger, die Person mit ihrem Nervensystem, ihren Gefühlen, Wahrnehmungen sich ständig verändert, dann ist doch die Person als Objekt gar nicht erforderlich für das Erleben des konstanten Ichs.

Wenn dem aber so ist, dann könnte das Ich nach dem Tode auf ein anderes Lebewesen übertragen werden, aber dann natürlich ohne irgendeine individuelle Erbschaft aus dem alten biologischen Leben.

Quintessenz: Das ich und die Person mit ihren physischen Eigenschaften und Merkmalen sind ganz unterschiedliche Dinge. Ich war schon Ich bei der Geburt und hatte keinerlei Erinnerungen, Muster, Fähigkeiten, die ich später hatte. Die Person entwickelt sich außerdem durch Interaktion, durch Erlebnisse und Erfahrungen in der Gemeinschaft. Diese werden im Nervensystem, Gehirn, gespeichert. Ich wäre aber auch Ich gewesen, wenn ich irgendwann ganz woanders gewohnt hätte, einen anderen Partner gehabt hätte, mit anderen Menschen zusammen gelebt hätte, einen anderen Beruf ergriffen hätte und so weiter. Das alles hat mit dem Erleben: Ich bin ich als Subjekt, nichts zu tun.

Krass gesagt: wenn ich als Ameise wiedergeboren wäre, wäre ich wieder ein Subjekt, das Ich, dass die Außenwelt wahrnimmt. Nur anders, andere Erfahrungen. Ich mache ja jetzt auch nicht die Erfahrungen anderer Menschen, ich bleibe immer ich.

Da hinein passt die Geschichte mit dem jüngsten Gericht auch nicht, denn jedes Mal wenn ich als Subjekt wiedergeboren werde, habe ich mit meinem vorigen Leben und meinen Taten nichts zu tun. Ich kann also auch von niemandem zur Rechenschaft gezogen werden.

Ich bin schon in meinem kontinuierlichen Leben als Person kein konstantes Phänomen, mein Tod als Subjekt kann daher auch gar kein qualitativ anderes sein. Nur dass ich dann auf einen Schlag alle Erinnerungen und Eigenschaften verliere und nicht wie während des Erlebens scheibchenweise Erinnerungen einbüße und Dinge verlerne, um Neues zu erinnern und Neues zu lernen.

Es gibt einen guten Grund, davon auszugehen, dass das Ich über die Person hinaus existiert, und die Person endlich ist und für das subjektive Ich gar nicht nötig ist. Wenn das Ich nicht mehr beobachten kann, ist die Außenwelt gar nicht mehr vorhanden oder wird einfach gar nicht mehr wahrgenommen. Damit die Außenwelt wahrgenommen wird, muss das Ich da sein.

Nun könnte man sagen, wieso denn, es laufen doch Milliarden von Ichs herum, nur einmal die Menschen gezählt. Aber das ist das Paradoxon, ich weiß das vom Logischen her, aber ich erlebe das nie, ich erlebe nur mein eigenes Ich, alles andere sind Objekte, Außenwelt.

Es ist auch nicht klar, ob mein Ich nach dem Tode ein neues Lebewesen benötigt, oder ob ich einfach in einen anderen Menschen schlüpfe, um dessen Film zu erleben, dass ist dann mein Film. Vielleicht gibt es auch im ganzen Universum nur ein Ich, das von Lebewesen zu Lebewesen wandert, und erst dann ist das Universum am Ende, wenn mein ich alle Lebewesen war!

Wenn dem so wäre, hätte das aber ganz andere moralische Konsequenzen als die von der Religion vorgegebene: Wenn ich Mörder bin, werde ich später mein Opfer sein. Und umgekehrt. Das wäre ein guter Grund, um ein anständiges Leben zu führen. Bei dieser Vorstellung brauchte man keine Hölle und keinen Himmel, und man würde automatisch zur Rechenschaft gezogen. Obwohl, das wäre keine Rechenschaft im irdischen Sinne, ich kann dann ja nichts draus lernen, ich kann weder triumphieren noch entsetzt sein.

Auf jeden Fall wäre es sinnlos, sich zu konservieren oder wieder zu erwecken oder wieder herzustellen. Es würde meine Person als Objekt wieder hergestellt, nicht als Subjekt. Das Ich wäre da nicht drin. Dieses Paradoxon gilt auch für die Materie-Transmitter oder Beamer in der Science-Fiction-Literatur. Für den Beobachter bleibt die Person dieselbe, aber subjektiv ist es nicht mehr dasselbe Ich. Beamen wäre Tötung, die Wiedererweckung ist also in Wirklichkeit eine Neuschaffung.

Zu glauben, man könnte dieses Paradoxon, diese Trennung von Person und Ich, naturwissenschaftlich erklären und erforschen, mit den heutigen Methoden, ist ein ganz großer Irrtum.

Zusammenfassung:

Die Person kommt, verändert sich und geht. Das Ich ist immer das Ich. Theoretisch kann man die Person zu jeder Zeit ihres Ablebens in ihrem letzten Zustand wiederherstellen. Das Ich aber hat gar keinen Zustand. Es ist immer da, warum soll es nach dem Tod des Körpers weg sein? Das Ich ist zeitlebens von den anderen Lebensformen getrennt, es erlebt sich immer nur als eine Person, die aber keine konstanten Merkmal hat, trotzdem weiß ich: Ich bin ich, die anderen sind Objekte in meinem Drama. Mit dem Tode ist dieses Drama zu ende, und es beginnt ein Neues, denn sonst wäre nichts. Keine Außenwelt.

Das Ich ist namenlos und eigenschaftslos, kann sich erst selbst beschreiben und ist als Objekt beschreibbar, wenn es einen Körper hat. Wahrnehmung und Entwicklung ohne Körper geht nicht. Deshalb wird das Ich nach dem Tode in eine andere Gestalt wandern.

Wenn es im Universum nur ein einziges Ich geben sollte, das eine lange Wanderung durch alle Organismen macht, dann sieht es sich sozusagen in den anderen Lebewesen, kann die aber nur werden, wenn es seinen eigenen Organismus nicht mehr hat.

2

Wenn es so ist, dass das Ich immer wieder, in einem anderen Lebewesen, neu anfängt, dann ist noch die Frage: zeitlich hintereinander, oder auch vor und zurück in der Zeit. Nur auf der Erde oder auch woanders in den Weiten des Alls? Wir wissen es nicht, und wir können es mit den bisherigen Methoden auch nicht feststellen. Aber wir sollten nicht so tun, als sei das Ich eine Funktion des Gehirns. Das ist im Grunde eine Nonsens-Aussage. Nicht das Ich ist eine Funktion des Gehirns, sondern mein Verhalten, mein Aussehen, meine Verarbeitung im Sinne von Wahrnehmung und Reaktion. Der Wissenschaftler, der Arzt, der Psychologe blickt auf die Person als Objekt und charakterisiert sie, über das Ich kann niemand eine Aussage machen.

Denn: Das Ich hat keine Eigenschaften und benötigt keine Eigenschaften. Höchstens als temporäre Durchgangsstation. So wie ein Projektor ohne Film eine sinnlose und unverständliche Sache ist. Deshalb braucht das ich notwendigerweise einen physischen Träger. Anders ausgedrückt: das Nervensystem, der Körper, ist Instrument, nicht primär.

Egal, in welcher Verkörperung das Ich auftritt: es ist immer allein. Es gibt nur ein Subjekt aber viele Objekte.

Wie bei allen ungewöhnlichen Gedanken verwirrt dies und wirft neue Fragen auf.


Gut oder schlecht? Eine Frage der Dosierung

Harmlose Genüsse werden zu Gift, wenn sie in Überdosis eingenommen werden. Gifte können Heilwirkung haben, wenn sie stark verdünnt konsumiert werden.

So ist es auch mit der Religion:

Religion gehört zum menschlichen Dasein. Religionen hat es seit Beginn menschlicher Zivilisation gegeben.

Religiöse Themen inspirieren zu Kunst, Architektur und Musik. Wie sagte jemand? „Ohne die katholische Kirche hätten wir in Köln statt des Doms vielleicht ein Einwohnermeldeamt.“ Und das wäre wahrscheinlich längst abgerissen worden. Selbst kirchenfern eingestellte Menschen strömen in die Kathedralen, Tempel und Moscheen, um diese gewaltigen ausgeschmückten Bauwerke zu besichtigen. Sie hören begeistert Requiems, Messen, Oratorien.

Religion fördert die kollektive und individuelle Phantasie. Da wird ein Himmel, da werden Geistwesen konstruiert und dargestellt. Da werden Geschichten geschrieben. Da wird aus der Geschichte des Universums ein Heldendrama. Kampf zwischen Gut und Böse, Mord und Totschlag, aber mit gutem Ausgang. Sozusagen transzendentale Krimis.

Religion kann der Seele guttun. Sie kann trösten, Unsinniges erklären, Leid erträglich machen.

Religion bietet mächtige Anlässe zum gemeinsamen Feiern. Weihnachten, Marienkult, Prozessionen, Taufen, Hochzeiten, Bestattungen.

Aber: in Überdosis:

Religion mit Absolutheitsanspruch: da wird Religion zur Denkblockade, zur Unfähigkeit aus Erfahrungen zu lernen, zum aggressiven Freund-Feind-Denken, zur Legitimation von Verbrechen gegen die, die nicht dazu gehören willen: die so genannten Ungläubigen. Religiöses Eifern führt zu konkretem Mord und Totschlag, vergiftet die Beziehungen zwischen Menschen, Gruppen und Völkern.

Orthodoxes Eifern richtet sich sogar gegen die Religion selber, indem Menschen, die Varianten derselben Religion angehören, sich gegenseitig verfolgen, ihre Gotteshäuser zerstören, Krieg führen. Solche Verbrechen werden dann durch bestimmte leicht auffindbare Zitate in heiligen Büchern mit dem Willen Gottes legitimiert.

In der aggressiv-asketischen Variante wird Kunst und Musik als Teufelswerk verunglimpft, als satanische Ablenkung von der Hinwendung zu Gott. Das Leben als Jammertal, in dem man sich das wunderbare ewige Paradies erst verdienen muss: durch Leiden und Verzicht.

Der gut dosierte Umgang mit der Religion

besteht darin, sie locker zu sehen: als Tradition, als etwas, das in bestimmten Situationen lehrreiche Anregungen geben kann, man denke nur an die Gleichnisse in den Evangelien. Der religiöse Mensch ist in der Lage, Religion als Modell zu sehen, Glaube wirklich als Glaube und nicht als Wissen. Das schließt ein, dass der Gläubige die Botschaften anderer Religionen achtet, auch wenn er sie für sich nicht in Anspruch nimmt, und dass er infolgedessen auch die Integrität von Menschen achtet, die sich zu einer anderen Religion bekennen. Er überzeugt andere nicht, missioniert nicht, er lebt vor, dass er mit seiner Religion im Reinen ist, aus ihr Kraft schöpft und ein guter, angenehmer Mensch sein möchte.

Das ist nicht so ganz einfach.

Wenn man nämlich zu tief in die Bibel und den Koran eintaucht und die heiligen Bücher für bare Münze nimmt, ist der Hass auf die, die eine bestimmte Religion für sich nicht akzeptieren, vorprogrammiert. Nämlich:

Was lehren die christlichen Religionsgemeinschaften? Der Tod sei Folge der Sünde, des Ungehorsams gegen die Gottheit. Sie versprechen den Gläubigen das ewige Leben. Sie verkünden die Rache des Herrn an den Ungläubigen, spätestens bei der letzten großen Abrechnung, dem Jüngsten Gericht. Sie lassen reden und schreiben und singen vom Lamm Gottes, das geschlachtet werden musste, um den Frevel des Sündenfalls wieder gut zu machen. Auch der Islam verspricht das ewige Leben für die Gläubigen und ewige Höllenqualen für die Ungläubigen.

Hass ist hässlich, wird damit aber zu einem göttlichen legitimen Gefühl umfunktioniert.

Dabei ist der Tod ist ein natürlicher Vorgang, wie die Geburt. Der Mensch ist ein Vielzeller, und wie alle Vielzeller hat er als Individuum eine begrenzte Lebensdauer. Was für jeden von uns davor war und was danach kommt, wir wissen es nicht. Selbst das Nichts ist ja nur eine Metapher.

Religion kann nur als offenes Ringen um das Erkennen Gottes und des Daseins überleben. Sonst geht es der heutigen Religion so wie Baal, Zeus, Wotan, Jupiter. 20.12.2015.

Seit November 2012

Der ungläubige Thomas

Das Vierfelder-Quadrat des Glaubens.

Der ungläubige Thomas
Evangelium nach Johannes, Kap. 20

25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28 Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Bild: Michelangelo Merisi da Caravaggio, etwa 1603

Die Geschichte enthält nur zwei Varianten des Glaubens und des Zweifelns bzw. Ablehnens.
In Wahrheit sind es vier Alternativen, die alle ihren Sinn machen.


Glauben      

Nicht Glauben

Sehen

Der klassische Thomas-Typ:
erst skeptisch, dann erleichtert, wenn er glauben darf

Der Skeptiker-Typ, der um die Empfänglichkeit für Zaubertricks, Täuschungen,
Fälschungen weiß

Nicht Sehen

Theisten,
gläubig um jeden Preis, wollen Gott auf ihrer Seite

Klassische Skeptiker:
stolz auf ihr Urteilsvermögen


Die Theisten und die Thomasse sind gleichermaßen naiv. Die Thomas-Variante klingt auf den ersten Blick überzeugend. Aber: er probiert den Realitätstest gar nicht! Caravaggios Bild entspricht nicht dem Bibeltext!

Selbst wenn Gott persönlich erscheint und mit mir ein Gespräch führt, gibt es dafür sicher
eine andere Erklärung als die, dass Gott existiert. Einfach mal eine Liste aufstellen,
wie es zu dieser Erscheinung gekommen sein kann.
Ich fange mal an:

Diertikel von Uwe Wi
Astrid Nettling, Deutschlandfunk, 14.12.2017: „Der  "Ungläubige Thomas" ist eins der berühmtesten Gemälde von Michelangelo Merisi da Caravaggio. Das 107 x 146 cm große Bild hängt heute in der Bildergalerie im Park des Schlosses Sanssouci in Potsdam. Es dürfte zwischen 1601 und 1603 entstanden sein. Der 30-jährige Maler lebte seit längerem in Rom, wo er verschiedene Förderer gefunden hatte - etwa den kunstsinnigen Kardinal Francesco Maria Del Monte. Der mit ihm befreundete Kunstsammler Vincenzo Giustiniani soll das Gemälde in Auftrag gegeben haben.


Pilatus trickst - und Jesus hat einen Doppelgänger.

Vor vierzig Jahren war ich im Foyer eines Bremer Hotels mit einem Freund im Gespräch über Jesu Tod und Auferstehung. An der Bar saßen einige Personen und genossen ihren Drink.

Ich sagte: meine Idee: Jesus war nicht tot. Pilatus wollte ihm eine Lektion erteilen, und er wollte nicht, dass der jüdische Klerus als Sieger aus der Sache hervorgeht. Was man schon an dem Schild INRI erkennen kann. Der König der Juden.

Also hat er Jesus der üblichen Folter unterzogen und ihn ans Kreuz hängen lassen, ihn aber herunternehmen lassen, bevor der tot war. Dann wurde er seinen Jüngern, vor allem den Frauen, übergeben, die ihn gesund pflegten.

Als ich aufblickte, hatten sich die Leute an der Bar alles zu uns umgedreht und mich mit offenen Mündern angestarrt.

Gestern stand im Weser-Kurier die Geschichte mit dem Magier, der das Ergebnis der Fußballweltmeisterschaft und des Wimbledon-Turniers exakt vorhergesagt hatte. Keiner weiß, wie er den Zettel in die Truhe bekommen hat.

Der Magier ist kein Prophet, jeder weiß, er hat einen Trick angewandt, aber keine weiß wie der geht. Wenn der nun auch noch behauptet hätte, er könnte Telekinese, weil er von Gott gesandt ist … Aber wir wissen, dass das nicht so sein wird.

Also, der Mensch ist ja so täuschbar. Der Mensch will sich manchmal täuschen lassen. Weil die Ent-Täuschung sehr, sehr weh tut.

Da fiel mir ein, wie die Sache mit dem auferstandenen Jesus zu erklären sein könnte:

1. Die große christliche Gemeinde konnte sich mit dem Tod Jesu nicht abfinden, sonst hätte sich ihre Organisation aufgelöst. Welche Organisation löst sich schon selbst auf, selbst wenn ihr die ideologische Grundlage entzogen wird?

2. Es gab viele gläubige Menschen, die sich mit Jesus identifizierten, mit ihm psychisch eins wurden. Es gab die Vorstellung, dass der Geist von einer Person in die andere wandern kann.

Also: es gab einen Jesus-Doppelgänger. Vielleicht hat die Organisation einen guten Schauspieler beauftragt. Vielleicht gab es aber auch eine Person, die Jesus äußerlich glich und selber überzeugend glaubte, sie sei Jesus. Wie Therese Neumann von Konnersreuth hat dieser Doppelgänger sogar die Wundmale Jesu produziert.

Die Leute wollten ja nichts sehnlicher als glauben, dass Jesus lebt, was für eine Freude, diesem Doppelgänger zu begegnen. Der sah aus wie Jesus, verhielt sich wie Jesus und hatte Wundmale! Es musste Jesus sein.

Auch wenn eigentlich jeder wusste: wer so misshandelt wird, ist monatelang pflegebedürftig, wenn er denn nicht stirbt, und läuft auch gar keinen Fall in den nächsten Tagen gesund herum.

Er durfte natürlich nicht zu oft erscheinen, und er zog sich nach einigen Wochen zurück ("Himmelfahrt"). Die Inszenierer waren die Männer am Grab (Lukas24, Vers 4 f.) – die nichts ahnende Zielgruppe die Jünger.

Die Jüngerinnen und Jünger sahen doch, dass es Jesus war und dass er gesund war. Warum auch nicht, der wundertätige Sohn Gottes, für den war es ein Leichtes, so schnell wieder hergestellt zu sein.


Der Mensch – geschaffen als Bild Gottes?

Gott hat erkannt, dass die Kopie ihm selbst zu ähnlich geworden ist, er zieht die Notbremse. Das ist der Sündenfall.

1. Mose 1
26Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.

1. Mose - Kapitel 2

16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; 17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon ißt, wirst du des Todes sterben

1. Mose - Kapitel 3

14 Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du solches getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und vor allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du gehen und Erde essen dein Leben lang. 15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.
16 Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein.
17 Und zu Adam sprach er: Dieweil du hast gehorcht der Stimme deines Weibes und hast gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen, verflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich darauf nähren dein Leben lang. 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und sollst das Kraut auf dem Felde essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis dass du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

22 Und Gott der HERR sprach: Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!

23 Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er das Feld baute, davon er genommen ist, 24 und trieb Adam aus und lagerte vor den Garten Eden die Cherubim mit dem bloßen, hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens.

Also: Gott schafft sich ein Wesen, das ihm gleicht – bis auf die Erkenntnis, was gut und böse ist.

Dieses Abbild Gottes ist aus Erde gemacht, und es ist sterblich. Sterblich von Anfang an. Denn es steht nur geschrieben, dass der Mensch umgehend stirbt, wenn er vom Baum der Erkenntnis isst. Es steht nicht da, dass er unsterblich ist, so lange er das nicht tut.

Es steht auch geschrieben, dass Gott eine ebenbürtige Konkurrenz des Menschen verhindern will, indem er den Zugang zu diesem Baum ein für alle Mal versperrt. Die Sünde besteht darin, Gott Konkurrenz zu machen. Gott handelt also aus Angst vor Konkurrenz durch sein Geschöpf.

Das zeigt, dass das Sünden-Konzept aus einer autoritären Denkweise stammt: Sünde ist es, wenn wir versuchen, Gott gleich zu werden, indem wir erkennen.

Gott will das nicht. Und offenbar muss man regelmäßig vom Baum der Erkenntnis naschen, um dauerhaft zu erkennen. Deshalb versperrt Gott den Weg, und so bleibt das menschliche Erkennen ein Torso.

Die Frau hat bei der Geburt Schmerzen, weil der Mensch einen so großen Kopf hat. Die Genesis macht das zu einer Strafe für die Frau. Außerdem: sie hat als erstes vom Baum der Erkenntnis genascht. Wir wussten es schon immer, die Frau ist schlau. Deswegen auch die Unterdrückung der Frau in Ländern mit monotheistischen Religionsbekenntnissen. Sie neigt dazu, schlauer zu sein als der Mann. Zum Kinderkriegen ist sie auch in der Lage, der Mann nicht. Da muss tüchtig der Deckel drauf.

Deshalb ist die Kirche auch entdeckungs- und wissenschaftsfeindlich gewesen, denn in der Tat: Die Konstruktion: »der Mensch als Gottes Ebenbild« wird durch Erkenntnis erschüttert, vor allem aber die Konstruktion eines Gottes als Ebenbild des Menschen. Es ist heute nicht mehr haltbar, dass Gott so gebaut ist wie ein Mensch, nur irgendwie größer, mächtiger, allmächtig, aber mit Kopf, Beinen, Leib. Da beide Geschlechter Ebenbild Gottes sind, kann Gott auch kein Vater sein. Das kommt erst durch das sogenannte Neue Testament.

Damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt: nicht die Vorstellung, es könnte einen Gott geben, an sich ist absurd und für jedes Kind widerlegbar, sondern die jüdisch-christliche Gottesvorstellung und das Menschenbild, das dazu gehört: der Mensch als ungehorsamer Fast-Gott und ein Gott mit Angst vor der Konkurrenz.

Der Mensch hat danach die theoretische Möglichkeit, wie Gott zu werden, und wenn er das versucht, gottgleich zu werden, dann ist das Sünde. Das ist keine Morallehre.

Damit fällt auch die Vorstellung, Gott habe den Menschen zum Herrscher über alle anderen Kreaturen eingesetzt. Der Mensch ist eine Kreatur. Er kann vieles, was andere Kreaturen nicht können. Andere Kreaturen können Dinge, die der Mensch nicht kann.

Die Vorstellung, Krankheit und Mühsal sei eine Folge des Sündenfalls, ist widerlegt. Die Mühsal der Feldarbeit und der Herstellung von Nahrungsmitteln ist längst überwunden, zumindest theoretisch. Wir wissen längst, wie es geht.

Entsprechend haben sich auch von jeher die Fürsten von Gottes Gnaden verhalten. Wer sich auflehnt, wird als Verbrecher eingestuft, mit den entsprechenden Folgen.

Sünde ist also gar keine moralische Kategorie (das wurde erst später hinein gedeutet), sondern die Umschreibung für den Versuch, sich Gott nicht länger zu unterwerfen und Gott auch nicht mehr zu benötigen.

Deshalb reagieren die Religionen auch so aggressiv auf Menschen, die keine Theisten sind. Deswegen geht es bei den zwei erstrangigen zehn Geboten um die Anerkennung und Ehrung Gottes. Das andere ist trivial oder merkwürdig.

Deshalb können innerhalb jeder Religion die größten Verbrechen ausgeübt werden, so lange Gott als Gott verehrt wird. Das erklärt auch, warum jahrhundertelang Religionsgemeinschaften von so vielem Lumpengesindel im Ornat angeführt wurden – und werden?

Es gibt keinen menschenähnlichen Gott und der Mensch ist nicht gottähnlich, und das Leid der Welt kommt nicht von der Auflehnung gegen Gott.

Wo soll dieser Gott sein? Warum führt der sich so absurd und absolutistisch auf? Wieso muss sich Gott in Gestalt des Christus aufhängen lassen – um sich mit sich selbst zu versöhnen? Oder um die Menschen zu beglücken, die auf Erkenntnisse verzichten, auf das Denken verzichten, um diesen »Sündenfall« damit rückgängig zu machen? Denn die Kreuzigung bedeutet ja nicht Erlösung für alle, sondern für die, die das Konstrukt »Gottes Sohn« akzeptieren. Wer das glaubt, zeigt, dass er auf Teile seines Erkenntnis­vermögens verzichtet, also das Fruchtstück der Erkenntnis freiwillig ausspuckt, und dem wird das ewige Leben und das Paradies verheißen.

Man kann ausschließen, dass die Dinge so sind, wie die monotheistischen Schöpferreligionen behaupten:

Daher ist es normal, den monotheistischen Religionen und ihren Botschaften und Vorschriften keinen Glauben (mehr) zu schenken.

Der Begriff Atheismus suggeriert wie der Begriff Nicht-Raucher, dass Gottesglaube das Normale und Richtige ist, so wie Raucher das Normale und Wünschenswerte ist. Man sollte nicht so gedankenlos sein, sich selbst mit einem Verneinungs-Begriff zu verunglimpfen. man ist ja auch kein Nicht-Dieb (Adieb) oder Nicht-Terrorist oder Nicht-Selbstverletzer, oder, wenn man gesund ist, kein Nicht-Kranker (Akranker).

Korrekt ist: ich bin kein Theist, das ist eine neutrale Verneinungsform, da steht die Verneinung nicht in der Bezeichnung, sondern erläutert (negiert) eine andere Bezeichnung.

Der Mensch ist bei der Schaffung einer Moral auf sich selber gestellt.

Die Menschheit wird auf die Dauer nur klar kommen, wenn die Leute sich anständig benehmen, auch wenn sie nicht beobachtet werden, wenn sie nicht von Polizei und Gerichten in Schach gehalten werden müssen, wenn sie sich auch dann anständig benehmen, wenn sie Macht haben. Ohne dass man ihnen mit Göttern droht.

Man muss offen und selbstverantwortlich sein. Das ist schwer, so wie die Menschen gebaut sind.


Appendix: Adam und Jesus, wurden beide von Gott gestraft?

Johannes 14

5 Spricht zu ihm Thomas: HERR, wir wissen nicht, wo du hin gehst; und wie können wir den Weg wissen? 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Johannes 19

6 Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige! Kreuzige! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. 7Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.

Jesus von Nazareth läuft also herum und erzählt, er sei Gottes Sohn, also die bessere Kopie als Adam, mit der Erlaubnis, die Wahrheit zu kennen. Er begeht also genau die Sünde, die Adam vorgeworfen wird, er meint aber, das zu dürfen, denn er ist nicht nur als Bild Gottes geschaffen worden, er ist Gott.

Das genau werfen ihm die zeitgenössischen Juden vor, genau das ist mit dem Blick auf die Genesis ein ungeheuerlicher Frevel gegen Gott, und unsere Passionsfeiern handeln von dem Vorwurf an die Juden, dass sie dies Jesus von Nazareth vorgeworfen haben.

Dabei tun die gläubigen Juden doch etwas Folgerichtiges. Sie verhaften ihn als Lästerer und sorgen dafür, dass er als Verbrecher hingerichtet wird. Die Christenheit macht den Frevel des Jesus von Nazareth zu ihrem Glaubensinhalt. Wen wundert es, dass Juden und Christen sich Jahrhunderte spinnefeind gegenüberstanden? Das sind unversöhnliche Positionen.



Begreifen

Der Mensch lernt in den ersten Lebensjahren, die Welt zu begreifen, in der sich die Menschen bewegen. Die Menschen begreifen das, was ihr Nervensystem in Kombinationen mit den Sinnesorganen zulässt.

Der Säugling erkennt sehr schnell Gesichter. Sein Mund dient zur Nahrungsaufnahme und als erstes wichtigstes Tastinstrument. Er nimmt alles in den Mund, um es zu erkunden. Später entdeckt er die Möglichkeiten seiner Hände. Alles wird angefasst, geprüft, ertastet.

Das ist das ursprüngliche Begreifen.

Bald lernt er, dass bestimmte Lautgestalten zu Gegenständen zugeordnet werden können. Nicht nur zu Gegenständen, auch Zustände, zum Beispiel Gefühle, werden lautlich zugeordnet und ausgedrückt. So lernt das Kind, auch die Sprache, das sprachliche Denken, zum Begreifen zu nutzen.

Der ausgewachsene Mensch begreift nicht mehr alles (!). Er glaubt zu wissen, wie sich Gegenstände, die er nicht anfassen kann, weil sie zu weit weg sind und sonst für ihn nicht zu erreichen sind, anfühlen. Durch Beobachtung lernt er auch, abstraktere Komplexe, die einen Namen haben, so zu verstehen, also im übertragenen Sinne zu begreifen, so dass er sich mit anderen Menschen austauschen kann. Stadt, Angst, Glück, Wald, Gefahr, Träume, Ziele, Telefon usw. Wir assoziieren mit solchen Begriffen (da ist es wieder) Bilder, Gefühle, Gedanken.

Ein solches Begreifen im übertragenen Sinne erleichtert die Kommunikation ungemein. Wir könnten uns sonst gar nicht unterhalten, wir müssten immer wieder ganz von vorn anfangen.

Dabei vergessen die Menschen, dass sie ohne die gelernten Begriffe die Welt gar nicht erkennen könnten. Wenn ich einen Stuhl ansehe oder einen Nagel, dann sehe ich sofort einen Stuhl und einen Nagel. Ich verbinde damit nicht nur einen Gegenstand, sondern auch dessen Verwendungszweck. Das geht vollautomatisch.

Die menschliche Welt erkennen wir nur in den seltensten Fällen durch Begreifen im Sinne von Anfassen oder in-den-Mund-Nehmen. Wir erkennen sie, weil wir uns mit den anderen Menschen geeinigt haben, die Welt so zu sehen.

Gibt es unabhängig von diesen Einigungen eine reale Welt? Wie soll man diese Frage entscheiden? Wir können ohne unsere Körperfunktionen nichts wahrnehmen. Für uns gibt es nur die eine, die menschliche Welt.

Wir wissen mittlerweile durch unsere wahrnehmungs-erweiternden Hilfmittel, dass Tiere manches wahrnehmen können, was die Menschen nicht sehen. Und umgekehrt. Mit diesen Mitteln haben wir allerdings eine einzigartige Leistung vollbracht: unseren Wahrnehmungsrahmen erheblich zu erweitern. Wir haben Unbegreifliches zwar nicht begreifbar, so doch nachweisbar gemacht.

Wir können natürlich die Erfahrung machen, dass es jedes Mal ohne Ausnahme, weh tut, sich auf einen Nagel zu setzen oder eine heiße Bratpfanne anzufassen. „heiß“ oder „spitz“ schützt uns vor Verletzungen. In diesem Falle haben wir ja die Möglichkeit, eine richtige Sinneserfahrung zu machen und den Begriff zu bestätigen. Für viele Dinge gilt das aber nicht, die wir ebenfalls selbstverständlich finden. Diese Dinge überwiegen. Wir hören von Ländern, die wir nie besucht haben, Planeten, die wir nie gesehen haben, wir lesen von Menschen, die längst tot sind, die wir nicht mehr begucken und anfassen können. Die Physiker erzählen uns von Atomen und Wellen und Quanten, die Astronomen von Schwarzen Löchern. Durch Mikroskope und Nano-Mikrosokope, Fernrohre, Spektralanalysen, Radioteleskope, verschiedenartige Experimente, durch die Analyse von Gesteinsproben und Fossilien, durch mathematische Berechnungen, durch ein Fahrzeug auf dem Mars, erweitern wir unsere Möglichkeit, die Welt zu begreifen. Theorien und Experimente wechseln sich ab. Doch je wahrnehmungsfremder die Erkenntnisse sind, desto mehr sprechen wir in Gleichnissen, weil die Sprache nichts anderes kann. Wir stellen den Bezug zu unserem alltäglichen Menschenraum her.

Nehmen wir die Schwarzen Löcher. Was ist ein Loch? Ein Loch ist etwas umgrenzt Fehlendes. In der Socke oder anderen Textilien. In der Straße. Im Topf. Kann der Weltraum ein Loch haben? Nun, die Astronomen wissen was gemeint ist, sie haben sich darauf geeinigt, gewisse Phänomene so zu benennen, und sie können sich darüber unterhalten, ohne sich diese Phänomene stets aufs Neue zu erklären.

Nach dem Stand der heutigen Wissenschaft gilt vieles als geklärt, was wir nicht mehr begreifen können.

Allerdings haben wir Standards in den Wissenschaften. Konzepte und Erklärungen sollen einfach sein, mit wenigen Zusatzaufnahmen auskommen. Sie sollen für alle, die das wollen, nachvollziehbar sein. Darum wird immer wieder gerungen.

Sprung.

Was ist mit Gott?

Existiert Gott? Viele Menschen haben sich darauf geeinigt, dass es Gott gibt. Weniger, aber immer noch sehr viele, haben sich darauf geeinigt, dass Gott bestimmte Eigenschaften hat, eine Heilsgeschichte, dass er Mittlern heilige Bücher diktiert hat. Heilige Bücher, deren Inhalt man nicht anzweifeln darf, weil das Gott beleidigt. Persönliche Götter wollen zudem gelobt und umschmeichelt werden. Dafür haben ihre Mittler Rituale vorgeschrieben. Wenn Gott genügend gelobt wird, ist er – unter Umständen - bereit, freundlich zu seinen Gläubigen zu sein. Wenn nicht, kann er ausgesprochen sauer werden.

Aus der Lernpsychologie wissen wir: Verhalten, das gelegentlich mit einer positiven Konsequenz beantwortet wird, meistens aber nicht, tritt wesentlich häufiger auf als bei regelmäßiger Belohnung. Dadurch ist der Mensch anfällig für zufällige positive Wirkungen seines Handelns. Das ist ein starker Motor für Gebete und Lobpreisungen.

Es würde die allerdings Angelegenheit der Anerkennung Gottes durch alle Menschen erheblich erleichtern, wenn die Wirkung Gottes klar auf der Hand läge, sozusagen ein Gott zum Anfassen, ein sichtbarer, ein begreifbarer, erreichbarer  Gott, Der sichtbar agiert und reagiert. Der Wirkung zeigt, eindeutig, nicht nur in den Phantasien von Gläubigen. Wie der Nagel oder die heiße Bratpfanne. Das ist nicht der Fall. Wie für vieles gibt es dafür im neuen Testament eine Anweisung. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Je mehr wischiwaschi, desto edler.

So beschreiben Menschengruppen diese Dinge unterschiedlich und zum Teil miteinander nicht vereinbar. Dadurch existieren mehrere Götter, die jeder für sich den Alleinvertretungsanspruch haben. Das bedeutet aber, dass die Gläubigen um die Existenz ihrer Götter kämpfen müssen. Dieser Kampf wird, so steht es in den Heiligen Büchern, außerdem bis an das Ende aller Tage fortgesetzt und dort vollendet: Jüngstes Gericht, Feuriger Pfuhl, in dem die Ungläubigen umkommen oder in Ewigkeit gequält werden. Denn um die Existenz eines Gottes zu bewahren, muss Druck aufgebaut, die Zahl der Gläubigen vermehrt, und der Ungläubigen vermindert werden. Koste es was es wolle. Das ist das Hauptziel der Religionen. Nicht der Frieden oder die Achtung aller Menschen. Man darf sich das auf der Zunge zergehen lassen: die Ungläubigen sind wir, die eine bestimmte Glaubensrichtung nicht anerkennen. Uns folgen die guten/bösen Wünsche der Rechtgläubigen auf Schritt und Tritt bis zum jüngsten Tag.

Das Konzept Gott ist ein schwaches Konzept, und das ist leider überhaupt kein Vorteil. Ich begreife das nicht.



Blasphemie: Gotteslästerung ist:
Gott hässliche Eigenschaften zuschreiben.

Gott ist allmächtig, allwissend, allweise. Gott steht über allem menschlichen Kleinkram. Gott können wir nur minimal erkennen, unsere Propheten sind zu einem Prozent vom Geist Gottes erfüllt, der Rest ist zutiefst menschlich, oft kleinkariert - und teilweise sadistisch.

Die Orthodoxen, die uns weismachen wollen, dass Reden und Spott über Moses, Jesus, Mohammed, die Bibel, den Koran, Blasphemie ist, sind selber Blasphemiker. Denn:

Wie man in den heiligen Büchern nachlesen kann, stellen sie Gott als einen hoch neurotischen und despotischen Querulanten dar. Angeblich regt sich Gott über eine Frau auf, die eine Frucht nimmt und an ihren Mann weitergibt.  Strafrechlich ist das maximal Mundraub. Dieser Gott bekommt einen  infernalischen Wutanfall und schmeißt die Leute aus dem Paradies und erfindet die besonders schmerzhafte Geburt, um die Frau zu strafen. Er hängt den Menschen deswegen die Erbsünde an. Er ersäuft und verbrennt Leute, die ihn oder seine Anweisungen nicht akzeptieren, hetzt zum Völkermord auf. Er testet Gläubige wie Hiob mit den übelsten Verfolgungen. Er lässt seinen Messias ("das Lamm") zu Tode foltern, als Geschenk an die Menschen, um zu zeigen, dass er sich mit den Menschen versöhnen möchte, und verkündet ein mörderisches Rachegericht für das Ende aller Tage. Und ewige sadistische Höllenqualen für die Ungläubigen.

Mal bei Google eingeben: Höllenstrafen - Islam. oder - Christentum:

Von Gott gewollter Hass. Sadismus pur. Sorgfältig detailliert ausgemalte Gemeinheiten für die sogenannten Ungläubigen.

Was ist das, wenn man Gott, dem Allmächtigen, solche abartigen, abscheulichen Eigenschaften zuschreibt?

Liebe Leute, DAS ist Gotteslästerung. 

Wir kirchlich Erzogenen und Emotionalisierten nehmen kaum noch wahr, was das für eine Diffamierung und Beleidigung des Allmächtigen ist, ihn (oder sie) so darzustellen.

Wie kommen die Religionen dazu, so etwas zu phantasieren? Nun, sie behaupten, Gott hat die Menschen als sein Ebenbild geschaffen. Das heißt, die Menschen sind rachsüchtig, machtgierig, blutrünstig, jähzornig, und wenn sie Ebenbild Gottes sind, dann muss der Gott natürlich auch so sein, nur viel mächtiger.

Wahr ist hingegen: Gott hat einen sinnvollen Plan, der für Menschen schwer zu erkennen ist. Gott ist komplett anders als die Menschen. Wie man heute so sagt: Gott spielt in einer ganz anderen Liga. Gott hat Zeit. Weil Gott ewig ist. Gott ist nicht mit den Juden, nicht mit den Spaniern, nicht mit den Deutschen, nicht mit den Russen, ach ja, ich vergaß, nicht mit dem Vatikan und anderen kirchlichen Organisationen, nicht mit den verschiedenen Varianten des Islam. Gott sieht sich das alles an und wartet darauf, dass die Menschen -vielleicht- etwas aus ihren Gaben machen, was vorzeigbar ist.

Und wenn die Menschen das nicht gebacken kriegen, wenn sie ihren Planeten und sich selbst kaputt machen, weil sie reich und einflussreich sein wollen, - dann wendet Gott sich ab. Weil Gott Schöpfer ist. Er schafft über die Evolution. Die Evolution ist sein Prinzip, nicht den Menschen aus Erde formen, in einer Art göttlicher Werkstatt. Nur Wesen, die sich positiv weiter entwickeln, haben Zukunft. Gott hat bestimmt mehrere Eisen im Feuer. Wenn die Menschen nicht weiter kommen, gut, woanders gibt es bestimmt Lebewesen, die es besser machen. Irgendwo im unermesslich großen Universum mit seinen Milliarden Himmelskörpern.

Es wird kein Jüngstes Gericht geben. Wenn die Menschen ihre Chance nicht nutzen, werden sie die Erde zu einer physischen und moralischen Jauchegrube machen und in ihrem eigenen Gestank und in ihrem selbst geschaffenen Elend zugrunde gehen.

Wo kommt das mit der Blasphemie eigentlich her? Kann man den universalen Gott beleidigen? Wie soll das gehen? Würden wir uns von einem Kartoffelkäfer beleidigen lassen? Wir sind gegenüber Gott nicht satisfaktionsfähig. Platt gesagt: Beleidigungen durch Menschen gehen ihm an seinem heiligen Arsch vorbei.

Also: Menschen einsperren, foltern, hinrichten lassen, weil sie die Religion beleidigt haben sollen, das ist schlicht und ergreifend verbrecherisch. Das hat mit dem Allmächtigen nichts, aber auch gar nichts zu tun. Man kann heilige Bücher, in denen sehr viel Unheiliges steht, oder Propheten und Gottessöhne, die durch einen extremen Hang zur Selbstdarstellung auffielen und die längst tot sind - ach ich vergaß, die sind gen Himmel gefahren - nicht beleidigen. Nur die Leute und Institutionen, die einem ihre Vorstellungen aufdrängen wollen und mit friedlichen Mitteln nicht überzeugen.

Die allmächtige immer da gewesene Gottheit interessiert das nicht. Die wartet in Ruhe ab, ob wir endlich kapieren, worum es geht. Und wenn nicht: vielleicht buddelt zehn Millionen Jahre später einer ein Kruzifix aus und versteht nicht, was das sein soll.


Der Menschenhass der Schrift-Götzen-Diener.

Variante: Christen

Christen, die an die Bibel als Gottes Wort glauben, ohne jede Gewichtung des dort Gesagten, was sind das für Menschen? Entweder lesen sie die Bibel nicht, oder sie haben einen eingebauten Wahrnehmungs- und Denk-Filter, der sie bestimmte Bibelstellen oder auch ganze Bücher ausblenden lässt, oder

Das Neue Testament, eine Botschaft des Friedens und der Liebe? Wie finden Sie das hier?

2. Thessalonicher 1, 6-9: „Gott zeigt sich als gerechter Gott: Euer Leiden wird ein Ende haben und er wird eure Unterdrücker bestrafen. Wir werden noch erleben können, wie sich der Herr Jesus am Himmel mit aller Macht in loderndem Feuer zeigen wird. Dann wird er es den Ungläubigen heimzahlen, die das Evangelium unseres Herrn Jesus nicht angenommen haben. Sie werden mit ewiger Qual bestraft. Sie werden gottlos leben müssen, ausgeschlossen von der Macht und Herrlichkeit Gottes.“

Die Offenbarung des Johannes: unverblümter Hass und die übelsten sadistischen Phantasien, gegen die Ungläubigen gerichtet. Ungläubig sind alle, die sich nicht klar zum christlichen Gott Jesus bekennen!

Kapitel 17 bis 20, schön sorgfältig und mit offenem Verstand lesen. Das sind die Wunschphantasien, was mit denen, die sich nicht klar zum christlichen Glauben bekennen, geschehen soll. Reiner Sadismus. Interessant ist auch die Wut über die Kaufleute im Kapitel 18.

Das bibelgläubige Christentum bezieht seine Demut und Friedfertigkeit aus Rachephantasien und -gelüsten, die, wenn sie nicht selber umgesetzt, so doch vom Gott in der Zukunft und am Ende aller Tage erwartet werden. Wen wundert es da, dass in der christlichen Geschichte Folter und Mord an sogenannten Heiden und Ketzern als gerecht empfunden wurde?

Vor Menschen, die diese Aussagen in der Bibel auch heute noch als Gottes Wort betrachten, muss man auf der Hut sein!

Weiterführend: Renè Lohner: Bibelzitate.

Der Psychologe Franz Buggle hat sich ausführlich mit den einschlägigen Bibelzitaten befasst.

Variante: Moslems

Zitate aus dem Heiligen Buch des Islam, dem Koran (wortwörtlich von Gott diktiert!)

Das ist die mentale Hassorgie gegen die, die sich dem Islam nicht anschließen mögen oder ihn gar verlassen möchten. Eine Quelle für die Motivation zu Mord, Totschlag und Verwüstung. Psychoterror, zum Beispiel gegen Mädchen und Frauen, indem Geistliche und andere Religionsvertreter, zum Beispiel sogenannte islamische Gelehrte,  mit der Hölle drohen.

Der Islam ist meines Wissens die einzige Religion, dessen Vertreter Mordbefehle gegen Schriftsteller und ideologische Abweichler ausstoßen, so dass die Opfer zeitlebens unter Polizeischutz leben müssen. Der offene Austritt aus der Islam-Gemeinschaft wird in mehreren muslimisch geprägten Ländern mit der Todesstrafe geahndet.

Das ist deshalb besonders erschreckend, weil die Moslems glauben, der Koran sei von der ersten bis zur letzten Sure das direkte Wort Gottes, vermittelt durch den Propheten. Das wiederum bedeutet logischer Weise, dass alle anderen religiösen und weltanschaulichen Sichtweisen per se intolerabel falsch sind, gegen Gottes ausdrückliches Wort verstoßen. Jede Erkenntnis, auch und gerade wissenschaftlicher und philosophischer Art, steht im Wert unterhalb des Korans und muss sich den Aussagen des Korans anpassen. Und zwar dem Koranverständnis der Islam-Richtung soundso. Giordano Brudello gibt übrigens eine schlüssige Argumentationshilfe, wenn Moslems kühn und unzutreffend behaupten, ihre Religion sei eine Religion des Friedens.

Machen Sie den Test:

Fragen Sie Ihren lieben Pfarrer oder liebe streng gläubige Christen, was sie über das jüngste Gericht und die Qualen der Hölle glauben. 

fragen Sie Menschen, die sich zum Islam bekennen. was sie über das jüngste Gericht und die Qualen der Hölle glauben.

Fragen Sie, ob Sie als Person, die sich nicht zur Bibel oder zum Koran bekennt und die religiösen Dogmen nicht glaubt, nach dem Tode, nach dem jüngsten Gericht, entweder ewig gefoltert oder in der Hölle bis zur Auslöschung verbrannt werden.



Wenn Sie eine gute Antwort bekommen, schicken Sie sie mir gern zu. 


Die Macht des Gebets.

Das Gebet als Zwiegespräch

Der Alltagsmensch wird nicht oft an Gott denken, auch wenn er an Gott glaubt. Verbringt aber eine Person sehr viel Zeit, sagen wir eine Stunde täglich, mit Gebeten, so wird der Ansprechpartner sehr real. Realer als existierende Menschen. Sie vertraut Gott alles an, diskutiert alles mit ihm, bittet um etwas, dankt für etwas, wie im Gespräch mit einem guten Freund, nein, besser. Gott quatscht einem nicht unqualifiziert dazwischen und lässt einen ausreden. Man muss geradezu nach Zeichen suchen, dass Gott einen verstanden hat oder reagiert (siehe Oben). Aber das ist auch gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass Gott einem zuhört, und dass man Gott in sich selber erkennt, indem man seine Gedanken, Gefühle, Erlebnisse, Nöte, vor ihm ausbreitet.

So wird das Gebet zu einer schönen Stunde, die einem gut tut, besonders in der Not, wenn man keinen Menschen hat, dem man vertrauen möchte und dem man ohne sich zu schämen alles erzählen kann.

Wenn jemand so viel Zeit mit einer vorgestellten Person, eben dem Gott, verbringt, und diese Person immer da ist, selbst wenn jemand im Gefängnis sitzt oder einsam wandert, weil sie immer ansprechbar ist, dann ist sie in gewissem Sinne viel realer als andere Personen. Damit festigt sich die Gewissheit, dass es diesen persönlichen Gott gibt. Das Bestreiten eines persönlichen Gottes kommt einem dann töricht vor, als ganz und gar unsinnig, beschränkt.

Der Dialog mit Gott und Gott selbst wird zu einer subjektiven Realität, zu einer festen, realen Überzeugung. Gott wird realer als die sonstige Realität. Es ist für den betenden Menschen unsinnig, die Existenz Gottes zu bestreiten.

Es ist letztlich sogar unwichtig, ob es Gott gibt. Die Frage stellt sich dem Betenden gar nicht. Die Frage an sich ist sinnlos.

Das ist eine Erlebnisebene, unabhängig von wissenschaftlichen Nachweisen und rationalen Überlegungen.

Gebete als autosuggestive Leerformeln zur Stärkung der Gruppenbindung

Das Gebet ist lebendige Selbst-Auseinandersetzung - wenn es in der Beschäftigung mit den eigenen Gedanken und Gefühlen besteht, oder auch mit innerem Schweigen mit Gott. Beten kann jede und jeder, egal welcher Religion sie oder er sich zugehörig fühlt. Die Wirkung von Gebeten auf tatsächliche Ereignisse ist dabei unwichtig.

Gebete in der Glaubensgemeinschaft (Islam: fünf Mal am Tag!) sind keine Selbstauseinandersetzung und keine Dialoge mit Gott, sondern das Herunterleiern von liturgischen Formeln zur Festigung der Zugehörigkeit. Autosuggestive, gruppenbezogene Gehirnwäsche.

Das Gebet im Vergleich

Alternativen zum Gebet als Methode der Selbst-Auseinandersetzung, Problemlösung und Entspannung sind:

Gespräch mit anderen Menschen,

Psychotherapie,

Tagebuch schreiben,

Stilles Nachdenken,

Meditation, zum Beispiel Transzendentale Meditation (Das Verfahren, nicht die Sekte).

  1. Das Gespräch mit einem realen menschlichen Partner, wenn es denn gut läuft, hat den Vorteil, dass die Person echte Zuwendung erhält und auch ein Korrektiv zu den eigenen Gedanken. Die Person schwimmt nicht so sehr im eigenen Saft.

    Es läuft aber nicht immer gut. Gerade wenn man sehr in Not ist, verwirrt man oft andere, erhält Standardtröstungen, man selber schämt sich ob seiner Probleme, und man muss Sorge tragen, dass der Gesprächsinhalt nicht vertraulich behandelt wird.

  2. Ein Psychotherapeut, der sein Handwerk versteht, wird gut zuhören und auf seinen Fundus an wirksamen Handlungsvorschlägen zurückgreifen. Eine Psychotherapie setzt aber voraus, dass man sich als seelisch krank definieren lässt, sonst zahlt die Kasse nicht. Wenn man das nicht will zahlt man selber. Auf jeden Fall ist die Psychotherapie deswegen keine Lösung für den Alltag, sondern nur im Krankheitsfalle oder wenn man sich in einer besonderen Situation befindet, eine wichtige Weichenstellung in seinem Leben vornehmen will oder muss.

  3. Tagebuch schreiben – das kann man auch am Rechner. 10 Minuten alles herunterschreiben was einen bewegt. Sich sozusagen leer schreiben. Gut für die Entspannung.

  4. Stilles Nachdenken – einfach so da sitzen und nachdenken. Da wird man schnell kribbelig, wenn man es nicht gewohnt ist. Das macht einen auf Dauer geduldig und entspannt.

  5. Transzendentale Meditation. Denken eines zweisilbigen Wortes, ununterbrochen. Bei der ersten Silbe einatmen, bei der zweiten ausatmen, kurz Stille. Die Gedanken fließen im Hintergrund und werden nicht beachtet. Befreit wunderbar von Zwangsgedanken, nimmt den Gedanken unangenehme Emotionen. Psychologen sagen, es findet eine Entkonditionierung statt.

Die zehn Gebote des Alten Testaments

Laut Bibel empfing Moses von Gott auf dem Berg Sinai zehn Gebote. Die Zehn Gebote gelten im Judentum als das Herzstück der Thora und gehören im Christentum zu den Hauptquellen der christlichen Ethik:

  1. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

  2. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

  3. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbat und heiligte ihn.

  4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

  5. Du sollst nicht töten.

  6. Du sollst nicht ehebrechen.

  7. Du sollst nicht stehlen.

  8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

  9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

  10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel und noch alles, was dein Nächster hat.

Quelle: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG und Altes Testament, 2. Mose 20,2-17; 5. Mose 5,6-2.

http://www.jugendopposition.de/index.php?id=3724

Die zehn Gebote sind als Verbote formuliert.

Auch die christlich-evangelischen nach Martin Luther.

Bittest du deine Mitmenschen um die Einschätzung dieser Gebote oder besser gesagt Verbote,

dann hörst du überall: das ist ein kostbares Kulturgut, die Wiege unserer Zivilisation.

Dem möchte ich folgendes entgegnen.

Ganz schwach, diese Gebote, aber mit der Aura, persönlich von Gott erlassen worden zu sein, natürlich unwiderlegbar.

Neuer Vorschlag: Nur ein Gebot, aber das dann auch wirklich halten, Leute.

Ich bin Gott. Alle Menschen tragen mich in sich.

Sorge mit allem, was in deiner Macht steht, für ein würdiges Dasein aller Menschen.

Den Rest der zehn Gebote kann man sich dann schenken. Geht auf einen kleinen Stein. Moses hat dann nicht so schwer zu schleppen.

Kleine Anmerkung zur Nächstenliebe: ich halte das Konzept der Nächstenliebe für Müll. Warum?

Es gibt Leute, die ich nicht mag. Ich möchte sie nicht lieben. Liebe ist ein Gefühl, wie viele haben die Liebste schon umgebracht. Oder den Liebsten. Es geht darum, den Mitmenschen das Recht auf ein ordentliches Leben einzuräumen. Auch und gerade denen, die mir nicht so sympathisch sind.



Glauben kann Irrtum sein. Glaube kann tödlich sein!

Religion gehört zum Menschen, der Glaube an eine Himmelswelt, die auf Menschen einwirkt und mit diesen verbunden ist, gehört zu jeder Kultur. Religion ist eine menschliche Eigenschaft. Sie hat in der vorwissenschaftlichen Zeit zu großen kulturellen Leistungen geführt: zur Errichtung sakraler Gebäude, zur Entwicklung darstellender Kunst, zur Musik. Jede kleine Menschengemeinschaft hatte ihre Religion, die Hochkulturen allemal.

Allerdings führt die Religion unter bestimmten und leider häufigen Voraussetzungen auch zur Vernichtung von Kultur und Menschen: immer noch.

Religionen sind gefährlich und menschenfeindlich, wenn sie einen Allgemeingültigkeitsanspruch vertreten. Dazu gehören alle monotheistischen Religionen mit Gottessöhnen und direkt von einem allmächtigen Gott inspirierten Propheten. Solche Religionen behaupten unbeweisbar und aggressiv, dass sie zu Gott einen direkten Draht haben, Schriftwerke besitzen, die Gottes Wort enthalten, vom ersten bis zum letzten Buchstaben, unveränderlich, nicht auslegbar – und dass alle, die das nicht glauben und ablehnen, Ungläubige sind, die man aus das Härteste zur Rechenschaft ziehen muss, gleich oder „am jüngsten Tag“.

Religionen nach dieser Definition bezeichnen Gläubige anderer Religionen als Götzenanbeter, lehnen deren Kultur ab und verwenden ihre frei erfundene Legitimation zu Verbrechen und Terror aller Art. Die Geschichte ist voll davon.

Es ist absurd, wenn die Vertreter solcher Religionen einen solchen Absolutheitsanspruch auf das Verständnis der Welt, Moral und Gesetz haben, und Religionsfreiheit verlangen. Ich bin der entschiedenen Auffassung, dass es im Sinne der Menschlichkeit keine bedingungslose Religionsfreiheit geben darf, und dass jeder politische Einfluss missionierender monotheistischer Religionen in Rechtsstaaten unterbunden werden muss.

Religionsausübung darf nur von solchen religiösen Gemeinschaften toleriert werden, die sich klar zur Subjektivität ihrer Ansichten bekennen und bereit sind, die Möglichkeit ihres Irrtums vorbehaltlos einzuräumen.

So gibt zum Beispiel das Bekennen des ersten mosaischen und christlichen Gebots zu allergrößtem Argwohn Anlass.

Man kann sich nicht zu einem Gebot bekennen, das das Anbeten anderer Götter zu einem göttlichen Strafbestand erklärt und gleichzeitig die Freiheit der Religionsausübung fordern. Das erste Gebot ist Grundlage und Legitimation für irrationale Herrschaft über andere, Hass, Drangsalierung, Folter, Mord, Vernichtung anderer Menschen und Kulturen. Es nutzt ja noch nicht einmal etwas, wenn Menschen nominell sich zum selben Gott bekennen, wie man an den sogenannten Ketzerverfolgungen des Christentums und den heutigen schiitischen und sunnitischen Hetzern ersehen kann, die Leute umbringen oder umbringen lassen, die denselben Gott anbeten.

Es muss auch in einem Rechtsstaat klar sein: Atheismus ist kein religiöses Bekenntnis unter mehreren, Atheismus als Ablehnung des Glaubens an einen persönlichen Gott ist rationale Vernunft. Es gibt keinerlei Beweise für einen persönlichen Gott, der sich für Menschen interessiert und in ihr Leben eingreift. Offenbarungen, Gebetserhörungen? Das sind subjektive Erfahrungen, auf dem Niveau jeden Aberglaubens. Jeder kann abergläubisch sein, aber nicht meinen, Aberglaube sei der rationalen und skeptischen Vernunft gegenüber gleichrangig und schon gar nicht, andere müssten das übernehmen. Rationalität ist natürlich keine Welterklärung. Im Gegenteil, der Verzicht auf dogmatischen Glauben bedeutet, die Unsicherheit des begrenzten menschlichen Verstehens auszuhalten. Vielleicht haben wir in zwanzig Jahren zum Beispiel ein grundlegend anderes Verständnis vom Universum, wer weiß schon, was da noch alles entdeckt und herausgefunden wird – wenn die Weltgeschichte uns nicht wieder in religiöse Umnachtung fallen lässt.

Es kann keinen Rechtsstaat geben, in dem auf die Bibel oder den Koran geschworen wird. Das ist Büchergötzendienst. Die USA wird den Terrorismus nicht besiegen, weil sie selber auf ein Buch schwört, das voller sadistischer Phantasien und Anordnungen ist, wie mit Ungläubigen verfahren werden soll. Die USA ist tendenziell selber eine Art Gottesstaat.

Natürlich gibt es friedliebende religiöse Menschen, die zu differenzieren wissen, und die etwa Menschenfreundliches aus ihrer Religion machen. Das sind Menschen, die ihre Religion leben und die zum Teil aus ihrem Bekenntnis eine starke Motivation für hingebungsvolles soziales Verhalten ziehen. Sie lassen andere Menschen, die das religiöse Bekenntnis nicht teilen, in Ruhe.

Ich habe mir in meiner Jugend diesen aggressiven Quatsch vom breiten Weg in die Hölle und dem schmalen Weg für die Gläubigen direkt ins Paradies anhören müssen, ich habe mich umgesehen, und gedacht, ich bin von unfrommen Menschen umgeben, die nichts glauben oder den breiten Weg gehen, das heißt, der Religion höchstens ein paar kleine Prozent in ihrem Leben einräumen, und die sollen also alle in die Hölle fahren. Was für eine Machtgier, was für eine Eitelkeit im Namen eines Gottes, ihres Gottes, was für eine Menschenverachtung.

Ich habe mir diese christliche Sündenlehre anhören müssen, und nie verstanden, weil sie nicht zu verstehen ist:

Der Mensch leidet und ist sterblich, weil er Gott nicht gehorcht hat? Jeder sieht, dass alle Wesen leiden und sterblich sind, von den Einzellern abgesehen, die aber auch nicht unverwundbar sind. Und dann kommt „Gottes Sohn“ und befreit die Menschen von der Sünde, aber nur wenn sie an ihn glauben. Nach dieser Geschichte mit Jesus von Nazareth hat sich im menschlichen Zusammenleben nichts zum Positiven gewendet. Geschickt wird die Wirkung des Glaubens in eine jenseitige Welt verschoben, die natürlich auch nicht beweisbar ist. Aber warum macht der christliche Gott so einen komplizierten Zinnober? Eine verkorkste Schöpfung, die dann in ferner Zeit runderneuert wird? Mal abgesehen davon, dass Kirchen einstürzen, fromme Menschen krank oder von Fluten ersäuft werden, raffgierigen Menschenfeinden geht es prima usw. usw. und die Gläubigen bleiben über jeden Zweifel an ihren Geschichten erhaben. Die christliche Theologie erklärt einfach gar nichts, und es stört die Gläubigen nicht, sie bleiben von realen Erfahrungen unangefochten.

Menschen, die so lange beten, bis sie irgendwann erhört werden, sitzen einem statistischen Artefakt auf. Je länger ich etwas Bestimmtes tue, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit eines zufällig bestätigenden Ereignisses. Mit anderen Worten: es wäre sowieso geschehen. Und wenn man nicht erhört wird, dann ist es eben der unerforschliche Wille Gottes. Religionen beweisen nichts, aber haben für jeden Anlass einen Spruch: nicht sehen und doch glauben zum Beispiel.

Der größte Beweis für die Nichtexistenz eines persönlichen Gottes, der die Guten unterstützt und die Bösen bestraft, sind die Religionsvertreter selbst und die Kasten, die hochwohlgeboren von Gottes Gnaden waren und sind. Sie verhielten und verhalten sich in großer Zahl gegenüber ihrem Gott absolut furchtlos, wissen sie doch, dass ihnen keinerlei Konsequenz für ihr mieses Verhalten gegenüber anderen Menschen droht. Sie sind tätige Atheisten, deshalb sind sie auch so wütend auf bekennende Atheisten, weil die ihnen den Machtanspruch infrage stellen.

Ob ich an Gott glaube? Ich glaube, dass Sie das nichts angeht. Ich weiß es auch gar nicht so genau. Auf jeden Fall habe ich Sehnsucht nach Sinn, nach Geborgenheit, Gemeinschaft und Zuwendung, und ich möchte keine existenzielle Angst haben. Ich möchte das, was ich falsch gemacht habe, künftig besser machen und hoffen, dass andere mir verzeihen. Ich möchte Rituale und nicht allein sein, wenn ich in einem tiefen Tal gelandet bin. Ich möchte den Tod als Freund sehen, wenn es so weit ist. Das muss doch ohne religiöse Phantasieprodukte gehen!

Stand: 22.07.13




»Irgendwas« erzeugt das Universum und die Menschen.

Durch die Menschen wird »Irgendwas« zu Gott.
Gott und die Menschen brauchen einander.

Ein meta-religiöser Ansatz.

»Irgendwas«1 schafft die Menschen. Menschen-Gemeinschaften gestalten Gott.

Menschen gestalten Religionen. Menschen haben das Bedürfnis, ein Weltbild zu schaffen, dass ihnen Halt gibt. Dies in einer Welt, wo nichts sicher ist, und wo jeder jeden frisst, wo es Krankheiten, Katastrophen gibt und der Tod stets gegenwärtig ist.

Diese Religionen bündeln die Kräfte der Menschengruppen und einzelner Menschen. Wer sich an die religiösen Vorschriften hält, ist stärker.

Das Universum ist von »Irgendwas« geschaffen. Wir verstehen nicht, wie »es« das getan hat, was der Zweck des Ganzen ist, ob das Ganze überhaupt einen Zweck hat.

»Irgendwas« ist gesichts- und gestaltlos. Die Aufgabe der Menschen ist es, »Irgendwas« eine Gestalt, eine Geschichte, eine Struktur zu geben. Das können Menschen mit ihren Gehirnen tun. »Irgendwas« wird zu Gott.

Wenn die Menschengruppe dem Gott nicht mehr anhängt, verblasst Gott und wird wieder zu »Irgendwas«. Das hat es schon oft in der Geschichte der Menschen gegeben. Zum Beispiel: Baal, Zeus, Jupiter, Wotan und ihre himmlischen Freunde und Feinde.

Verschiedene Menschengruppen folgen verschiedenen Göttern, früher und heute.

Menschengruppen interagieren mit ihrem Gott. Gott verändert die Menschen, Menschen verändern den Gott. Die Menschen sind abhängig von ihrem Gott, Gott ist abhängig von den Menschen.

Das erste Gebot. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Gott ist der von einer Menschengruppe gestaltete Gott aus »Irgendwas«.

»Irgendwas« ist allmächtig, immer schon da gewesen und wird immer sein. Gott nicht. Gott ist von Menschen geformt, endlich, nicht allwissend – und Gott hat Konkurrenz. Gott hat Konkurrenz, die ihn besiegen kann, ihm seine Gestalt nehmen kann.

Nur so erklärt sich das erste Gebot. Es besagt nämlich, dass die Möglichkeit besteht, sich einem anderen Gott anzuschließen. Sonst macht das erste Gebot keinen Sinn.

Ein allmächtiger und einziger Gott würde ein solches Gebot nicht erlassen, weil es dann töricht und lächerlich wäre, einem anderen Gott zu huldigen – Gott könnte eine solche Person nur mitleidig belächeln. So wie ein Kind, das an den Weihnachtsmann oder den Storch glaubt. Aber das erste Gebot ist die wichtigste, die erste, alle anderen Gebote dominierende Vorschrift.

Die ganze Bibel dreht sich um das erste Gebot. Zu Gott halten oder von Gott abfallen, andere Götter anbeten. Das ist das Thema von Moses bis zur Offenbarung des Johannes. Im Islam ist das genau so.

Andere Gebote und Vorschriften treten demgegenüber in den Hintergrund. Es sei denn, die Vorschriften sind unmittelbar mit der Anerkennung Gottes verknüpft.

Religiöse Moralgebote stehen daher nie für sich selbst, sondern sind Befehle des jeweiligen Gottes. Wer den Anordnungen des Gottes nicht folgt und dafür anderen Anordnungen, weil sie oder er einer anderen Religion angehört, ist daher mit Ungläubigen gleichzusetzen. Denn: Gottes Befehle und Gesetze sind nicht relativ, sondern absolut zu verstehen.

Gott hat ein Kommunikationsproblem. Deshalb gibt es Mittler.

Gott ist offenbar kaum willens oder in der Lage, mit Menschen zu kommunizieren. Da bedarf es herausgehobener Menschen, die Gott als Empfänger benutzt: die Mittler.

Die Mittler sind Menschen, die eine direkte Verbindung zu Gott haben. Daher ist an dem, was sie äußern und vorschreiben, nicht zu deuteln. Keine Diskussion. Die Offenbarungen sind heilig und für alle verbindlich.

Beispiele: Moses, die alttestamentarischen Propheten,  Paulus und andere Apostel - und Mohammed, DER Prophet.

Jesus von Nazareth wäre auch ein Mittler geworden, aber Jesus wurde zu Christus, zu Gott. Durch das Neue Testament wurde eine neue Gottheit geschaffen, die Gottheit mit den drei Gesichtern.

09.01.16: Allerdings hat es für die Mächtigen große Vorteile, wenn Gott sich einfach nicht meldet. Da kann das größte Dreckschwein auf einem Thron sitzen und seine Mitmenschen ausbeuten und misshandeln. Von Gottes Gnaden. Gott legitimiert durch Nichts-Tun. So haben es die Fürsten dieser Welt schon immer gemacht. Und natürlich fleißig Gotteshäuser errichtet.

Gibt es nun Gott oder gibt es ihn nicht?

Früher war es für die Menschen eine Selbstverständlichkeit, dass es Gott gibt. Heute ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der persönliche Gott eine Ausgeburt menschlicher Gehirne ist und nicht real existiert.

Im heutigen naturwissenschaftlichen Verständnis gibt es keinen Platz für Götter, Geistwesen und Himmel als Sphäre oberhalb des Sternenzeltes. Aber: der Fortschritt der Wahrnehmungs-Ergänzungen und des wissenschaftlichen Denkens führte zum Beispiel dazu, dass im 18. Jahrhundert die Kleinstlebewesen entdeckt wurden, ein ganzer Kosmos voller Lebewesen. Hätte man so etwas hundert Jahre vorher vermutet, wäre man für verrückt erklärt worden.

Der augenblickliche Erkenntnisstand kommt einem immer wie der endgültige vor. Sicher stehen uns noch bahnbrechende Entdeckungen bevor, und man wird genauso mitleidig auf die heutige Zeit blicken, wie wir das gegenüber dem 18. oder gar dem 12. Jahrhundert tun. Es ist zum Beispiel unlogisch zu glauben, unser Intelligenzniveau sei die höchste Stufe im ganzen Universum und unsere Art als Wesen zu existieren die einzig Mögliche. Wie lange gibt es den kulturell begabten, sprechenden, denkenden Menschen, wie lange im Vergleich zur Existenz des Universums? Noch vor Kurzem wussten wir nicht, ob es überhaupt Planeten außerhalb des Sonnensystems gibt. Möglicherweise gibt es im Makrobereich Wesen, die der Menschheit in jeder Beziehung überlegen sind. Vielleicht sind sie auch anwesend und wir können sie zur Zeit noch nicht erkennen, weil sie – anders sind. Vielleicht sind diese Wesen, so lange sie uns nicht bedrohen, für uns genauso wenig Kommunikationspartner wie die Pantoffeltierchen. Zu anders. Kann sein oder auch nicht.

Wir werden mehr wissen, wenn wir bescheiden, offen, wissenschaftlich akribisch und geduldig sind.

Gott ist besiegbar. Wozu sonst die Propaganda?

Das ist aber kein Grund, esoterisch herumzufabulieren oder die alten Götter zu reanimieren.

Beispielsweise den aus der Bibel. Da wird ein Gott beschrieben, der der nichts richtig vorhersehen kann, dem die Menschen immer wieder zu entgleiten drohen, der davon überrascht ist, wütend wird, der sich mit Menschengruppen gegen andere Menschen verbündet, der einen Vater (Abraham) auffordert seinen Sohn zu töten, um seine Treue zu testen, oder der mit dem Satan (dazu später) paktiert, um einen Gläubigen (Hiob) aufs Härteste zu prüfen. Der im Neuen Testament seinen »Sohn« quälen und töten lässt.

Die Bibel beschreibt, dass Gott einen Widersacher hat. Gott braucht eine Gemeinschaft der Gläubigen, damit er gegen den Widersacher siegen kann. In der Offenbarung des Johannes wird ein fürchterlicher Krieg beschrieben, in dem das Tier, die Hure Babylon und die böse Schlange besiegt werden. Dann kommt endlich die wirklich perfekte Schöpfung, in der Gott nur noch Gläubige um sich hat.

Wenn Gott allmächtig wäre, hätte ein Widersacher ja wohl keine Chance, und es wäre sinnlos, Gott zu bekämpfen, es sei denn, der Widersacher ist bemitleidenswert dämlich oder masochistisch. Aber Gott kann besiegt werden, wenn die Gläubigen nicht zu ihm halten. Das Ergebnis ist nicht ausgemacht. Die Offenbarung ist Propaganda, eine Durchhaltegeschichte.

Religion ist aggressiv, intolerant. Sie muss es sein.

Die Offenbarung des Johannes ist eine martialische, aggressive Geschichte. Weil Gott vergänglich ist, also sein Gesicht verlieren und von anderen Gottheiten ersetzt werden kann, ist die Religion Ausgangspunkt des brutalen Kampfes gegen andere Religionen und Kulturen, sogenannte Ketzer, Häretiker.

Das Alte Testament war die Religion des jüdischen Volkes. Ihr Gott war ihr Verbündeter und gab aggressive Befehle gegen andere Volksgruppen, die anderen Göttern huldigten. Das Christentum ist nicht oder wenig volks-, sondern ausschließlich bekenntnis-gebunden. Und hat einen genauso aggressiven Gott, wie man in der Offenbarung des Johannes, und nicht nur da, nachlesen kann. Die Rache an den Ungläubigen wird aber teilweise vertagt, auf spätere Zeiten und das Weltende.

Die heutige Forderung auf dem Hintergrund säkularer Menschenrechte: Religionen sollen tolerant sein, ist nicht erfüllbar. Eine starke Religion ist eine aggressive Religion mit Alleinvertretungsanspruch. Zumindest was die universalen monotheistischen Religionen angeht.

Religionsvertretern, die zum Frieden aufrufen, ist massiv zu misstrauen. Es sei denn, sie räumen ein:
Auf jede Bibel, auf jeden Koran gehört der Aufdruck:
Glauben ist nicht Wissen. Glauben kann Unsinn sein. Glauben gefährdet unter Umständen Ihre geistige Gesundheit.

Religion ist humorlos.

Hat Gott jemals gelacht? Hat Jesus gelacht? Oder Mohammed? Gab es unter Jesu Jüngern wenigstens einen Hofnarren? Witze und Satire über religiöse Inhalte, das ist immer gleich Gotteslästerung, Prophetenbeleidigung, in Staaten mit religiöser politischer Dominanz gibt es ja auch solche »Delikte« wie Staatsbeleidigung. Religion zeigt gerade darin ihren autoritären Charakter. Alles ist wichtig, alles ist ernst. Auf die Knie, runter mit dem Kopf. Sonst kommt er wirklich runter. Oder es knallt.

Gott neu formen, Gott modifizieren, das ist gut für Gott und gut für die Menschen.

Gläubige Menschen fühlen sich unterstützt, finden in Gott Trost, überstehen besser Krisen, finden Halt und kommunizieren mit Gott. Sie ertragen es besser, wenn unerklärliches Leid und Ungerechtigkeiten geschehen, weil sie sich nicht anmaßen über die Geschehnisse zu urteilen. Gläubige Menschen gestalten sich gemeinsam eine Struktur, die besser auszuhalten ist als der blinde zufällige Wahnsinn, der über Menschen hereinbricht.

Immer wieder sind die Götter, ist Gott neu erfunden oder umgestaltet worden. Das können die Menschen ganz offenbar. Die griechischen und römischen Götter gelten heute so viel wie der Osterhase. Niemand glaubt mehr an ihre Existenz. Sie sind als Götter verblasst.

»Irgendwas« sorgt für neue Mittler, die ein verbessertes Gottesmodell kreieren. »Irgendwas« hat vielleicht sogar das Ziel, über die Menschen eine personalisierte vollkommene Gottesgestalt anzunehmen: in der Vorstellung der Menschen.

Gott will keine Angst mehr haben, wie frühere Götter: zu »Irgendwas« zu verblassen, und der Mensch will keine Angst mehr haben, von den Naturgewalten oder von Seinesgleichen in Not gebracht zu werden und den Tod fürchten zu müssen. Es gilt für Gott und die Menschen, es ist nicht schlimm, wieder zu »Irgendwas« zu werden.

Jesus-Special: Das Alte und das Neue Testament

Jesus von Nazareth, die Apostel, Paulus.

Grundlage der folgenden Überlegungen sind die Evangelien und im Gegensatz dazu die Briefe des Paulus und schließlich die Offenbarung des Johannes. Wir erfahren, dass die christliche Kirche mit allen ihren späteren Gräueln bereits in den Paulus-Briefen und der Offenbarung angelegt ist.

1. Phase

Im Leben des Jesus von Nazareth gab es offenbar zwei Phasen: die Verkündigungs- und Gemeinschafts-Gründungs-Phase – und die Kreuzigung mit dem Mythos der Auferstehung. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge. In der ersten Phase ging es um Liebe und Bescheidenheit, um Demut vor den Schwachen, um die Anerkennung der Frauen, um Kritik an der Selbstgerechtigkeit und an dem Pomp der theologischen und säkularen Oberschicht. Es ging um die Errichtung eines Gottesreichs mit einer neuen sozialen Moral.

Seine hohen ethischen Anforderungen an die Mitmenschlichkeit forderten den Zeitgeist heftig voraus. Zumal ihm die Massen nachliefen. Die Anforderung, auf Menschen-Unterwerfung, auf Gewalt zu verzichten, und stattdessen Mitmenschen zu lieben, war eine heftigere Bedrohung als wenn er nur als Messias gegen die gegenwärtigen Herrscher aufgetreten wäre. Das hätte dann eine neue Herrschaftsstruktur gegeben, und alles wäre irgendwie beim Alten geblieben.

Er wollte aber überhaupt keine Herrschaftsstruktur.

Dadurch wurde er zu einer fundamentalen Bedrohung gegen die bestehende Ordnung, viel mehr noch als wenn er ein militärischer Führer wie Mohammed gewesen wäre.

2. Phase

Die Katastrophe seiner qualvollen Hinrichtung wird umdefiniert zu einem Triumph, das Kreuz wird zu einem Symbol des Sieges Gottes, und Jesus von Nazareth wird zu Gott.2

Mit Paulus und dem Verfasser der Offenbarung wird die alte Ordnung wiederhergestellt:  Das erste Gebot als zentrale Botschaft, Gott ist ein Mann, Vater und Sohn, gleich zwei Männer, der Heilige Geist zeugt mit Maria, also noch ein Mann. Die heilige Dreimännerheit. Abwertung der Frau und der Geschlechtlichkeit3, schon bald Folter, Mord und Krieg als Mittel der Verbreitung des Christentums. Priester und Fürsten herrschen wie zu Jesu Zeiten. Rom triumphiert. Die Kirchen häufen Schätze, Macht und Pomp an, und sind nicht selten selber Regierende und Krieg Führende.

Erst durch das Kreuz und durch die Erhebung zur Gottes-Facette ist der Mittler Jesus von Nazareth endgültig besiegt worden.

Der Begriff der Erbsünde, des Sündigseins von Anfang an, wird ausgebaut. Nicht der Gott hat die Schöpfung in seiner Verantwortung für die Entstehung des Menschen versaut, vielmehr wird die Kreatur am Versagen des Gottes schuldig gesprochen, und kann sich nur in individueller Arbeit an ihrer Schuld – vielleicht – retten und Gnade finden. So drückt das kirchliche Christentum mit seiner Gottes- und Menschenvorstellung den Menschen in die Defensive, um ihn zu beherrschen. Oder den Schluss zu ziehen, dass es sowieso nicht drauf ankommt. Du Mensch hast sowieso die Arschkarte.

Jesus von Nazareth ist wirklich gründlich besiegt worden. Nein, nicht erst unter Konstantin. Nur wenige Jahre nach seinem Tod!

Woran merkt man das noch? An den Kruzifixen! Nicht der Auferstandene, der Sieger wird in den Kirchen und am bayrischen Wegesrand dargestellt, sondern der Hingerichtete! Die Schande, die Niederlage des Jesus von Nazareth! Nackt und verletzt hängt er da. Und in den katholischen Kirchen: überall die Stationen seiner Demütigung, Folter, totalen Niederlage! Fällt das niemandem auf? Der schändlich Besiegte wird kultiviert, nicht der Sieger! Das Christentum versichert sich der Niederlage des ursprünglichen Jesus von Nazareth in jeder Kirche. Dieses Mannes mit seinen radikalen ethischen Forderungen mitmenschlicher Liebe.

Die Kirchen haben mit den erbärmlichsten Verbrechern zusammen gearbeitet, und dazu sind auch die Fürsten (die »Großen«) jahrhundertelang zu zählen, die ihre Krieger mit Gottes Segen über die Zivilbevölkerung haben herfallen lassen – Beispiele: Bauernaufstand, 30-jähriger Krieg.

Erbärmliche Verbrecher an der Zivilbevölkerung berufen sich auch auf die andere monotheistische Religion: den Islam. Heute. Islamisten, eine psychosoziale Seuche, man könnte meinen, vom Teufel höchstpersönlich erdacht.

Was will der Alltagsmensch – du und ich – von der Religion?

Rituelle Begleitung wichtiger Lebensstationen, schöne Gotteshäuser, Kontakt mit Menschen, die zur gleichen Religion gehören und die gleichen Riten lieben.

Der Alltagsmensch weiß, dass Gott nicht ins Leben eingreift, dass das Schicksal blind auf Gerechte und Ungerechte herunterkommt. Der Mensch will aber in der Not nicht allein sein, in der Not findet er zum Gebet. Im Gebet kann der Mensch auch Dankbarkeit ausdrücken, dass es ihn nun gerade nicht trifft. Wenn der Mensch im Sterben liegt, fühlt er, dass er zu Gott geht. „Näher, mein Gott zu dir.“ Das ist ein ganz unideologisches Gefühl. Im Sinne dieses Artikels ausgedrückt: der Mensch kehrt heim zu »Irgendwas«, und das ist gut so.

Zusammenfassung

In diesem Modell wird davon ausgegangen, dass etwas Unbegreifliches, das „»Irgendwas«“ für das Dasein dieser Welt verantwortlich ist. »Irgendwas« hat es zur Entstehung des Menschen kommen lassen. Gruppen von Menschen sind in der Lage, »Irgendwas« Gesichter und eine Geschichte zu geben. Götter sind von den Menschen abhängig, und Menschen können im Glauben an eine Gottheit sehr, sehr stark werden.

Da verschiedene Gruppen verschiedene Gottheiten entwickeln, entsteht eine unerbittliche Götter-Konkurrenz. Die Gottheit kann ihre Struktur nur halten, wenn genügend Gläubige da sind. Daher sind Götter, vor allem monotheistische Götter, aggressiv und machen ihre Anhänger aggressiv. Gerade zwischen mono­theistischen Religionen kann es daher keine Toleranz geben. Diese Aggressivität wird besonders durch die Mittler, die die Religion unter die Leute gebracht haben oder bringen, erzeugt.

»Irgendwas« schreibt den Menschen nicht vor, wie sie zu leben haben, wohl aber die Götter und die Mittler mit ihren heiligen Schriften.

Keine heiligen sakrosankten Bücher, keine Exklusiv-Rechte für die Kommunikation mit Gott und die Deutung der Welt! Werdet nicht mitschuldig an der negativen Gestaltung eures Gottes! Wer meint, das Recht auf Mord zu haben, weil seine Symbole veralbert werden, gehört in den Knast oder die Psychiatrie!

Wo kann es hingehen mit der Religion? Da Gott durch die Menschengruppen zu seinem Gesicht, seinem Charakter kommt, können die Menschen Gott beeinflussen. Gott und die Menschen beeinflussen sich gegenseitig. Menschen können sich weiter entwickeln, Gott kann sich weiter entwickeln.

Das Leben ist unsicher, bedrohlich, oft schwer, das gilt für alle Lebewesen. Wir wollen einen Gott, der da ist, uns zuhört, uns unaufdringlich Halt gibt. Er soll die Menschheit friedlich und bescheiden wünschen, dankbar für das Gute, das ihnen widerfährt und geduldig im Leid. Er unterstützt die Menschen in dem Bedürfnis, das Gute für andere zu wollen und zusammenzuhalten, bei allen Unterschieden. Weil die Menschen das so wollen. Dann hat »Irgendwas« einen Sinn.

© Uwe Wiest, Delmenhorst, Oktober 2012, überarbeitet im Oktober 2013 und 2014.


Selbsttötung oder Jammertal.

Warum die Selbsttötung aus monotheistischer Sicht ein Verbrechen ist.

Dieses Leben hat der Schöpfer als Jammertal eingerichtet. Der Mensch ist Krankheiten und Katastrophen ausgeliefert, er ist verletzlich und hat oft Schmerzen. Daraus resultieren Angst und die Bereitschaft, bei Gott Halt zu suchen. Wir kennen das doch. In der Verzweiflung findet mancher zum Gebet, der vorher nicht im Traum daran gedacht hätte. Die Not fördert den Glauben und die Huldigung.

Damit manche das Jammertal auch besonders gründlich auskosten können, gibt es das christliche Selbsttötungs-Verbot. Du sollst leiden, wie auch der Heiland gelitten hat. Angenagelt an den nicht mehr funktionsfähigen Körper. Schmerzen ohne Ende. Ständige Verschlimmerung ohne Hoffnung. Gedemütigt in deiner Hilflosigkeit.

So lehren die Heiligen Männer: wenn du das verweigerst, verleugnest du das Kreuz.

Das gehört zu den monotheistischen Religionen, allen voran zum Christentum: Angst vor dem Sterben schüren, Angst vor dem Tod schüren, und dann das Heilsversprechen machen: ein Versprechen der Wiederherstellung des Körpers bei der Neuschöpfung am Ende der Zeiten, dann aber ein ausgereiftes sprich ewig haltendes Modell.

Was soll das sein? Wir sind Säuger, Lebewesen, in den Kreislauf von Luft-, Wasser- und Nahrungsaufnahme und Ausscheiden eingebunden. In den Kreislauf von Gezeugt Werden, Leben, selber Zeugen und Sterben. Wir leben im irdischen Raum, in der werdenden und vergehenden Zeit. Und nun das Heilsversprechen: Wenn du Gott folgst, wirst du unverweslich. Nicht recyclebar. Du brauchst keine Kinder, keine zwei Geschlechter mehr, deine Gestalt unterliegt in Ewigkeit keinerlei Veränderungen. Kein Verfallsdatum. Bist du dann noch du? Oder dein eigenes Denkmal? Selber ein Gottchen?

Egal. Zu dieser Verwandlung kommst du natürlich nicht, wenn du eigenmächtig deinem Leid ein Ende machst. Wenn du die Angst vor dem Tod nicht hast oder selber überwindest und vor allem nicht mit der Angst vor dem Sterben verwechselst. Wenn du einfach abhaust aus deinem Garten Gethsemane, bevor die Folterknechte kommen.

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurdest du „draußen“ an der Friedhofsmauer verscharrt, wenn du dich selbst getötet hattest. Du warst ein gottloser Mörder.

Diesen Standpunkt möchte ich im wahrsten Sinne des Wortes zum Teufel schicken. Bevor ich mit jemandem über Selbsttötung und Beihilfe zur Selbsttötung diskutiere, möchte ich, dass dieser religiöse Hintergrund entlarvt und ad acta gelegt wird. Keine Fremdbestimmung durch die Religionsgemeinschaften!

Wem das zu atheistisch klingt: Leidender, gehe in direkten Kontakt zu deinem persönlichen Gott und frage ihn, was du tun sollst. Es kann durchaus sein, dass dein Gott ein gnädiger, gewährender Gott ist.

Der Tod kommt so und so, ob ich ihn selber herbeiführe oder ob er mich ereilt. Der Tod ist mein Freund. Ich war vor der Zeugung tot und ich werde es wieder sein. Ich habe noch nie gehört, dass Tote sich darüber beschwert haben.

Das Thema ist wahrlich kompliziert genug, auch ohne diesen heiligen Ballast.

© Uwe Wiest, 2012

Der selbst gewählte Tod

„Mein Vater hat ALS, Amyotrophe Lateralsklerose, eine schwere Nervenerkrankung, im weit fortgeschrittenen Stadium. Er hat sich entschieden, den Weg der Sterbehilfe zu nehmen, weil er das, was kommt, nicht mehr erleben möchte: künstliche Beatmung und Ernährung, Verlust der letzten noch vorhandenen motorischen Fähigkeiten, einschließlich des Sprechens, mit großer Wahrscheinlichkeit Tod durch Ersticken.“ ZEIT-ONLINE. Stand 5.11.2012 Aufschlussreich sind die Kommentare zu dem Artikel.


Jesus: wahr Mensch. Echt?

Die Tragik des Christentums. Mein Wort zum Karfreitag

Im Christentum ist die Passion des Jesus von Nazareth von zentraler Bedeutung. Umso erstaunlicher ist, dass Folter und Hinrichtungen im christlichen Einflussbereich nicht abgeschafft und geächtet wurden, sondern jahrhundertelang als legitimes Mittel gegen zu Feinden der Kirche erklärte Menschen galten – bis zur säkularen Erklärung der Menschenrechte.

Nun kann man das damit begründen, dass das Christentum korrumpiert wurde durch die Entwicklung zur Staatsreligion. Es sei eben nicht das echte, wirkliche Christentum, das man im Mittelalter und in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit praktiziert hat. Alles wurde gerechtfertigt, das Verbrennen von Ketzern, die Ausrottung von sogenannten Heiden in anderen Ländern, die Sklaverei der aus Afrika Verschleppten. Absurd die Kriminalisierung der Abtreibung kombiniert mit der Befürwortung der Todesstrafe, wie von amerikanischen rechtskonservativen Christen gefordert und, wo sie Einfluss haben, praktiziert. Es gab Kreuzritter und in jüngster Zeit (Libanon) christliche Milizen! Die Achtung vor dem Leben und der Unversehrtheit des Mitmenschen ist keine zentrale Botschaft des Christentums.

Ist das ein Missverständnis? Ich meine, der Grund für die Irrelevanz der Menschenrechte für das Christentum liegt woanders, nämlich in der Aussage, Jesus von Nazareth sei gar kein richtiger Mensch gewesen, sondern Gott. Er unterscheidet sich vom Menschen durch seine unbefleckte Empfängnis (!), er ist ohne Sünde, er ist nicht wirklich sterblich. Man kann ihm Schmerzen bereiten, aber nicht wirklich umbringen. Für ihn war das Ganze ein sehr, sehr hartes Spiel, aber eben nur ein Spiel. Menschen verrecken am Kreuz oder auf dem Scheiterhaufen wirklich und endgültig. Da nützen auch Nebelkerzen wie „Wahr Mensch und wahrer Gott.“ nichts. Dieser so vorgestellte Jesus ist keiner von uns.

Deshalb durfte man ihn nicht quälen und töten, dagegen den Menschen, der ja etwas ganz anderes ist, sündig, befleckt, sterblich, umso mehr. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. So mit Jesus umzugehen war ein Skandal, dasselbe mit Menschen zu tun ist in Ordnung. Der Vorwurf der Passion ist: Die Römer und die Juden haben es mit dem Falschen gemacht. Nicht: Folter und Mord durch die Obrigkeit ist per se verbrecherisch. „Nicht diesen, sondern Barabam!“

Würde Jesus im Christentum als Mensch wie du und ich angesehen, hätte die zentrale Botschaft sein müssen, den Menschen zu achten und nie wieder so etwas mit Menschen zu tun, was da in der Passion geschehen ist. Das wäre eine wirkliche Hammerbotschaft gewesen, die die Welt verändert hätte.

Die Alternative: wenn Jesus Gottes Sohn ist, hätten die Kirchen auch alle Menschen zu Gottes Kindern erklären können. Das können sie immer noch! Auch dann hätte die Passion auf alle Menschen generalisiert werden müssen. Nie wieder Legalisierung von Terror und Mord durch die Obrigkeit. Jeder Mord an Menschen ist Mord an Gott.

Liebe Christen, es ist immer noch Zeit, die Trennung zwischen Jesus und der übrigen Menschheit aufzuheben. Dann macht auch das Kruzifix in den Altarräumen und am Wegesrand Sinn. 02.04.12

Gottsch

Wahr Mensch und wahrer Gott.

Das ist die Definition. Ein Gott in der Zeit, nicht über der Zeit. Der Mensch nach seinem Ebenbild, oder der Gott nach des Menschen Ebenbild. Eben mächtig, aber mit menschlichen Eigenschaften. Keine Voraussicht, macht Fehler, wird wütend, ist irrational, man versteht seine heftigen Reaktionen nicht, Vater-Sohn-Komplex, will immer gelobt, angebetet, besänftigt werden, droht ständig, vor allem denen, die seine Existenz in Abrede stellen.


Also: kein allmächtiger, allwissender Gott. Eine Mischung. Unser – siehe oben.

Das Reich Gottes

Wo ist das Reich des Jesus von Nazareth?

Johannes 18 Vers 36

36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt.

Was soll man mit diesem Satz anfangen? Zunächst einmal kann man ihn situativ verstehen, indem Jesus zu Pilatus sagt: ich bin keine Konkurrenz zu den Römern, den jüdischen Hohepriestern oder anderen Machthabern. Damit verteidigt er sich gegen den Vorwurf des Hochverrats.

Wenn sein Reich aber nicht von dieser Welt ist, von welcher Welt spricht er? Wo soll diese Welt sein? Ist diese Welt räumlich oder zeitlich von unserer Welt getrennt? Ist dieses Reich etwas ganz anderes als weltliche Reiche?

Lukas 17, Vers 20 und 21

20 Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte.

21 Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.

Das Reich Gottes ist also etwas, was da ist, was aber mit den fünf Sinnen nicht erkannt und geortet werden kann.

Nimmt man diese beiden Bibelstellen zusammen, kann man feststellen:

Es ist sinnlos, auf das Reich Gottes zu warten, denn es ist bereits da. Es ist aber kein weltlicher Staat, es ist überhaupt kein Staat. Damit ist es auch sinnlos, auf die Wiederkunft Christi zu warten, denn das Reich Gottes existiert bereits.

Die Annahme des Offenbarung-Johannes, das Reich Gottes, die Neue Welt, käme erst nach diesem Jüngsten Gericht, widerspricht dem ebenfalls, denn dann wäre das Reich Gottes eine zeitlich definierte Dimension, eine Welt nach unserer Welt.

Das Reich Gottes ist eine paradoxe Konstruktion. Es gehört nicht zu dieser Welt und ist doch da.


Judas und Satan

Die Versuchung auf dem Tempeldach. Wäre er doch gesprungen!

Matthäus 4 Vers 5

  5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so lass dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf Händen tragen, auf dass du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: "Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen."

Da hatte ihn noch nicht der naive Größenwahn gepackt.

Es wäre besser, Jesus wäre gesprungen. Er wäre fürchterlich auf die Fresse gefallen, aber das hätte ihm die Kreuzigung erspart. Das wäre ein toller Realitätstest gewesen, der ihm seine Illusionen genommen hätte. Er ist nicht gesprungen, weil er zu wissen glaubte, dass Gott ihn auffangen würde. Er war nämlich der festen Überzeugung, Gottes Sohn zu sein, was das auch immer heißt, und dass Gott-Vater ihn da raushauen würde.

Aber genau damit hat er Gott versucht. Denn genauso wenig, wie Gott ihn aufgefangen hätte, wenn er vom Tempeldach gesprungen wäre, hat Gott ihn aufgefangen, als die Häscher des Hohenpriesters kamen. In Gethsemane hat Jesus Gott versucht.

Er hat Gott vertraut. Vom Tempeldach springen ist ja nichts anderes, als da hin zu gehen, wo die Soldaten des Hohepriesters auf dich warten. Das zweite Mal hat Jesus auf Satan gehört und seine Jünger daran gehindert, ihn zu verteidigen. Er hat Judas Ischarioth geradezu beauftragt, den satanischen Realitätstest zu machen. Tja dann hängt man am Kreuz und Gott-Vater macht nix. Markus 15, 34.

Er ist genau der Versuchung erlegen, die Satan ihm auf dem Tempeldach angeboten hatte. Jesus hat Satan nicht verstanden. Was für eine Tragik!

Was wäre gewesen, wenn Jesus Satan gesagt hätte: „Komm mein Junge, wir wissen beide, Gott greift auf dieser Welt nicht ein, wir müssen schon selber für gute Verhältnisse sorgen! Und auf dem Teppich bleiben.“ Auch beim entscheidenden zweiten Mal!

Das Christentum hat gelernt. Vertraue nicht auf Gott, sondern auf die weltliche Macht ...

Gott hat sich im Alten Testament hervorragend mit dem Satan vertragen.

Das Buch Hiob, Kapitel 1 und 2: Gott und Satan machen gemeinsame Sache. Jeder erledigt seinen Job. Der Satan als Gläubigen-Tester. Am Ende: Hiob mit Zertifikat.

Auch Jesus blieb im Dialog mit dem Satan.

Genauso locker wie Jahve. Matthäus 4. Da gab der Satan Jesus die Chance, pfiffig zu reagieren, wie sich das für einen Messias gehört.

Bis dahin ist Satan also nicht der Böse, sondern der Prüfer, an dem sich der Rechtgläubige abarbeitet. Eine ehrenvolle Aufgabe. Auch hier: Stiftung Warentest für Rechtgläubige.

Judas und Satan als Werkzeug Jesu

Johannes 13, 27: Der Satan fährt im Auftrag Jesu in den Judas, der Jesus verraten soll. Jesus lässt bei seiner Gefangennahme aber alle Möglichkeiten eines Entkommens aus. Die Jünger dürfen ihn nicht verteidigen, und er selbst gibt sich zu erkennen und liefert sich damit aus. Johannes 18, Vers 3 folgende.

Auch hier sehen wir, dass Satan die Funktion des Prüfers hat: Judas ist nur der Anlass, damit Jesus die Gelegenheit bekommt, in den Opfertod zu gehen. Satan durfte erst handeln, als er von Jesus dazu bestimmt war!

Erst dieser Offenbarungs-Johannes mit seinen Horror- Hass- und Rachephantasien schildert das Verhältnis zwischen Gott, Gottes Sohn und dem Satan, der Schlange, dem Tier, der großen Hure als vergiftet und feindselig. Beispiel: Offenbarung 14, 10, Offenbarung 20, 10 und 11.


Natürliche Erklärungen:
Selig sind, die erst sehen und dann glauben

Die Umkehrung von Johannes 20 Vers 26: „Selig sind die nicht sehen und doch glauben.“ Dieses Bibelwort bringt den Gläubigen in den Verruf, freiwillig beschränkt zu sein. Stellen wir uns doch mal so einen Spruch im Alltag vor. „Ich habe dir für deinen Gebrauchtwagen 10000 Euro überwiesen. Aber nicht deine Kontoauszüge ansehen. Einfach glauben.“ So naiv ist natürlich keiner. Aber wie ist es hiermit:

Gott wird deine Gebete erhören. Du musst nur beharrlich weiterbeten. Dann wird Gott dich irgendwann erhören. Diese Ausssage finden wir hier bei moslemischen Autoren. „Wenn man beim Gebet für eine bestimmte Sache nicht ausdauernd ist, so ist die Wahrscheinlichkeit der Erhörung sehr gering.“ Ähnliche Empfehlungen kann man sicher auch in christlichen Quellen finden. Mönche und Heilige beten rund um die Uhr.

Was kann man dazu aus lerntheoretischer Sicht sagen?

Burrhus Frederic Skinner, 20.3.1904-18.8.1990 , Prominentester Vertreter des radikalen Behaviorismus, Professor an der Harvard; Vater der Verhaltenspsychologie, der Methode der Verhaltensverstärkung, hat vor allem mit Tieren, mit Tauben und Ratten gearbeitet, um zu fundamentalen Lerngesetzen zu gelangen, und die dann auf das menschliche Verhalten zu generalisieren. Er fand heraus, dass Tauben abergläubisches Verhalten lernen:

Skinners Versuch:

Acht Tauben bekommen alle 15 Sekunden Futter, unabhängig von ihrem Verhalten. Beobachtung: Sechs Tiere entwickeln ganz bestimmte Verhaltensweisen, die sie zwischen den Futtergaben regelmäßig wiederholen .

Ergebnis: Das Verhalten, das sich zufällig vor dem Auftreten des Verstärkers vollzog, wurde verstärkt.

Skinner fand Analogien im menschlichen Verhalten: Kegler, Glücksspieler, Rituale... „Trotz vieler unverstärkter Fälle, genügen einige zufällige Zusammenhänge zwischen rituellen und vorteilhaften Konsequenzen, um das Verhalten zu aktivieren und beizubehalten.“ Zitiert nach Michael Niedeggen.

Skinner entdeckte, dass es nicht erforderlich ist, ein Verhalten regelmäßig zu belohnen. Das Lebewesen lernt am besten bei variabler Zeit- oder Quotenverstärkung, also wenn es unregelmäßig belohnt wird. Diese Gesetzmäßigkeit kommt auch beim abergläubischen Verhalten zum Tragen: das Futter fällt ins Napf, als die Taube gerade auf einem Bein steht. Sie steht jetzt öfter auf einem Bein, und da alle 15 Sekunden Futter ins Napf fällt, wird das Auf-einem-Bein-Stehen immer häufiger belohnt. (Unzulässig) menschelnd könnte man sagen: die Taube glaubt, dass sie mit ihrem Auf-einem-Bein-Stehen die Futterausgabe beeinflusst.

Beim Kegeln kennen wir das: man hat die Schulter so und so bewegt, da wurden es alle Neune. Also macht man das mit der Schulter so weiter, und natürlich wird man dann auch mal wieder alle Neune haben.

So. Jemand betet, nach Vorschrift, oft, immer wieder. Während die gläubige Person betet, trifft das Ereignis irgendwann ein, das sowieso eingetreten wäre. Sie betet erneut um eine Sache, ausdauernd, immer wieder, und wieder tritt das Ereignis ein, irgendwann. So entsteht ein Verlauf von regelmäßigem Beten und unregelmäßiger „Erhörung“. Die kann ruhig selten sein, umso mehr stabilisiert sich das Gebets-Verhalten.

Könnte Skinners Taube denken und sprechen, würde sie sagen: "Ich habe erkannt: Gott will, dass ich beim Beten auf einem Bein stehe."

Wäre sie eine sehr charismatische Taube, so würden ein paar hundert Jahre später Millionen von Tauben beim Gebet auf einem Bein stehen.

Wenn man dann die Erhörung auch noch möglichst unkonkret, weit, formuliert, steigt die subjektive Gewissheit, erhört worden zu sein, noch an. Oder wenn die gläubige Person Gott einräumt, dass etwas anderes eingetreten ist, was man als Gottes besondere Klugheit oder Gnade auslegen könnte. So etwas kann die Taube nicht. Das zeichnet den denkenden Menschen aus.

Insofern ist die Empfehlung, möglichst ausdauernd um eine bestimmte Sache zu beten, lebensklug, aber: ….

Wenn der Gläubige einigermaßen sicher sein will, dass es Gott ist, der sein Gebet erhört hat, und er nicht auf eine abergläubische Konditionierung hereingefallen ist, müsste er selten, möglichst nur einmal, um die Sache beten. Sonst kann man ihm „von außen“ immer entgegenhalten, dass das, was im Zusammenhang mit Gebeten geschehen ist, sowieso geschehen wäre.

Ich weiß, solche desillusionierenden Erklärungen machen keine Freude. Wie bei Zauberern, die ihre Tricks verraten. Weiter beten.

Das Kreuz mit dem Gehenkten

Schon immer hat mich die Frage beschäftigt, warum der angebliche Sohn Gottes immer als schmählich Gehenkter gezeigt wird und nicht als Himmelsfürst oder segnender Heiland, und was das für das Gemüt des abendländischen Menschen bedeutet, den gottgleichen Religionsgründer als gequälten geschändeten Verachteten zu sehen, in jeder Kirche. Niemand merkt anscheinend, dass in dieser Symbolik der Wurm im Christentum sichtbar wird. So ist das mit der Wahrnehmung, wenn man das immer erlebt, wird es Gewöhnung. Es wirkt trotzdem.

Von der Brutalität dieser Darstellung müsste eigentlich an jeder Kirche stehen: Für Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet. Wie soll man einem kleinen Kind erklären, dass der nackte Mann, der da ans Holz genagelt wurde, Gott ist? In Bayern hängt das in jedem Klassenzimmer.

Jesus von Nazareth hatte, so sagt man, eine Botschaft, die die Menschheit moralisch Jahrhunderte in die Zukunft katapultiert hätte.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das ist eine ethische Aufforderung, die auf zukünftiges Verhalten der Menschen gerichtet ist. Würde die Menschheit darauf hin arbeiten, hätten wir schon bald das Paradies auf Erden. Wenn die Menschen in Zuneigung zueinander halten würden, hätten alle ein schönes Leben und könnten das Leid immer weiter reduzieren.

Natürlich hatte Jesus von Nazareth auch seine Beschränktheiten: Er war ein Schriftpedant und musste unbedingt aus dem alten Bündnis nachweisen, dass er der Messias sei. Er musste unbedingt so Zauberkunststücke machen, mit Kranken, mit Wein und so. Er musste überall herum erzählen, er wäre Gottes Sohn und niemand käme zum Vater denn durch ihn.

Er glaubte, dass Gott ihn schützen würde, wenn er gewaltfrei gegen die Obrigkeit vorgehen würde. Er hat nicht begriffen, dass ein Messias das selber in die Hand nehmen musste. Judas Ischarioth hat das erkannt, Petrus auch, aber Jesus musste sein Ding machen. Mohammed war da später anders drauf.

Überall stehen die Kreuze, das Zeichen der Niederlage des Jesus von Nazareth. Der war so gefährlich für die Obrigkeiten, dass das Christentum erfunden und dieses Niederlage-Zeichen überall auf der Welt eingepflanzt werden musste. Auf vielen Bergen, an vielen Straßen, und vorn in den meisten Kirchen steht so ein Ding. Alle sollen deine Schande sehen, Jesus, wie du geendet bist! Als Galgenvogel! Damit nie, nie, nie mehr einer kommt, der lehrt, man müsse seinen Nächsten lieben. Hau ab, Jesus, du Verlierer! Wir wollen unsere Nächsten nicht lieben, sondern bei Bedarf ausplündern, demütigen, töten.

Die Pharisäer, die Schriftgelehrten, die Könige, die Römer, die Hohepriester, die Kaufleute, die Kriegsknechte haben gewonnen. Dafür hat man ihn zum Gott erhoben. So macht man das mit großen Unliebsamen: man befördert sie. Die Legende von der Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt besagt: Weg mit dir, Jesus, du bist nun Gott. Sei zufrieden. Gib Ruhe. Das muss reichen. Und lasse dich hier nie wieder sehen!“

Seine Botschaft von der Liebe wird ersetzt durch unverbindlichen und unverdaulichen Quatsch: er sei gestorben für unsere Sünden. Das verpflichtet zu gar nichts, außer zur Kirche zu halten. Kurzfassung: Wer das glaubt, wird gerettet, wer nicht, kann im wahrsten Sinne des Wortes was erleben. Im Diesseits oder im Jenseits.

Die Christenheit ist eine einmalige Religion: sie bekämpft ihren Religionsgründer mit einem unglaublichen Nachdruck und stellt das als Huldigung dar. Sichtbar blamiert sie ihn bis auf die Knochen. Nützliche Nebeneffekte: Hass schüren auf die Juden, auf die Ungläubigen, auf alle die an etwas anderes oder gar nichts glauben. Das ist so entsetzlich krumm und faul und die Ursache der jahrhundertelangen christlichen Barbarei.

Ja, heute haben viele Menschen nicht genug zu essen, kein sauberes Wasser, keine Bildung. Weil eine dünne Oberschicht auf dem ganzen Planeten alles für sich haben will. Da hätte dieser Jesus doch wirklich gestört.

Realität und Religion

Was spricht für oder gegen den Wahrheitsgehalt religiöser Lehren?

Der Mensch hat gelernt, dass er etwas begreifen kann, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, und dass viele Dinge handhabbar werden, wenn man ihnen Bezeichnungen verleiht und sie mit Verhaltenserwartungen verknüpft.

Das gilt für »begreifbare« Dinge und für Phänomene, die nicht unmittelbar begreifbar sind, und schließlich auch für Dinge, die der Mensch sich ausdenkt.

Wenn die Ausdenker dann noch Menschen mit starker Überzeugungskraft und Ausstrahlung sind, kann das die Menschheit Jahrtausende beeinflussen

Dass es in allen Menschengruppen, Völkern, Ländern Religionen gibt, vom Ahnenkult über die Vielgötterei bis hin zu monotheistischen Religionen, wird gern als Beweis genommen, dass es eine göttliche Wirklichkeit außerhalb der von uns erfahrbaren Realität gibt.

Dabei beweist das nicht mehr als die Tatsache, dass es offenbar zum Menschsein gehört, Religionen zu erfinden. So wie es zum Kaninchen gehört, Grünzeug zu fressen.

Der Mensch braucht Religion. Er braucht ihm Sinn machende Erklärungen für Naturphänomene, vor allem, wenn sie seine Existenz betreffen. Daher werden Naturgewalten zu Göttern, oder Untergöttern. Das Sterben wird zum Tod. Im Monotheismus werden alle Phänomene in einer einzigen göttlichen Hand zentralisiert (was im Katholizismus wieder aufgeweicht wird: durch die Heiligen).

Die Vorstellung, dass gute und schlechte Ernten, Krankheiten, Epidemien, Erdbeben und Fluten zufällige Ereignisse sind, die mit dem menschlichen Dasein und Verhalten nichts zu tun haben, ist nicht attraktiv und macht Angst. Lieber einem bösen Teufel oder einem zürnenden Gott ausgeliefert sein, der sich an dem Menschen für dessen Verhalten rächt, das kann man ja verstehen – und möglicherweise durch Wohlverhalten verhindern oder abmildern. Daher gibt es Opfer, ethische Vorschriften, Sanktionen.

Der Mensch stellt sich außerdem vor, dass die Gottheit besonders erzürnt ist, wenn man sie nicht ernst nimmt oder sich lieber an eine andere Gottheit wendet. Oder an gar keine. Gottlos, das ist in religiösen Kreisen das übelste Schimpfwort. Es ist emotional so belastet, dass niemand sagen möchte: „Ich bin gottlos!“ Vielleicht noch eher: „Ich bin Gott los.“

Mit einem Gott kann man auch kommunizieren. Man kann ihm etwas erzählen, um etwas bitten. Man kann die Gottheit loben und preisen und hoffen, Gott gnädig zu stimmen. Der Dialog mit Gott im Gebet gibt einem die Illusion, mit Gott zu kommunizieren – obwohl noch niemand eine Antwort erhalten hat. Es gibt keine Belege für Gottes Antwort, die einer handfesten Überprüfung standhalten. Gottes Antwort wird erlebt, aber das ist ein psychologisches Phänomen. Und diese tut dem Menschen gut. Menschen haben jahrelange Einkerkerung überstanden, weil sie mit Gott reden konnten. Das Gebet nimmt die Einsamkeit. Der Mensch ist nicht allein. Gott ist da. Allein das schon ist ein Argument für den Gottesglauben: er nützt dem Menschen bei der Überwindung von Angst, Einsamkeit, dem Gefühl des Ausgeliefertseins.

Deshalb halten Menschen gern am Gottesglauben fest, selbst wenn der Augenschein zeigt, dass sie keinen eingreifenden Gott auf ihrer Seite haben. Und dafür gibt es sehr, sehr viel Augenschein.

Der moderne Mensch hat dagegen Versicherungen, Arbeitsverträge, wenn er Glück hat, Geld, Eigentum, und ist den Tröstungen der Religion eher nicht mehr so geneigt. Daher die Kirchenaustritte und das Desinteresse an kirchlichen Riten, vom Gebetsverhalten mal ganz abgesehen. Das sind natürlich auch keine wirklich verlässlichen Dinge.

Wenn nun Gott das wäre, was die Religionen von ihm behaupten, wie würde das denn aussehen?

Also: es gäbe kein göttliches Versteckspiel.4

Es könnte auch keine Sünde, kein Gottesleugnen, keinen Abfall von Gott geben. Gott würde die Geschichte und die Zukunft kennen, wenn er allmächtig ist, würde er alles vorhersehen, es könnte auch kein Böses und ein Kampf gegen das Böse geben, mit all diesen kriegerischen und mörderischen Dramen, die in der Offenbarung Johannes vorhergesagt werden. Götter die wütend werden, sind nicht allmächtig und allweise, sondern, sofern es sie gibt, menschenähnliche Wesen mit ein bisschen mehr Macht und längerem Leben. Die griechischen Götter waren von dieser Art. Zeus hat alle hübschen Frauen, die ihm gefielen, gevögelt und geschwängert. So ein antiker Mick Jagger.

Nein, das ist alles nicht der Fall, und natürlich glauben die Religionsanhänger das nicht wirklich. Sonst müssten sie nicht nachhelfen. Immer wieder auch durch Mord und Verfolgung Andersdenkender. Die Bibel und der Koran sind durchsetzt vom Hass gegen die Ungläubigen und von der selbst gegebenen Legitimation, gegen sie vorzugehen. Wo ist das Vertrauen in den existierenden Gott, dass der schon dafür sorgt, dass die Menschen von ihm und seinen Propheten überzeugt werden? Sie wissen es, dass dieser Gott gar nicht existiert, oder zumindest gar nicht daran denkt, sich zu engagieren. Die Behauptung, man handele im Namen Gottes, erzeugt aber viel Kraft, und wenn sich eine große Gemeinschaft darauf einigt, dann wird es richtig gefährlich. Dann werden Völker ausgerottet, Hexen verbrannt, Bomben geworfen, die Gotteshäuser anderer Leute abgefackelt, Kulturdenkmäler zerstört.

Wenn ich mit engagierten Kirchenchristen rede, wundert es mich immer, dass die keine Probleme mit diesen Dingen haben. Die wollen auch gar nicht diskutieren. Aber da ist auch keine Fragehaltung. Ich war ein bisschen fassungslos, als eine evangelische Frau angesichts mehrerer schrecklicher Erkrankungen in einer Familie sagte: „Die haben echt die Arschkarte.“ Menschen wie du und ich. Nette Gemeinschaft, schöne Musik, keine aufdringliche Missionierung anderer. Da bin ich gern dabei. Aber so etwas macht »engagierte bibelfeste Christen« sehr wütend.

Mich wundert auch das nachsprechen christlicher Formeln wie des Glaubensbekenntnisses, ohne dass die Leute dahinter stehen: Auferstehung des Fleisches. Der Papst Benedikt hat ausdrücklich betont, dass die Kernbotschaft des Christentums die Auferstehung in demselben Körper ist, den jemand gehabt hat, und dass die christliche Botschaft der weltlichen Todesverleugnung ein Ende setzt. Diese Vorstellung ist absurd und zeigt das ganze Ausmaß der mentalen Verneblung durch Religion, aber sie wird nachgebetet. Wie gut! Wie nett! Tradition, Tradition. Ach du lieber Weihnachtsmann.

Die Verleugnung des Todes ist eine Erfindung des Christentums, da wird ein Bedürfnis geschaffen, nach ewigem Weiterleben, das völlig sinnlos ist, weil der Tod für jede Kreatur das ganz Normale ist! Ein natürlicher Verlauf wird als Gottes Strafe hingestellt! Auf dieser Konstruktion beruht die größte Weltreligion!

Fazit: das Vorhandensein von Religion und Gottesglaube erklärt sich aus Bedürfnissen der Menschen, einzeln und als soziale Gruppe. Sie schafft unter Umständen inneren Frieden, Identifikation, Gemeinschaft. Sie erklärt sich nicht aus einem nachweisbaren Wirken eines Gottes oder von Göttern. Die Menschen erfinden Religionen und Kosmogonien, um zu erklären und psychosoziale Ordnung zu schaffen, um Herrschaft, Gesetze und kriegerische Auseinandersetzungen zu legitimieren.



Das Recht aller Rechtgläubigen, an Irgendwas Gläubigen, Ungläubigen und Anders-Seienden auf ein würdiges Dasein

Religion dient der Unterscheidung zwischen der Gemeinschaft, der jemand angehört, und anderen Gemeinschaften. Äußerlich und innerlich. Sie dient dem Recht Haben. Sie legitimiert Gewalt und Unrecht gegen andere von »oben«, dient dem Unterdrücken des Denkens. Es geht darum, eine Botschaft, bestimmte Schriften und eine Führer-Person für sakrosankt, unfehlbar zu erklären und auf Kosten anderer Weltanschauungen und Lebensarten zu verbreiten. Selbstverständlich auch mit Gewalt, im Auftrag Gottes.

Glaube ist durch nichts zu erschüttern.
Offensichtliche Beweise für ein blindwütiges Schicksal werden nicht wahrgenommen.
Ereignisse, die statistisch gesehen völlig unbedeutsam sind, werden als Beweise göttlichen Wirkens gesehen.

Daher gehört auf jede Bibel, auf jeden Koran, auf alle heiligen Bücher, der Aufdruck²:

Glauben ist nicht Wissen. Glauben kann Unsinn sein. Glauben gefährdet unter Umständen Ihre geistige Gesundheit.

Religionsgemeinschaften, die in einem demokratischen Rechtsstaat diesen Satz nicht akzeptieren, verdienen unser Misstrauen, weil sie ihn im Zweifelsfalle abschaffen und durch ihre totalitäre Weltsicht ersetzen wollen, wenn man sie denn lässt. Das haben sie in Vergangenheit und Gegenwart oft genug unter Beweis gestellt.

Es gibt keinen Gott, der sich klar offenbart und uns sagt, wie wir leben sollen. Darum gibt es immer wieder diese Auseinandersetzungen zwischen Religionen. Keine Gottes-Religion und keine Unter-Sekte ist plausibler als eine andere. Sie sind alle nicht plausibel und basieren überwiegend auf abergläubischen Geschichten mit Absolutheits­anspruch.

Es sei denn, man versteht diese alten Geschichten nicht als Tatsachen sondern als unter Umständen lehrreiche Gleichnisse.

Gebrauch religiöser Schriften als Anstöße zum Denken, Glaube an Gott mit bescheidenem Zweifel an eigenem Erleben und Erfahren, so mag es gehen.

Das Wesentliche ist nicht ein Gott oder ein Prophet oder eine Schrift, sondern dieBarmherzigkeit.

Barmherzigkeit als Zugeständnis: alle Menschen haben ein Recht auf ein lebenswertes Dasein.

Wenn die Menschheit diese nicht zu pflegen bereit ist, wird sie untergehen.

Wo die Barmherzigkeit einzieht, entsteht der Himmel, wo sie fehlt, die Hölle.
Auf dieser Welt.

Das kann jeder sehen. Nicht zu glauben.

¹ Die Tempel und Kirchen werden immer den Göttern und Religionen der Eroberer geweiht, zerstört oder umgebaut. Die Götter der Besiegten gehen unter.

² Bei Nikotin- und Arzneimittelprodukten ist das mittlerweile gang und gäbe.

Die Befriedigung grundlegender Bedürfnisse durch Religion

Die ungelöste Diskrepanz zwischen Erleben und Erkennen: Ich stehe im Mittelpunkt. Ich bin ich, ihr seid ihr.

Ich erlebe mich selbst als eine konstante Größe. Ich bin ich. Immer. Ich blicke aus meinen Augen. Ich nehme mit meinen Sinnesorganen wahr.

Es scheint so zu sein, dass es außer mir noch andere Menschen gibt. Die behaupten von sich dasselbe. Aber ich kann kein anderer Mensch sein. Andere sind in meiner Wahrnehmung Objekte. Sie sind von mir getrennt, und sie bleiben es. Ich kann mit ihnen interagieren und kommunizieren. Über die Sprache, die Schrift, die Mimik, die Gestik, durch Körperkontakt. Aber ich kann nicht wirklich zu ihnen wechseln. Mein ganzes Leben bleibe ich bei mir. Die anderen sind Abbilder in mir, oder?

Deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, tot zu sein. Denn mit meinem Tod endet einfach alles. Dann ist nichts mehr. Das „Danach“ kann mich infolgedessen auch nicht wirklich interessieren. Ich kann es mir ausmalen, aber ich werde es nicht erleben. Das „Davor“ ist allerdings für mich interessant, erklärt es mir doch, warum die Dinge jetzt in meinem Leben so sind wie sie sind. Allerdings sind die Quellen meines Wissens darüber auch außer mir.

Aber ich weiß natürlich, ich „weiß“, dass es vor meiner Zeit Leben gab und andere Existenzen. Ich weiß das, so ist ja das Weltbild, dem alle zustimmen, dass die Dinge nach mir genauso weiter gehen. Nur, von meinem Erleben her ist das unvorstellbar.

Es fängt damit an, dass das Kind sich erarbeitet, dass Dinge aus seinem Blickfeld verschwinden und wieder auftauchen. Es lernt, dass manche Dinge weg sind und anscheinend doch noch da, denn sonst könnten sie nicht erneut wahrnehmbar sein. Andere Dinge verschwinden endgültig. Nahrungsmittel zum Beispiel. Die Mutter geht weg und kommt wieder. Andere Personen gehen weg und kommen nicht wieder. Wo ist die Sicherheit, dass Mutter nicht auch zu den Dingen gehört, die wegbleiben?

Ich spreche von meinen Gefühlen und weiß, was ich damit meine. Andere sprechen auch von Gefühlen, aber ich weiß nicht, ob sie dasselbe meinen, denn ich kann ihre Gefühle nicht wirklich fühlen. Bei Schmerz ist es offensichtlich, dass dieselben Ursachen mir weh tun und andere dieselben Sprachäußerungen und Verhaltensweisen zeigen, wenn ihnen weh getan wurde.

Es ist die Errungenschaft des Menschen, sozusagen eine objektive Wirklichkeit zu konstruieren. Der Mensch weiß: er ist nicht die Sonne, um die alle kreisen. Aber es wirkt so. Wir sind so von unserer objektiven Weltsicht eingenommen und an sie gewöhnt, dass wir gar nicht mehr merken, dass jede einzelne Person sich diese objektive Sicht konstruiert hat. Genau wie wir wissen: nicht die Erde steht im Mittelpunkt, sondern sie Sonne und eigentlich übergeordnete astronomische Gebilde oder Kräfte, wissen wir, dass einzelne Personen nicht im Mittelpunkt stehen. Diese Erkenntnis macht Handeln leichter und ist die Grundlage von Zivilisation. Nur dadurch, dass ich meine Subjektivität verlasse, andere Erfahrungen und Meinungen höre und sehe, die ich für mich gewinnbringend verwenden kann, profitiere ich von anderen. Ich werde ein soziales Wesen, indem ich mich von der Wahrnehmung meiner Einzigartigkeit löse. Ich verlasse sozusagen meine Position als Einzeller höherer Ordnung.

Nichtsdestotrotz: ich kann andere, die mir wichtig sind, verlieren. Ich kann andere auch töten. Die sind dann weg, ich nicht. Es sei denn, ich lebe in einem Land mit Todesstrafe, und ich werde erwischt. Aber wenn ich sterbe, ist alles aus. Diese archaische und lebensnahe Sichtweise ist eine Grundlage für die Entstehung von Religion. Die Religion, der Gottesglaube, die Geschichte des Menschen mit Gott, will über diese unvermeidliche Situation hinweghelfen.

Christentum: Versprechen an das Ich.

Die Schöpfer der Religion schaffen ein stabiles Ober-Lebewesen, das nicht stirbt und das immer anwesend ist oder doch wenigstens öfter mal. Im Christentum überwindet der Mensch gewordene Gott den unvermeidlichen Tod. Der macht es vor. Die christliche Religion verspricht ferner, dass wir eines Tages alle wieder dabei sind. Auch ich. Das Licht geht wieder an. Ich werde wieder wahrnehmen und dabei sein. Wenn ich das glaube, sonst nicht.

Der Christ überwindet damit die Angst vor dem Tod, vor dem Ende der Teilhabe an der Welt, vor dem persönlichen Weltuntergang. Dazu muss man allerdings sagen, dass diese Angst immer weniger verbreitet ist. Viele Menschen glauben, dass der Tod etwas ganz Natürliches ist, denn alles Leben stirbt und wird erneuert. Es ist nicht schlimm, dass ich mal nicht war und auch nicht sein werde. Ganz normal. Damit verliert das Angebot des Christentums seinen Reiz, zumal es aus naturwissenschaftlicher Sicht von kruden Annahmen ausgeht (zum Beispiel: Sterblichkeit und Leid durch Sünde des Geschöpfes Mensch verursacht. Was ist mit den anderen Lebenwesen?).

Glaube an Gott: Glaube an den verlässlichen schützenden, warmherzigen Verbündeten.

Dann gibt es eine zweite sicherheitsrelevante Angst: die Angst vor dem Verlassen sein und vor der Ausweglosigkeit.

Wie schon beschrieben: Menschen können verschwinden. Sie sterben oder brechen den Kontakt ab. Man lernt sich kennen, manchmal ist das wunderbar, dann lernt man sich von der anderen Seite kennen, das ist schrecklich.

Ich kann unheilbar krank werden, chronische Schmerzen haben, verkrüppeln, ich kann eingesperrt werden oder sonst vereinsamen, niemanden mehr haben, im eigenen Saft schmoren. Man kann eine Pechsträhne haben, alles was einem lieb ist, bricht einem weg.

Dafür hat der Gläubige den ewigen verlässlichen Vater.

[(Andante moderato. d-Moll) 3/2]
Ach wie gar nichts sind alle Menschen,
die doch so sicher leben.
Sie gehen daher wie ein Schemen
und machen ihnen viel vergebliche Unruhe;
sie sammeln und wissen nicht,
wer es kriegen wird.
Nun Herr, wes soll ich mich trösten?

[(Andante moderato.) D-Dur (3/2)]
Ich hoffe auf Dich.

(Psalm 39, 5-8)

[(Andante moderato.) d-Moll, C]
Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand
und keine Qual rühret sie an.

(Weisheit Salomos 3, 1)

Brahms, Deutsches Requiem.

Menschen in schwieriger, einsamer oder auswegloser Situation finden in dem ewigen Gott, der immer da ist, einen stabilisierenden Gesprächspartner.

Schließlich wird aus der Angst vor dem Tod eine Sehnsucht, endlich bei Gott zu sein.

Näher, mein Gott, zu Dir,
Näher zu Dir!
Drückt mich auch Kummer hier,
Drohet man mir,
Soll doch trotz Kreuz und Pein,
Dies meine Losung sein:

Näher, mein Gott, zu Dir,
Näher zu Dir! Bricht mir, wie Jakob dort,
Nacht auch herein,
Find ich zum Ruheort
Nur einen Stein,
Ist selbst im Traume hier
Mein Sehnen für und für:

Näher, mein Gott, zu Dir,
Näher zu Dir! Geht auch die schmale Bahn,
Aufwärts gar steil,
Führt sie doch himmelan
Zu meinem Heil.
Engel so licht und schön
Winken aus sel'gen Höhn:

Näher, mein Gott, zu Dir,
Näher zu Dir! Ist dann die Nacht vorbei,
Leuchtet die Sonn,
Weih ich mich Dir aufs neu
Vor Deinem Thron,
Baue mein Bethel Dir,
Und jauchz mit Freuden hier:

Näher, mein Gott, zu Dir,
Näher zu Dir! Ist mir auch ganz verhüllt
Mein Weg allhier:
Wird nur mein Wunsch erfüllt
Näher zu dir!
Schließt dann mein Pilgerlauf,
Schwing ich mich selig auf

Näher, mein Gott, zu Dir,
Näher zu Dir!

Quelle u.a. - YouTube

Glaube an den leidenden Christus erleichtert das eigene Leiden.

Der gefolterte und hingerichtete Christus, der aufersteht und gen Himmel fährt, ist ein großer Trost für Menschen, denen es schlecht geht. Sollte ich mich beklagen, wenn der Herr Jesus sein Leid auch ertragen hat? Leiden ist gottgefällig. Der Sohn Gottes ist eine ideale Ergänzung des Gott-Vaters. Deshalb ist die christliche Religion auch so attraktiv für die amerikanischen Negersklaven gewesen und eignet sich so hervorragend zur Disziplinierung der Entrechteten.

Glaube an die Mutter Gottes Maria, die immer da ist.

Die katholische Kirche ist anpassungsfähig und hat dafür gesorgt, dass es auch eine immer für Gläubige da seiende Mutter gibt, die Mutter Gottes Maria. Diese Ergänzung hat dazu geführt, dass in den Latein-Ländern die Marienverehrung viel inniger ist als die Gottes. Maria wird geschmückt und an hohen Festtagen in Prozessionen herumgetragen, zum Teil von einem Altar zum anderen. Das ist sehr anrührend.

Das Bündnis mit Gott rechtfertigt jedes Verhalten.

Der monotheistische Gottes-Glaube stützt und tröstet nicht nur in der Not. Wenn jemand mit seinem Verhalten durchkommt und Erfolg hat, ist das ein Zeichen, dass Gott Wohlgefallen an seinem Handeln hat. Die adeligen Ausbeuterkasten sind hochwohlgeboren. Ihr Militär und ihre Polizei sind effektiv, und die Kirchen haben jahrhundertelang mitgeholfen, die Unterdrückung zu legitimieren und »aufrührerisches Pack« zur Strecke zu bringen. Sie alle fühlten und fühlen sich durch das Nichteingreifen Gottes bestätigt. Wer seinen Besitz mehrt und Kriege gewinnt, hat Gottes Segen. So bauten sich Fürsten Privatkapellen und Kirchen und spendeten für den Kirchenbau, um Gott zu danken.

So stabilisiert die monotheistische Religion in ihrer psychologisch perfekten Ausrichtung als Christentum sowohl leidende Menschen als auch Herrschende, die keine Legitimierung benötigen als den Erfolg, den wie wiederum aus Gottes Segen ableiten. Daher auch das Segnen von Waffen und eine die Kampfkraft stabilisierende Militärseelsorge.

Das ist ja das Schöne an diesem Konzept: Gott greift nicht wirklich ein oder höchstens mal im wissenschaftlich unüberprüfbaren Einzelfall. Gott stellt nicht wirklich eine ethische Richtschnur auf. Gott lässt alles so laufen, die Gerechtigkeit findet erst am Ende der Tage statt. Das stellt gute und böse Taten ins Belieben des Einzelnen oder der religiös dominierten Gesellschaft. Denn auch hier darf die Verhaltenspsychologie herangezogen werden: Je größer die zeitliche Differenz zwischen Tat und Strafe, desto wirkungsloser ist die Strafe unter präventiven Gesichtspunkten.

Aberglaube

Der Mensch ist abergläubisch. Er stellt zwischen Dingen Zusammenhänge her, die gleichzeitig geschehen oder kurz nacheinander. Er verwechselt zeitliches Auftreten mit dem Ursache-Wirkungs-Prinzip. In vielen Situationen ist das hilfreich. Beim Glauben an medizinische Wirkungen oder an die Erhörung von Gebeten weniger. Manchmal ist das Ursache-Wirkungs-Denken auch einfach zu kurz, zu ausschnittartig. Die Ursache kann auch eine vorherige Wirkung sein. Man nennt das Verhaltensketten oder Verhaltenskreisläufe, aus denen nur ein Ausschnitt sichtbar wird. Bei manchen Familiendramen, die böse enden, ist es so, dass man solche langen Verhaltensketten findet, so dass die Schuldfrage sehr komplex zu beantworten ist.

Aberglaube ist ein Wesensmerkmal der Religion. Wenn ich so und so oft bete, in der und der Haltung, und alle Speise- und Kleidungsgebote erfülle und einmal eine Wallfahrt mache, dann wird Gott mir gnädig sein. Ja, manchen geht es damit gut. Das festigt den Glauben. Anderen geht es nicht gut, die überlegen, wo sie gegen was verstoßen haben. Oder warten auf die Belohnung im Paradies. Dass alles Zufall ist, das fürchtet der gläubige Mensch „wie der Teufel das Weihwasser“.

Aber, was bietet die Anwendung der aufgeklärten Wissenschaft dem Menschen?

Sie bietet dem Menschen, der im »richtigen« Land geboren ist, soziale Sicherheit, eine gute Krankenbehandlung, eine Versorgung im Alter, ein Netz von Unterstützungssystemen, dazu Spaß und Unterhaltung. Die Medien zaubern viel eindrucksvoller als in den alten religiösen Rituale und Wunder. Sie machen die deutlich bessere Show, basierend auf Elektrotechnik. Das Leben ist auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse einfach besser geworden. Wir leben nicht mehr in der dunklen verräucherten feuchten Bude im Winter und sterben nicht mehr früh an einer großen Auswahl unheilbarer Krankheiten.

In Wohlstandgesellschaften ist es nicht so dringend, an religiösen Konzepten festzuhalten. Deswegen verlieren die Kirchen zum Beispiel in Deutschland immer mehr an Rückhalt. Rituale, die nicht mehr ausgeübt werden, ohne Folgen, verblassen. Du lässt sozusagen eine Medizin weg, und es geht dir nicht schlechter.

Deshalb ist die Beliebtheit von Islamisten in der arabischen Bevölkerung auch begrenzt: denn sie sind der Garant für Armut und Arbeitslosigkeit und das Ausbleiben von Touristen (in Ländern ohne Öl). Die Leute wollen aber, dass es ihnen wirtschaftlich besser geht und dass man ihr Privatleben achtet.

Aber der Mensch ist religiös. Er glaubt. Ungebrochen. Vor allem an das Kapital. Haben wollen. Anhäufen.

Das ist der Götze Reichtum, dem viele verfallen sind, und der dazu führen könnte, dass die Menschheit mehr und mehr wieder in Armut versinkt. Der Glaube an das Geld, die Aktie, die Rendite, das Wirtschaftswachstum, diese Religion Kapitalismus droht dem wissenschaftlichen Fortschritt die wohltuende Wirkung auf möglichst viele Menschen zu nehmen. Die Leute vergessen offenbar, dass das letzte Hemd keine Taschen hat.

Das ist durchaus mit der Religion zu vergleichen: wir wissen doch alle, dass Vermögen und Einkommen allein über eine gewisse grundlegende Ausstattung hinaus nicht glücklich macht, mit Lebensglück überhaupt nichts zu tun hat. Trotzdem wollen Menschen immer mehr davon und raffen und betrügen und kämpfen um jeden Cent. Da ist es, das goldene Kalb im ersten Buch Moses. Haben Wollen ohne Sinn und Verstand. Das ist religiöser Aberglaube!

Es ist schön, zu geben und zu teilen und andere zu erfreuen. Da gibt es gerade im Neuen Testament viele Geschichten und Sprüche über die Dummheit des reichen Raffkes und die positive Wirkung der Achtung anderer Menschen und ihres Wohlergehens. Da gibt es auch viele positive Personen in den Kirchen, die danach leben. Aber letztlich war auch die Religion gegenüber dem Götzen Besitz reichlich wirkungslos, auch weil sie das nie zu ihrer Kernbotschaft gemacht hat. Vielleicht kommt das noch. Der Sieg des Mitgefühls.

Wissenschaft für sich genommen entwickelt sich weiter, weil der Mensch neugierig ist. Und auch in der Wissenschaft wird ja immer wieder um den Sinn gerungen. Warum interessieren sich die Menschen über das Werden und Vergehen des Universums, die Entstehung des Lebens? Warum ist es so interessant, herauszufinden, ob es bewohnbare und vielleicht sogar bewohnte Welten gibt? Auch die neurobiologische und -psychologische Forschung ist unter anderem angetrieben von dem Wunsch, uns selber zu verstehen. Wie kommt es zu dem menschlichen Bewusstsein, zu dem Ich-Gefühl, wie ist das mit dem freien Willen? Geben wir uns damit zufrieden, dass wir sagen: diese Selbstwahrnehmung ist biologisch-soziologisch sinnvoll? Sind das überhaupt die richtigen Fragen?

Die Wissenschaft wird, so hoffe ich, endlich auch die Sozialpsychologie ernster nehmen und Modelle entwickeln und umsetzen, wie die Menschheit solidarisch und intelligent zu einer gemeinsamen Weiterentwicklung kommt, - und die genetischen Fehler der Menschheit, die sich in der Geschichte so schrecklich niedergeschlagen haben, zu korrigieren suchen.

Empathie und der Verlust der Unschuld. Oder: ein Entwicklungskonzept des Sündenfalls.

Das Konzept der Sünde war für mich mein Leben lang eine rätselhafte Angelegenheit. Natür­lich ist es offenkundig, wie schlecht der Mensch sein kann. Wir sehen tagtäglich, wie Menschen alles zusammenraffen und anderen das Notwendigste wegnehmen, wie viele Ver­brechen geschehen, dass Leute, sowie sie keine negativen Konsequenzen fürchten müssen, Böses tun oder sich zumindest daneben benehmen. In der Genesis (1. Mose 3) erfahren wir allerdings, dass der allmächtige Gott ausgerastet ist, weil der Mensch plötzlich klug war und zwischen Gut und Böse unterscheiden konnte. Da fühlt der Ewige sich hoch bedroht (Vers 22) und will den Schaden wenigstens begrenzen, und dem Menschenpaar das ewige Leben nehmen. Macht er dann auch. (Sonst hätte er nämlich keinen Vorteil mehr gehabt und hätte mit den beiden eine Kommune unter völliger Gleichberechtigung aufmachen müssen.)

Das ist dann die Grundlage für diese Geschichte, dass er seinen Sohn schickt, den hinrichten lässt, und dann muss man an dessen Gottes-Eigenschaft glauben und auf Gnade warten - und vielleicht darf man dann in ferner Zeit, nach dem jüngsten Gericht, wieder ewig leben. Ob man dafür die erneute Intelligenzminderung hinnehmen muss? Möglich: Ev. Joh 20, Vers 29: Selig sind die nicht sehen und doch glauben. Oder lesen wir bei Christian Morgenstern.

So habe ich immer gedacht und mich über diesen seine eigene Schöpfung positiv evaluierenden Gott (1. Mose 1, Vers 31) gewundert.

Das Tolle oder Ärgerliche an der Bibel ist, dass oft unerwartet etwas Wahres hinter diesen Geschichten steckt.

Mark Rowlands: Der Philosoph und der Wolf. Was ein wildes Tier uns lehrt. 20097

In diesem Buch geht es um die Schilderung eines wüst zechenden und extrem kontaktarmen Philosophie-Professors, der mit einem Wolf und zwei Hunden zusammenlebt und darüber nachdenkt, was den Wolf und den Affen unterscheidet. Er stellt fest, dass der Wolf sich nicht verstellen kann. Wenn man ihn bei etwas was er nicht darf ertappt, erstarrt der Wolf. Er bleibt einfach bewegungslos stehen. Er weiß nicht, was er tun soll, er kapituliert. Nicht so der Affe. Der Affe entwickelt in seiner Horde etwas genetisch-sozial ganz Neues: die Einfühlung, die Empathie, die Verstellung, die Täuschung. Wenn man so will: die intelligente Sünde.

Die Empathie verhilft ihm dazu, sein Alpha-Tier auszutricksen. (Es geht um den männlichen Affen, aber die Weibchen können's auch). Seite 85 f.: Beispiel: er nähert sich einem Weibchen und zeigt ihm seinen erigierten Penis, aber so, dass das Alpha-Tier das nicht sieht. Er weiß also, was das Alpha-Tier in einer Situation sehen kann und was nicht. Das Weibchen ist interessiert, und sie verschwinden beide in ein Versteck, um sich zu lieben.

Oder: Das Alpha-Tier wird misstrauisch, hebt einen Stein, der Affe tut unschuldig und setzt sich woanders hin, nimmt dem Alpha-Männchen damit den Grund, ihn kaltblütig zu ermor­den. Empathie ist also eine Entwicklung, um durch Einfühlung Strafen auszu­weichen oder den in der Hierarchie höher Stehenden auszutricksen. Empathie braucht man, um die Bedürfnisse der anderen herauszufinden, damit man ein Komplott gegen das Alpha-Tier anfangen kann. Wenn das gelingt, wendet man sich gegen die bisherigen Freunde, und schmiedet neue Bündnisse, bis man selber das Alpha-Tier ist und alle Frauen haben kann.

Natürlich sind einige andere auch nicht doof ... Und das macht das Zusammenleben in der Affenhorde sehr, sehr anstrengend. Die Wölfe sind da besser dran.

Da das alle in der Horde machen, und die Empathischsten eine bessere Überlebens- und Fortpflanzungschance haben, und da die Entwicklung der Empathie die Intelligenz und die Hirngröße erhöht, entsteht der Mensch.

Rowlands erzählt den biblischen Sündenfall als Evolutions-Konzept! Wir sind das geworden was wir sind durch die Entwicklung von Lüge und Betrug. Die Entwicklung vom Wolf zum Affen hat uns schlau gemacht und führt möglicherweise eines Tages zu unserem Untergang. Menschen können einfach nicht dauerhaft solidarisch sein. Sie legen lieber andere rein.

Ein erfolgreicher Folterer braucht viel 'Empathie‘. Genauso wie erfolgreiche Kinderschänder in pädagogischen Institutionen. Oder Heiratsschwindler. Empathie zur positiven Unterstützung anderer Menschen, das ist ein Späteffekt der Zivilisation und zudem ein sehr zartes Pflänzchen in der Kultur.

Frau Käßmann, Ex-Landesbischöfin, ist in diesem Sinne eine Wölfin. Ertappt, erstarrt, ehrlich. Zur Täuschung nicht fähig und willens. Eine Äffin hätte herumgelogen und wäre im Amt geblieben.

Den Sündenfall hat es also wirklich gegeben. Der aufrechte Gang und die Hirn-Vergrö­ßerung. Wir sind gottgleich. Dem Teufel ebenbürtig. Wissend. Verschlagen. Kein Wunder, dass Gott sich endgültig zurückgezogen hat. Er hat es versäumt, rechtzeitig ordentlich drauf zu hauen, und nun ist es zu spät. Dem Teufel geht es nicht besser. Die Menschen können das alles alleine.

Übrigens, bei den Gebrüder Grimm (Rotkäppchen, die sieben Geißlein) wird der Wolf als verschlagen und schauspielernd dargestellt. Durch Rowlands wissen wir: Sie haben den Wolf verkannt. Wer packt denn anderen Rumpelsteine in den Bauch?

In dem Buch stehen noch viele andere schöne Sachen drin. Zum Beispiel über das Glück und die Gefühle, über die tierische Freude am Moment.



Die Krux5 mit der Verneinung. Nicht- und A-, Un- und -los

Die Sprache sorgt dafür, dass nicht der Theismus, sondern die Freiheit vom Theismus als Problem definiert wird.
Als Atheismus.

Das ist nicht einfach eine sprachliche Spitzfindigkeit. Begriffe enthalten immer eine emotionale und soziale Wertung, je nachdem wie sie gebraucht werden.

Menschen können mit einer Bezeichnung markiert werden, die das Fehlen einer Eigenschaft ausmacht. Das geht dann so weit, dass sie sich selber so markieren.

Damit wird suggeriert: Wem eine Eigenschaft fehlt, dem fehlt etwas, der ist unvollkommener als jemand, der diese Eigenschaft hat. Oder unnormaler.

Ein gutes Beispiel ist der Nichtraucher. Menschen, die nicht rauchen, denen also die Eigenschaft fehlt, nikotinsüchtig zu sein, wurden in öffentlichen Verkehrsmitteln entsprechend gekennzeichnet. Es sind eben Nichtraucher.

Dabei ist die Freiheit von Sucht, in diesem Falle von Nikotin, eine positive Eigenschaft. Aber das Begriffspaar Raucher-Nichtraucher suggeriert, dass nicht der Raucher, sondern der Gesunde einen Mangel hat. Ihm fehlt die Zigarette.

Um die Unsinnigkeit solcher Begriffszuordnungen zu verdeutlichen, konstruieren wir einfach mal ein paar Nichts.

Nicht-Mörder,

Nicht-Lügner,

Nicht-Vorbestrafter,

Nicht-Kranker,

Nicht-Bettler,

oder: etwas zartfühlender:

Nicht-Banker

Nicht-Lehrer

Nicht-Psychologe

Nicht-Handwerker

Nicht-Redner

usw.

Niemand kommt auf die Idee, sich so ein Etikett zu geben. Es kann erfreulich oder zumindest neutral sein, wenn einem eine Eigenschaft fehlt. Das gilt für alle Verneinungen als Beginn eines Wortes: Nicht-, A-, Un-, oder das hintangestellte -los.

A-Theist. Gott-los.

Der Atheist, die Atheistin wird von Theisten als eine Person definiert, die Gott nicht wahr haben will. Ein Gottesleugner, eine Gottesleugnerin. Der Begriff Atheist suggeriert, dass einem etwas fehlt, oder dass man ein Gegner ist. Ein Gegner von Gott. Ein Mensch, die oder der gegen das erste Gebot verstößt. Das erste von den zehn Geboten, die die meisten Menschen als moralisch höchstwertig ansehen.

Noch immer gilt bei vielen: Atheisten seien gottlos. Das schmeckt nach Unzucht, Völlerei, Verbrechen. Ohne Glauben an Gott oder die Götter werde der Mensch zum Monster. Nur Theisten seien ganz lieb. Schon immer und heutzutage ganz besonders.

In nicht wenigen Ländern muss man mit Verfolgung rechnen, wenn man sich als Atheist bekennt. In der Geschichte war das sehr oft so. Kritik an der mentalen Selbstbeschränkung im Rahmen der Religion galt und gilt als Beleidigung, als Verbrechen.

Wir wollen nun an dieser Stelle den Theisten, die Theistin ins Rampenlicht holen, um zu belegen, dass sich niemand, der nicht an Gott glaubt, den Verneinungsbegriff umhängen sollte. Höchstens als Markierung von Zug-Abteilen:

Man stelle sich einen Zug mit Waggons für Theisten und Atheisten vor! Im Theisten-Abteil sitzen sie da mit ihrer Bibel, ihrem Koran, ihrem Talmud und anderen heiligen Büchern, drehen Rosenkränze, murmeln vor sich her, bei längeren Zugfahren fallen gläubige Männer im Abteil auf die Knie. Och nö, da fahre ich lieber im Atheisten-Abteil, die habe ich meine Ruhe. So wie manche Raucher lieber bei den Nichtrauchern saßen, da stank es nicht und man hatte die bessere Sicht.6

Theisten sind Leute, die an eine ausgedachte Figur oder an mehrere davon glauben. Die Angehörigen einer theistischen Religion halten den Gott oder die Götter für wahr. Diese angebliche Wahrheit muss nicht bewiesen werden, da an sie seit hunderten, tausenden von Jahren geglaubt wird. Manchmal wechseln auch die Gottheiten im Laufe der Geschichte, sie wechseln auch von Region zu Region, aber der Gottesglaube ist etwas Selbstverständliches. Hunderte von Millionen von Menschen sind anscheinend der Beweis, dass der Gottesglaube eine wahre Grundlage hat. (Gruppenleistung vom Typus des Bestimmens: Wahr ist, was eine Mehrheit als wahr ansieht, nicht das, was wahr ist).

Theisten glauben an ihren jeweiligen Gott und außerdem ein von Gott gegebenes Regelwerk, wie man zu leben hat, und was man auf keinen Fall tun darf. Ein von Gott gegebenes Regelwerk darf von Menschen nicht diskutiert und infrage gestellt werden! Darum sind Theisten in Konkurrenz zur sogenannten weltlichen Gesetzgebung. Fataler Weise haben Theisten verschiedener Glaubensgemeinschaften verschiedene von Gottt gegebene Regelwerke, was hier und da zu Mord und Totschlag führt.

Die Bezeichnung Theist wird gar nicht erst verwendet, weil es normal und gut zu sein scheint, an Gott zu glauben. Die meisten glauben an einen Gott, vielleicht nicht alle so richtig an den ihrer Religion, aber irgendwie schon.

Mein Schreibprogramm möchte übrigens die Begriffe Theist oder Theismus durch Atheist und Atheismus ersetzen. Na gut, das ist noch kein Anlass für eine Verschwörungstheorie.

Eins lässt sich mit Sicherheit sagen: es gibt es keinen Gott, keinen Gotteshimmel, keine Teufels-Hölle, außer in der Phantasie von Menschen. Es gibt schon gar keinen persönlichen Gott mit menschlicher Gestalt, der die Welt erschaffen hat und der in das Schicksal von Menschen in einer sinnvollen nachvollziehbaren Weise eingreift und am Ende der Zeiten Gericht hält.

Kirchen stürzen ein, arme Leute saufen ab, Bösewichter kommen davon, der Ostersegen des Papstes verregnet, die Friedenstaube fliegt nicht los, ein Kran fällt auf Mekka-Pilger. Auch Theisten, selbst religiöse Würdenträger aller Art, werden krank wie andere auch. Hände Waschen ist besser als Beten.

Der Theismus ist längst widerlegt und als Märchenstunde abgetan, aber die Kirchen, Moscheen, Tempel, Synagogen behaupten ihre Sichtweisen, denn sonst haben sie keine Geschäftsgrundlage mehr. Und: wer nicht glaubt und Beweise verlangt, wird mit einfältigen und durchsichtigen Bibelsprüchen abgespeist. (Stichworte: der ungläubige Thomas: nicht sehen und doch glauben, Vertreibung aus dem Paradies wegen Naschens vom Baum der Erkenntnis).

Die Theisten sind abergläubische Menschen, die sich weigern, zu denken, die sich nicht informieren oder sich die Dinge so hindrehen, dass der neue Wein in die alten Schläuche passt (das ist übrigens eine Redensart aus dem Neuen Testament!). Theismus hat außerdem viele soziale Vorteile, auf die Theisten nicht gern verzichten. Sexuelle Freiheit der Männer, Unterordnung der Frauen als Rundherum-Dienstboten, zum Teil sogar das Recht von Männern, Frauen und Kinder zu prügeln. Je orthodoxer, umso ausgeprägter. Je laxer der Theismus gehandhabt wird, umso mehr gleiche Rechte für Frau und Mann.

Die deutschen Lutheraner haben die Kurve diesbezüglich modern hinbekommen. Wo gibt es sonst weibliche Geistliche? Aber die alten Bekenntnisse und Rituale werden beibehalten. Hm, vielleicht ist das Klugheit? Eine Art „Des Kaisers neue Kleider“?

„Da rief plötzlich das ganze Volk: "Aber er hat ja gar nichts an!" Der Kaiser war zutiefst erschreckt, denn er spürte, dass es wohl die Wahrheit sein musste. "Nun", dachte sich der Kaiser, "es ist geschehen und ich muss jetzt Haltung und Würde bewahren." So trugen die Kammerherren auch weiterhin die unsichtbare Mantelschleppe, bis das Fest zu Ende war.“ Jeden Sonntag wieder. Immer die alten schönen Lieder.

Zusammenfassung:

Ich bin kein Atheist. Vielmehr bin ich kein Theist.

Ich gehöre nicht zur Gruppe der Atheisten. Vielmehr gehöre ich keiner Theisten-Gruppe an. Ich glaube nicht, dass es keinen Gott gibt. Natürlich gibt es Gott. In der Phantasie der Gläubigen und nur da.

© Uwe Wiest, Delmenhorst im August 2017



Das (Un-)Wissen der Propheten und Gottessöhne und das heutige Weltbild

Jesus war Gottes Sohn und damit Gott selbst. Aber er hatte keine Ahnung vom Makro- und vom Mikrokosmos. Für Mohammed gilt dasselbe. Wenn sie wirklich von Gott inspiriert oder gar selber von göttlicher Natur gewesen wären, hätten sie das Wissen haben müssen. Hatten sie aber nicht. Jesus als Gott hat ja sogar die Welt erschaffen und kannte sich offensichtlich nicht aus mit dem Himmel und der wahren Natur von Krankheiten.

Heute wissen wir, dass der Himmel nicht eine Schale über der Erde ist, und dass darüber kein Gott mit seinem Hofstaat tront. Unsere Medizin vermag Krankheiten zu heilen, von deren Verursachung unsere Religionsgründer nichts wussten. Ihre von Späteren kolportierten Wunderheilungen sind ja nichts gegen den Sieg über die Pest und andere Ansteckungskrankheiten, die heutigen Augen-, Herz- und Gelenk-Operationen, um Beispiele zu nennen.

Die Verbesserung der wissenschaftlichen Instrumente gingen einher mit Erkenntnissen über den Mikro- und den Makrokosmos. Der Mensch ist nicht von bösen und guten Geistern bewohnt, sondern von Bakterien und Viren. Das Weltall ist voller Sterne, Planeten, Milchstraßen, merkwürdigen kaum verständlichen Phänomenen wir schwarze Löcher. Wir können im Mikro- und Makrobereich unglaublich feine Messungen vornehmen, die Atmosphären ferner Planeten untersuchen. Wir können Werkzeuge herstellen, die unglaublich präzise sind. Wir können rund um den Erdball mit anderen Menschen kommunizieren, in Wort und Bild. Wie blass sind dagegen die Wunder der alten Schriften, die zudem kaum glaubwürdig sind. Was ist schon eine Propheten-Himmelfahrt, die nirgends klar beschrieben wird, weder der Start noch der genaue Ort der Ankunft, gegen einen Satelliten, der auf einem Kometen landet oder die Pluto-Atmosphäre untersucht?

Nur zur Klarstellung: es geht hier nicht um die Überlegenheit der modernen Wissenschaft über die Religion. Es geht darum, dass orthodoxe Religionsanhänger immer wieder versuchen, ein überholtes Weltbild zu konservieren und mit aus heutiger Sicht unsinnigen Sichtweisen andere Menschen zu terrorisieren und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse zu behindern. Herr Erdogan hat angekündigt, die Evolutionslehre in die Oberstufe zu verlegen.

Wovon ist die Rede? Nicht vom Wunder eines Mannes, der nach schwerer Folter und Hinrichtung drei Tage später quicklebendig dem Grab entsteigt, sondern von heutigen Wunder-Entdeckungen:  Eis, Wasser, Methanseen auf Monden, von quirlingem Leben weit unterhalb unserer Wahrnehmungsgrenze, von Knochenfunden uralter Menschenformen, die lieben Saurier nicht zu vergessen.

Wir bauchen auch niemanden mehr, der psychisch Kranke heilt, indem er böse Geister in die Schweine umleitet (Lukas 8, 26-39), wir haben heute ausgefeilte psychotherapeutische Methoden.


Wahrheit und Gleichnis

Im Neuen Testament wird uns ein Jesus Christus geschildert, der seine Botschaften in Gleichnisse kleidet.

Jesus Christus ist, so glaube ich, selber ein Gleichnis. Von einem Menschen, der geboren wird, voller Hoffnung, der von Anfang an bedroht ist (Kindstötung des Herodes), der eine Zeit hat, wo nicht viel geschieht, wie eine Raupe, deren Bestimmung es ist, sich zu entpuppen.

Der dann reif wird und in eine glückliche Phase eintritt, in der ihm alles, einfach alles gelingt, dem die Menschen begeistert nachfolgen. Er hält sich für den Größten, die Massen halten ihn für den Größten. Er wird geliebt und angehimmelt, und er liebt wieder.

Er wird so übermütig, dass er der Staatsgewalt und dem Militär entgegentritt, weil er mittlerweile der Überzeugung ist, dass ihm niemand gewachsen ist, und dass er deswegen auf Waffen und körperlichen Widerstand verzichten kann.

Dann fällt er tief, ihm widerfährt in kurzer Zeit so viel Schlechtes wie einem Menschen nur widerfahren kann. Sozusagen: die Hölle tut sich für ihn auf.

Dann ist es so, dass er dies überraschend übersteht und nun erst recht zum Hoffnungsträger wird. Für viele, viele Menschen, viel mehr als zu den Zeiten seiner ersten Karriere. Außerdem über einen viel längeren Zeitraum.

Jesus Christus ist das Gleichnis für das menschliche Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Du wirst voller Hoffnung geboren, du bist immer gefährdet. Du wächst, körperlich und geistig. Wachstum stagniert manchmal, um dann ein rasantes Tempo vorzulegen.

Auf dem Höhepunkt stürzt du ab, es kommt die Krise. Aber du darfst auch in der schlimmsten Krise hoffen, wieder aufzustehen. Selbst im Sterben fühlst du dich dem Himmel nah.

Wenn du das verstanden hast, möchtest du das allen Leuten erzählen. Du bist begeistert und voll von dieser Erkenntnis. Das ist dann Pfingsten. Wie heute.

So gesehen ist es auch egal, wer dieser Jesus von Nazareth war. Nicht in dieser realen Person, sondern in dieser Person als Gleichnis für das menschliche Leben liegt der Sinn.

Das haben viele Menschen erkannt und feiern die alten Rituale Weihnachten, Passion, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, verehren ihre Maria und tragen sie umher, feiern Erntedank. Sie besinnen und konzentrieren sich bei Riten der Geburt, des Erwachsen-Werdens, der Eheschließung, der Entlastung von trüben Gedanken und Selbstvorwürfen, und schließlich des Sterbens.

Alle Religionen haben solche Rituale, und sie rühren die Menschen an, weil sie spüren, dass sie die Aufmerksamkeit auf Lebensabschnitte richten, die bedeutsam sind.

Auch die religiöse Musik rührt tief, ohne dass verbale Aussagen auf die Goldwaage gelegt werden müssen. Religiöse Texte, Dichtungen wie zum Beispiel manche Psalmen sprechen den Menschen tief an.

Religion ist so verstanden wie ein Kompass auf der Suche nach dem rechten Weg durch das menschliche Leben.

Religion in diesem Sinne braucht keine Dogmen, keine Konkurrenz zur Naturwissenschaft, und vor allem keine aggressive Mission. 09.06.14

Wer oder was ist Gott (nicht)? 8 Thesen

Gibt es eine allmächtige, allwissende Gottheit im Sinne einer Person, die Ausgangspunkt des Universums ist? Wie muss diese Gottheit beschaffen sein – und welche Vorstellungen sind damit unvereinbar?

Kein Gott greift ordnend in das menschliche Geschehen ein -

nein, überhaupt nicht, das ist jederzeit erfahrbar, und schon gar nicht zugunsten der Guten, im Sinne sozialen Verhaltens. Dafür gibt es für jeden Menschen sichtbare Erfahrungswerte.

Daher gibt es auch keinen linearen Zusammenhang zwischen Fürbitte und Ergebnis.

Beispiel: Die Pest wurde nicht durch Gebete, sondern durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse besiegt. Religiöse Menschen erleben aber, dass ihre Gebete erhört werden, irgendwann, irgendwie.

Gott kann keinen Sohn haben. Und keine Mutter. Und kein Geschlecht.

Wenn Gott allmächtig, allwissend und ewig ist, wie soll er dann einen Sohn haben, der auch Gott ist und schon immer da war? Das widerspricht jeder sinnvollen Definition des Begriffes Sohn. Ein Sohn ist von einem Vater und einer Mutter gezeugt und geboren, vor allem aber hat das Leben des Sohnes einen Anfang.

Wenn aber Gottvater, oder der Heilige Geist, mit einer Menschenfrau einen Sohn gezeugt hat, dann kann der nicht Gott sein. Und die Mutter kann nicht die Mutter Gottes sein. Wenn Gott eine Mutter hätte, wäre er nicht ewig, sondern durch eine Frau geboren. Die müsste dann vor Gott da gewesen sein. Die eigentliche Göttin. Wenn Jesus „wahr Mensch und wahrer Gott“ ist, dann ist Maria die Mutter des Menschen und nichts anderes.

Gott kann kein Geschlecht haben, denn Gott hat keine Frau und zeugt auch keine Kinder. Gott kann daher weder Mann noch Vater noch Sohn sein.

So einen kruden Unsinn können nur die Vertreter jahrhundertealter Institutionen verkünden. Durch langsame Gewöhnung wird dieser groteske Blödsinn zu einer Tatsache.

Wenn Gott allmächtig und allweise ist, kann er auch perfekt vorhersehen und wird nicht überrascht und wütend sein, wenn die Menschen ihm nicht gehorchen. Die Geschichten in der Genesis zeigen, dass Gott eben nicht allwissend ist – oder soll man sich Gott als böswilligen Komödianten vorstellen, der den Menschen absichtlich in die Falle tapsen lässt?

Was macht das für einen Sinn, wenn ein Gott einen Menschen schafft, der frei entscheiden kann, aber wenn er sich nicht gegen Gottes Anordnungen entscheidet, wird er aus dem Paradies verwiesen, ersäuft, verbrannt, je nachdem. Sofort oder am Ende der Zeiten? In alle Ewigkeit gequält?7

Die Sterblichkeit und das Leid kann nicht durch Sünde (Ungehorsam gegen Gott) entstanden sein.

Wenn der Mensch sterben muss, und seinen Lebensunterhalt im Schweiße seines Angesichts verdienen muss, weil er nicht gehorcht hat („Sündenfall“), wieso müssen dann alle Wesen um Nahrung für sich und ihre Nachkommen kämpfen, sterben und sich gegenseitig auffressen? Vom Einzeller bis zum Säugetier? Das ist doch offensichtlich von vornherein so eingerichtet.

Das ganze Sünden- und Gnadensystem der christlichen Kirchen ist daher absurd. Der Opfertod des Mensch-Gottes oder Gott-Menschen für die Sünden der Menschen ebenfalls.

Es kann keinen Gegengott namens Teufel oder Satan geben.

Wenn Gott allwissend und allweise und die Ursache allen Seins ist, wieso schafft er sich dann einen Widersacher? Zu seiner Unterhaltung? Wieso macht der Böse das mit, wenn er keine Chance hat? Zu blöd, oder eine Marionette Gottes? Wieso muss dieser ganze Kampf geschehen, und wieso wird danach die neue, bessere Erde kommen? Das hätte er doch gleich machen können. Wenn er aber allmächtig ist und das mit Absicht so konstruiert hat, dann ist Gott selber ein böser Zyniker. Ein Nero, der zu seiner Unterhaltung die Puppen tanzen lässt. Dann haben wir Lebewesen einfach sehr, sehr schlechte Karten.

Eine andere Lesart wäre: der Teufel ist ebenfalls ein Gott, und zwar ein gleichwertiger. Dann haben wir zwei Götter, die sich auf unsere Kosten bekriegen. Bei dieser Lesart macht auch das erste Gebot Sinn. Die Menschen müssen sich entscheiden. Polarisierung ist angezeigt. Die Offenbarung Johannes wäre dann als Endsieg-Propaganda-Schrift zu sehen, und der Ausgang der Endschlacht ist offen! Das passt natürlich auch nicht zu der Idee eines ewigen Allmächtigen.

Es gibt noch eine andere Lesart, die sich mit der Bibel begründen lässt: Satan ist nicht der Böse, sondern der Prüfer. Ein Mitarbeiter Gottes mit einer durchaus ehrenvollen Aufgabe, sozusagen auf Augenhöhe mit dem Chef.

Gott, wenn es ihn denn gibt, braucht kein Lob von sterblichen Lebewesen,

für sich und für seine Schöpfung, und der Mensch kann ihn auch nicht beleidigen.

Der universale ewige Gott muss nicht gelobt werden, anerkannt werden, der regt sich nicht auf, wenn einer einen anderen Gott anbetet. Das passt nicht zusammen. Das passt zu einem kleinkarierten Fürsten mit beschränkter Macht, aber nicht zu einem universalen Gott. Der braucht keine hündische Unterwürfigkeit.

Ein universaler Gott schließt keine Bündnisse mit Menschen gegen andere Menschen.

Der jüdische Gott schließt einen Bund speziell mit diesem Volk, damit es sich gegenüber anderen behaupten kann. Die europäischen Nationen haben sich vor dem ersten Weltkrieg alle auf Gott berufen. Aber warum sollte der einzige allmächtige Gott Partei ergreifen?

Gott teilt sich keinem Menschen Wort für Wort mit -

und schon gar nicht einzelnen Menschen und dann hunderte von Jahren nie wieder. Monotheistische Religionen sind Religionen von Bücher-Anbetern, Bücher-Götzen-Dienern.

Verlautbarungen von Propheten, Aposteln und Gottessöhnen als eins-zu-eins Ergebnisse eines Dialoges mit Gott? Nein. Gott sagt den Menschen beispielsweise nicht, dass das Weib untertan sein soll, ein Kopftuch tragen soll, zu schweigen hat, wenn der Kerl redet. Er sagt auch nicht, dass man Säuglinge rituell mit Wasser beträufeln oder ihnen die Vorhaut abschneiden soll. Oder dass jemand keinen Sex haben darf oder erst zu einem bestimmten Zeitpunkt, oder dies und das nicht essen soll.

Ein bekennender bibelfester Christ kann die Bibel hundertmal durchlesen. Weil er die Bibel zum Götzen macht, ist er nicht in der Lage, mit klarem Verstand zu lesen. Egal, was da steht, alles prima, weil Wort für Wort aus Gottes Mund. Er sieht nicht den abgrundtiefen sadistischen Hass in der Offenbarung Johannes gegen alle, die den sogenannten christlichen Weg nicht gehen wollen. Er sieht nicht die unnatürliche verklemmte Einstellung des Paulus von Tarsos gegen die Sexualität, gegen die Frauen. Er sieht nicht die Jesus in den Mund gelegten Äußerungen, Unfrieden in die Welt zu bringen8, der christliche Buchgötzendiener.

Oder vielleicht doch? Finden manche bibelfeste Christen das richtig? Danke schön. Teufel auch.

Nichts anderes ist es mit dem Glauben an die Unfehlbarkeit der Offenbarung im Koran, der Bibelkonkurrenz. Götzendienst. Wortgläubigkeit zur Abtötung des Verstandes und des Gefühls.

Die sogenannten monotheistischen Hochreligionen sind kein Fortschritt gegenüber früheren Religionen.

Die Gläubigen beten nicht zu einem und demselben Gott, sondern zu ihrem speziellen Gott und ihren speziellen Propheten. (Pastor Latzel, Bremer Martinikirche, bringt es auf den Punkt). Man kann nicht die eigene Religion für absolut und wahr halten und andere Religionen tolerieren. Das widerspricht dem ersten biblischen Gebot. Es ist ja auch unlogisch. Wenn eine Gemeinschaft vom universalen Gott eingerichtet wurde, kann eine andere Glaubens-Gemeinschaft das natürlich nicht für sich in Anspruch nehmen. Sie kann nur eine Irrlehre sein. Sogar verschiedene Richtungen innerhalb einer Religion können nicht toleriert werden.

Ihr Alleinvertretungsanspruch ist Ursache für viele Verbrechen in der Geschichte. So lange Religion mehr ist als der innere Dialog einzelner mit Gott, ein Machtmittel, ein Zwangssystem, bleiben Religionen gefährlich. Wer nicht bereit ist, absurde Dinge zu glauben, wird bedrängt und angegriffen, getötet, ausgerottet. Es sei denn, die säkulare Staatsmacht weist die Religionsgemeinschaften in die Schranken. Das Christentum ist anders? Noch mal: lest die Offenbarung des Johannes, die Hasstiraden und Straf-Fantasien gegen Nicht-Gläubige.

Das schließt nicht aus, dass in allen Religionsgemeinschaften viele friedfertige menschenfreundliche Personen zu finden sind. Für die Mehrheit der Menschen ist ihre Religion ein Wegbegleiter für verschiedene Stadien des Lebens, der man ansonsten nicht allzu viel Raum lässt. Man betet die alten Gebete, man spricht das Glaubensbekenntnis, aber man nimmt das nicht für bare Münze. Man huldigt dem Papst und benutzt Verhütungs­mittel. Man bekennt sich zum Islam und trinkt seinen Raki. Man nimmt das aus den Heiligen Schriften in Anspruch, was einem sinnvoll erscheint, das andere lässt man mal weg.

Religiöse Eiferer und Rechtgläubige hassen das am meisten: wenn jeder sich seinen Gott und seinen Glauben macht. Oder gar nicht an Gott glaubt. Oder an Irgendwas. Das raubt ihnen die ganz konkrete irdische Macht.

Was bleibt?

Glauben ist nicht Wissen. Glauben ist subjektive Erfahrung und Tradition. Der moderne Mensch kann von den Religionsvertretern erwarten, dass sie sich ausdrücklich zu der Möglichkeit ihres Irrtums bekennen und von jeder Verfolgung Anders- oder Ungläubiger ablassen, in Wort und Tat.

Menschen können sich an einen Gott wenden: im Gebet. Das kann Trost und Stärke geben, wenn man in Not ist. Manche Menschen empfinden Dankbarkeit Gott gegenüber, wenn es ihnen gut geht.

Bescheiden sein, anderen helfen, mit anderen solidarisch sein, sich bemühen, „gut“ zu sein, nicht nur an den eigenen Vorteil zu denken und danach zu handeln, das gelingt - vielleicht - besser, wenn man sich eins mit einem Gott weiß. Es spricht auch nichts dagegen, sein eigenes Verhalten kritisch zu sehen und sich vorzunehmen, es das nächste Mal besser zu machen, auch weil man hofft, dass dies Gott gefällt. Das ist sicherlich besser als dieses verquaste Konzept von der Erbsünde.

Die Menschheit muss schon selber dafür sorgen, dass es der Menschheit gut geht. Dann bricht eine göttliche Zeit an.

© Uwe Wiest, Delmenhorst, Oktober 1012, August 2013.

Zeitgeist

Die Ökumene und die toleranten evangelischen Kirchvertreter halten sich bedeckt

es geht nicht um die vielen engagierten Menschen, die im karitativen und kulturellen Bereich Unentbehrliches leisten.

Es geht um die Frage, was ist an der christlichen, speziell evangelischen Religion denn noch Religion?

Welche Bibelstellen sind verbindlich, sagen wir mal, vom Heiligen Geist, und welche sind Meinungen oder Zeugnisse von überholten Weltbildern, mit denen Christen nichts mehr zu tun haben wollen?

Wenn die heutigen Kirchenvertreter nicht mehr an ihre essentielle Botschaft glauben (siehe mein Abschnitt "Pastor Latzels ..."), wenn sie glauben, dass es in der Tat beliebig ist, an welcher religiösen Veranstaltung man teilnimmt, und welcher Gottesvorstellung man anhängt, dann sollen sie das sagen! 

Es ist die Aufgabe der Kirchenvertreter, die Heilige Schrift auseinander zu pflücken und zu sagen, das glauben wir, das nicht. Wenn das alles heilig ist, kann jeder Scharfmacher das Mittelalter wieder aufrufen.

Es stimmt ja auch nicht, dass man nur das Alte Testament abschaffen muss, und dass sich das Neue Testament grundlegend vom Alten unterscheidet. Ein Gott der Liebe, der am Ende der Tage die große Rachefeier und das gewaltige Aussieben in Himmels- und Höllenbewohner vornimmt?

Eine wichtige Frage ist, ob man die Schilderungen des Neuen Testaments und die darin entwickelten Vorstellungen von Gott, dem Menschen, für bare Münze nimmt, und nicht nur die Gleichnisse des Jesus Christus, sondern auch ihn selbst als Gleichnis nimmt. Tod und Auferstehung als Gleichnis mit Symbolcharakter für den Weg menschlichen Daseins? Auferstehung im persönlichen Sinn oder im übertragenen Sinn? Alles ein Kommen und Gehen?

Was will die Kirche? Jeder glaubt, was er will, alle Vorstellungen sind gleichberechtigt, denn wir können uns ja alle in unserem Glauben irren? Das muss man dann sagen. Das könnte sehr nützlich sein, egal wie das ausgeht.

Kirchenmänner und -frauen, fangt endlich an mit der nach vorn gerichteten positiven Auseinandersetzung. 10.2.2015

Die Faszination des Christus

Faszinierend. Alle machen ihr Ding. Aber da muss doch jemand sein, der sich für andere opfert? Der selbstlos ist. Der sein Kreuz auf sich nimmt. Freiwillig für alle andern. Ja, das wäre schön.
Dann brauche ich das ja nicht zu sein. Das ist auch der Grund, warum Jesus von Nazareth zu Christus und zu Gott geworden ist. Und seit Jahrtausenden so beliebt ist.

So etwas kommt höchstens alle 2000 Jahre mal vor.

Ich bin sowieso Sünder. Wenn ich glaube, kann ich weitermachen, einer hat sich geopfert, ich bin's nicht. Hat schon Petrus gesagt. Wir haben alle ein schlechtes Gewissen. Daher kommt das Konzept SÜNDE.
Jeder hat schon mal eine andere Person schlecht behandelt. Wir sind alle Gauner. Jesus ist rein. Rein geboren, rein geblieben, das Gute in Inkarnation. Von uns bösen Alltagsmenschen schnöde umgebracht. Oh, Jesus.

Viele Helden waren gute Kämpfer. Jesus hat auf den Kampf verzichtet und sich hinrichten lassen. Mohammed: Was für ein theologischer Rückfall! Der hat doch nur gemacht, was alle an seiner Stelle gemacht haben.
Erfolgreicher Feldherr, und immer interessiert an hübschen Mädels, her mit ihnen und keinen anderen 'ran lassen. Zuhängen die Damen. Eben: ein Kerl wie wir. Oder wie diese Männer, die in der Fußgängerzone und im Bahnhof in ihre Smartphones schreien, oder mit brüllenden Auto-Motoren an Cafès vorbeirasen, Lautsprecher bis zum Anschlag aufgedreht.

Interessant ist nur, dass die Mädels auch die einzigen waren, die zu dem Gekreuzigten und dem Auferstandenen gehalten haben. Was sagt uns das? Jesus war kein Weichei. Sein Gewaltverzicht war ein ganz starkes Ding. Er hätte anders gekonnt. Aber er gehorchte seinem Gottvater. Das fanden die Mädels imponierend. Der war aber auch zu süß. Mit seiner Fußwaschung, der Sünderin, und der Maria, die zu seinen Füßen saß.
Und das Beste: er hat seiner reinen Mutter zu einem Göttinnen-Status verholfen.

Ich finde, die Christen haben einfach die besseren Bilder. Jesus liegt nach Punkten vor Mohammed. Ganz klar.

So sind die Frauen. Sie sehen dem Treiben der männlichen Helden zu, sie bewundern die Typen, und sie sind zur Stelle, wenn es nicht läuft. Ja, und natürlich setzen sie die Helden überhaupt in die Welt!

Vor allem aber: sie lagen Jesus freiwillig zu Füßen, und er mochte die selbständigen Damen. Nicht nur Maria, die Intellektuelle, auch Martha, die ihn bekochte.

Grundsätzlich: Bei den Erzählungen der Religionen, das wissen wir ja spätestens seit der Forschung über Zeugenaussagen, handelt es sich um alles andere als Tatsachenberichte. Sondern:

Es sind Idealfiguren, Beispiele, Gleichnisse, die dazu da sind, dass die Gläubigen sie verehren. Darauf beruht die Heiligen-Verehrung der katholischen Kirche. Das gilt besonders für die zentrale Figur des Christentums: Jesus Christus.
Er vereint alle guten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann. 30.1.2015

Die kirchliche Quadratur des Kreises

Seit Konstantin sind die Kirchen Staatsreligionen und haben, so lange sie politischen Einfluss hatten, wenn überhaupt, dann eine üble Rolle gespielt. Sie haben den wissenschaftlichen Fortschritt bekämpft, weil der ihr Weltgebäude bedroht und ja auch schließlich zum Einsturz gebracht hat. Egal, einmal bestehende ehrwürdige Institutionen lösen sich nicht einfach auf, auch wenn sie sinnentleert sind. Der demokratische Rechtsstaat hat die Führung übernommen. Wie geht man damit um? Man definiert sich als Traditionsverein. Man benutzt die alten Riten weiter. Alles nickt freundlich, diskutiert das nicht, singt und betet mit, hört sich die alten Konzepte in den Predigten an. Man entdeckt die Liebe und das Mitleid neu und tut Dienst an den Armen und Leidenden.
Wunderbar.

Intoleranz, das Wesen des Monotheismus, wird verleugnet. Das ist ja eigentlich etwas Gutes. Man räumt ein, dass man seinen Glauben hat, er könnte irgendwie richtig sein, und man gesteht das auch dem Islam und den anderen Religionen zu. Jeder nach seiner Tradition. Auf diese Weise kann man sich durchaus gläubig fühlen. Lehrreiche Geschichten und Gleichnisse aus der Bibel, Trost spendende Sprüche und Weisheiten, die Begleitung aller wichtigen Lebensereignisse durch kirchliche Rituale. Andacht in der Kirche, Besinnung, Meditation, Entspannung, wunderbare Kirchenmusik,
Religion ist etwas für das Lebensgefühl.

In katholischen Ländern werden Marias zu Festtagen durch die Gegend getragen, die Passion nachgespielt. Kreuzigung, Tod und Auferstehung, als Sinnbild, ja damit kann man leben ohne sich mit anderen Religionen in die Haare zu kriegen. Das ist schön, stiftet Gemeinschaft. Unsere evangelische Kirche ist entspannt, auf Kosten ihrer eigentlichen Botschaft. Und wenn ihr die von orthodoxen Kirchenvertretern vor die Nase gehalten wird, werden die modernen Kirchenleute ganz, ganz sauer, rufen nach dem Staatsanwalt wegen angeblicher Volksverhetzung. Das zeigt, dass sie ihre eigentliche Rolle immer noch nicht offen definieren und zugeben, dass sie heute etwas ganz anderes vertreten als Martin Luther. Schade eigentlich.

Pastor Latzel aus Bremen leistet ihnen da gute Dienste. 30.1.2015

Der Webfehler der Religionen

Gott verherrlichen, Menschen hassen und verachten. 24. Januar 2015

Ist das nicht ungerecht? hat Jesus nicht die Liebe des Nächsten gelehrt? Ich sage nur: Hexen, Ketzer, Kreuzzüge, Indios, dreißigjähriger Krieg, Negersklaven.
Gott mit uns gegen den Erbfeind jenseits des Rheins. Christlich abgesegnet.

Beleidigung des Propheten und seines Buchs

Jüngst las ich, dass durch sogenannte Mohammed-Karikaturen Millionen Moslems beleidigt werden. So ein sogenannter islamischer Gelehrter.

Hat er die Moslems alle befragt, ob sie sich wirklich beleidigt fühlen?

Da liegt ein Missverständnis vor. Man wird nämlich Moslem, indem man in die Religionsgemeinschaft hineingeboren wird. (Christenkinder werden getauft, wenn sie sich dazu noch nicht äußern können, weil sie die Sprache und das Verstehen noch nicht gelernt haben). In den wenigsten Fällen handelt es sich um eine individuelle Entscheidung. Mit anderen Worten, der Mensch hat nicht die Wahl.
Darum sind monotheistische Religionen auch im Kern undemokratisch.
Wer aus dem Islam austreten will, begeht Apostasie. Das ist im Islam ein todeswürdiges Verbrechen. 

Also beleidigt man nicht die Moslems, sondern ihren religiösen Käfig.

Die meisten Menschen auf dieser Erde definieren sich aber gar nicht durch die Religionsgemeinschaft, in die sie hineingeraten. Andere Dinge sind ihnen viel wichtiger. Ihr Beruf, ihre Partner und  Familien, ihre Zugehörigkeit zu Vereinen, ihre Interessen und Fähigkeiten, ihre Freunde, ihr Besitz, ihre Heimat, ihre Folklore. Für die meisten Menschen sind die Religionen Begleiter im Leben. Über die Religion werden Festtage definiert, Sitten und Gebräuche, die Rituale bei Geburt, Erwachsen-Werden, Heiraten, Sterben. Nicht mehr und nicht weniger. So weit so gut. In Deutschland haben sich die christlichen Kirchen mit dieser Rolle weitgehend arrangiert.

Die meisten Moslems und Christen lesen auch keine französischen Satire-Magazine, das heißt, sie würden von Karikaturen gar nichts wissen, wenn die Presse und ihre Geistlichen sie nicht damit bekannt machen würden. Falsch, die Geistlichen machen sie nicht damit bekannt, im Gegenteil. Sie halten Information zurück und hetzen.

Eben, die Schreihälse auf den Straßen kennen solche Karikaturen gar nicht. Sonst würden sie wissen, dass sie sich fast immer nicht gegen den Propheten, sondern gegen seine Gefolgschaft richten. Aber in den islamischen Ländern ist der Vertrieb von Druckerzeugnissen, die Mohammed-Karikaturen zeigen, verboten. Nicht aber das Randalieren gegen solche Karikaturen.

Das Geschrei über die Beleidigung des Propheten ist auch noch aus anderem Blickwinkel interessant: Beleidigung von Frauen, Anders-Gläubigen, Nicht-Gläubigen, das bedeutet für die radikalen Schreihälse nichts, der Aufschrei gegen die Verspottung einer Person, die seit Jahrhunderten nicht mehr lebt, und über die mehr Märchen als Tatsachen bekannt sind, oder die Beleidigung eines Buchs, alles. 

Das ist bei fundamentalistischen Christen aber nicht anders. Daher gilt es in Europa nicht, das christliche Abendland zu verteidigen, sondern den säkularen aufgeklärten demokratischen Rechtsstaat. Da kann es nicht sein, dass das Kritisieren Jahrtausende alter abergläubischer Massenstrukturen eine Straftat ist. 24. Januar 2015

Religiöse Legasthenie:

Es ist ja bekannt, dass religiöse Fanatiker überwiegend ein niedriges Bildungsniveau haben. Sie kennen ja nicht einmal die eigene Religion richtig.

Forscher haben nun herausgefunden, dass es eine spezielle Art von religiöser Legasthenie gibt.
Eine fatale Spiegelungsschwäche des Buchstabens W und die Verwechslung des stimmlosen Konsonanten t mit mit dem stimmhaften Konsonanten d.
Sie verwechseln Gottes Wort mit Gottes Mord. 13. Januar 2015

Pastor Latzels angebliche Hasspredigt in der Martinikirche Bremen

Ja, wieder ein Beispiel für manche Presse-Leute, die den Bürger nicht über den Inhalt jener Predigt informieren, sondern sie ausschließlich diffamiert, und diesen Kirchenmann sofort als Hassprediger einordnen.

Diese Predigt wird die evangelische Kirche in einen von ihr unerwünschten Dialog der Beendigung von Verschleierung und Lügen zwingen. Denn die evangelische Kirche ist keine Glaubensgemeinschaft mehr, sondern eine Traditionsgemeinschaft. In den Gottesdiensten werden Dinge wie das Glaubensbekenntnis  geplappert, ohne dass jemand das glaubt. "Niedergefahren zur Hölle. Am dritten Tag wieder auferstanden." Und so weiter.
Das wird nicht offen bekannt, aber das spüren die Menschen, und deshalb verlassen so viele die Kirche.

Pastor Latzel ist ein Kirchenmann, der den Glauben an die fundamentalen christlichen Dogmen einfordert.

Die seien hier kurz zusammengefasst:

Der Mensch war gegen Gott ungehorsam und wurde aus dem Paradies vertrieben. Ungehorsam gegen Gott ist Sünde, die sich auf alle Menschen vererbt.
Jeder Säugling ist daher schon ein Sünder. Krankheit und Leid werden nicht durch natürliche Dinge verursacht, sondern durch den Ungehorsam der ersten und aller weiteren Menschen.
Jesus ist auf die Welt gekommen und ist den Opfertod gestorben, um Gott zu versöhnen, damit die, die an ihn glauben, beim jüngsten Gericht schließlich gereinigt ins Paradies eingehen.
Jesus ist selber Teil oder Anteil des dreieinigen christlichen Gottes. Gott hat sich also quasi für die Menschen selber geopfert.
Es gibt nur diesen dreieinigen Gott. Andere Götter sind Götzen. Im ersten Gebot wird ausdrücklich gefordert, diesen jüdisch-christlichen Gott anzuerkennen und ihm zu dienen – und keinem anderen.
Andere Götter neben ihm zu haben ist die schwerste Sünde überhaupt. Konsequenterweise ist nach der christlichen Lehre jede andere Religion Götzendienst und damit verwerflich - bestenfalls Verblendung jener Anhänger, schlimmstenfalls ein todeswürdiges Verbrechen. 

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." Ev.Joh. 14 Vers 6.
Das Alte und das Neue Testament belegen den Absolutheitsanspruch des monotheistischen, in diesem Fall des christlichen Glaubens. Da ist kein Platz für Toleranz gegenüber dem Islam.

Der Islam macht es genauso, der ist mit sich im Reinen. Monotheistische Religionen sind in ihrem Kern intolerant und aggressiv gegenüber anderen Glaubensbekenntnissen oder gar gegenüber den »Gottlosen«.

Die christliche Religion hält daran fest: ist gibt einen Himmel mit einem persönlichen Gott, der dem Menschen ähnlich ist (der Mensch, nach seinem Bilde gemacht). Gott hat persönlich die Welt erschaffen, in sieben Tagen. Jesus war klinisch tot und ist nach drei Tagen wieder lebendig geworden. Er konnte Tote auferwecken und Wasser zu Wein machen. Er ist gen Himmel gefahren. Nun sitzt er mit Gott Vater zusammen auf einem Thron, zur Rechten Gottes, irgendwo über uns. Der Heilige Geist ist auch dabei.

Jesus kommt zurück und richtet die Lebendigen und die Toten. Letztere werden irgendwie wieder reanimiert, auch wenn von ihnen erst einmal nichts Substanzielles mehr da ist.

Also eine ganze Kiste voll abergläubischer und aus heutiger Sicht absurder Vorstellungen. Pastor Latzel nimmt das dicke alte Buch, das da vorn in jeder Kirche liegt, ernst.
Das ist sein Job. Auch die Offenbarung des Johannes, das letzte Bibelbuch, eine sadistische Phantasie gegen die, die Jesus nicht akzeptieren als Gottes Sohn und Richter, und das große Zuckerbrot-Versprechen für die sogenannten Heiligen.

Für einen bibelfesten bekennenden Christen ist natürlich das Zuckerfest Blödsinn, Buddha ein dicker Götzenmann, Mohammed ein lästerlicher Verführer. Ganz klar: das ist keine individuelle Aufforderung zum Hass, sondern waschechtes traditionelles Christentum!

Wenn seine Predigt ein Fall für die Staatsanwaltschaft ist, dann sollte die Staatsanwaltschaft die Bibel und den Koran überprüfen und als verfassungsfeindlich verbieten! 30.1.2015

So, liebe Leser, wenn Sie die zwei Jahre Konfirmandenunterricht nicht aufgepasst oder ihren geistlichen Würdenträger nicht verstanden haben, das war das Christentum in Kurzform.

Der einzige alle Zeiten und Kulturen überdauernde Glaube

ist der an Macht und Besitz. Das goldene Kalb.

Religion ist nur eins der Instrumente, um andere zu beherrschen und auf Kosten der Allgemeinheit Reichtum anzuhäufen. Religion als besondere Legitimation der Gier.
Übrigens: Gier nach Besitz und Macht geht auch ohne Religion.
Unerschütterlich glauben die Menschen, dass Macht und Besitz besonders glücklich machen. Sie hinterfragen das nicht, obwohl es nicht stimmt.
Auch das ist Aberglaube. Gefährlicher unmenschlicher Aberglaube. 13. Januar 2015

Wie entstehen Religionen:

Man verzapfe irgendein zeitgenössisches abergläubisches Weltgebäude, reichere dieses über Jahrhunderte mit immer neuem abergläubischen Inhalten an und zwinge die Menschen mit Waffengewalt, diese zu übernehmen und schließlich zu internalisieren.

Da die Weltsicht der Religionen sich nicht beweisen lässt und Gott sich nicht zeigt, baut man in jede Stadt, jedes Dorf, monumentale Parallelwelten.
In diesen ist Gott, sind die Propheten, die himmlischen Geschöpfe und die Geschichten, die die Religion ausmachen, zu besichtigen. Damit wird das Weltgebäude einer Religion in menschlichen Gebäuden sichtbar. Sogar berührbar. Und hörbar. Wunderbare gefühlvolle geistliche Musik!
Man nennt die Gebäude Kirchen. Oder Tempel. Oder Moscheen. Gotteshäuser.
Jaja, in Moscheen gibt es keine Bilder. Aber sie stellen das Paradies, den Raum Gottes dar. Sie sollen den Gläubigen zeigen, dass Gott in ihnen wohnt, und dass man ihn dort anbetet. Vornehmlich da. In der Gemeinschaft anderer Rechtgläubiger. Männer natürlich.
Gotteshäuser. Die natürlich durch Fluten, Erdbeben, Brände und Krieg genauso vernichtet werden wie andere Gebäude. Gott schützt die ihm geweihten Gebäude offenkundig nicht.
Was Gläubige in ihrem Glauben nicht stört.

Religionskriege entstehen dadurch, dass jede Kultur und jede Herrschaft ihre ausgedachte metaphysische Traumwelt für alle verbindlich haben möchte.
Das gilt auch für pseudowissenschaftliche Ideologien, was man daran erkennt, wie aggressiv sie auf die herkömmlichen Religionen reagieren.
Deshalb werden in sogenannten Religionskriegen auch die Gotteshäuser anderer Religionen oder Religions-Varianten gern vernichtet oder umgeweiht.
Napoleon machte aus den Kirchen Pferdeställe oder Munitionslager.
13. Januar 2015, 24. Januar 2015

Sehen und Glauben 2.0

© Dr. Uwe Wiest, Dezember 2014

Religion gehört zum Menschen wie Sprache und Werkzeug.

Verschiedene Gesellschaften in verschiedenen Entwicklungsstadien bilden ganz unterschiedliche Religionen aus. Das scheint ein Grundbedürfnis von Menschen zu sein.

Mit Religion werden ganz unterschiedliche Bedürfnisse befriedigt:

Angstreduktion durch Erklärung von Vorgängen:

Sinnlose und unberechenbare Ereignisse und Vorgänge machen Angst. Religion macht sie verstehbar und ordnet sie in ein größeres Geschehen ein.

Kommunikation statt einsames Ausgeliefert-Sein.

Das Gespräch mit Göttern oder einem Gott, das Gebet, das Bitten um etwas, das um Gnade Bitten, das Vermeiden von vermeintlichen bestrafenden göttlichen Verhaltens durch Wohlverhalten, gottgefällige Werke, nimmt den Menschen das Gefühl von sinnlosem Ausgeliefert-Sein.

Psychotherapie.

Religion hat Jahrtausende vielen Menschen als Psychotherapie gedient. Es geht um Angstreduktion, Ertragen und konstruktives Umgehen mit Schicksalsschlägen, mit dem Gefühl von Sinnlosigkeit („Wozu das alles?“). Religion kann offenbar Kräfte freisetzen, zum Verzicht auf Besitz und Macht führen, zu Großzügigkeit …

Ein Beispiel: bestimmte Varianten des Buddhismus erheben das Betteln zu einer gesellschaftlich akzeptierten Art des Verdienens von Lebensunterhalt.

Aber auch wirtschaftlicher Erfolg, das Erwerben von Reichtum durch kaufmännische Tätigkeit kann als Beispiel für Gottes Segen gewertet werden (Calvinismus).

Führung.

Menschen wollen Vorbilder und große Gestalten, die ihnen sagen, was richtig ist. Es gibt ein Bedürfnis, übermächtigen Personen mit ihren Botschaften nachzufolgen. Manchmal entsteht daraus eine Weltreligion, manchmal Krieg und Mord. Denn das Beurteilungsvermögen von Menschen wird durch das Bedürfnis nach charismatischer Führung eingeschränkt.

Führer sollen retten. Führer sollen an vorderster Front stehen und sich opfern. Zumindest ihr Opfer anbieten. Jesus Christus ist der Extremfall: Jesus als geistiger Führer leidet und stirbt für alle. Was ein normaler Mensch tunlichst vermeidet. Er sucht aber nach einer solchen Führung. Der Große Milde moralisch Unfehlbare. Karl Mays Old Shatterhand.

Es kann aber auch schon reichen, wenn der Führer (!) seiner Bezugsgruppe Reichtum, Wohlleben, Land, Geld, Sklaven verspricht. Moses, Mohammed, Hitler, ja auch der. Seine Appelle an die Gier der Menschen, die nicht selber rauben und morden wollen, aber gern jüdisches und russisches Eigentum entgegennehmen. Der Führer begeht stellvertretend die Verbrechen, die sich das einfache Menschlein nicht traut. Oder erst dann, wenn der Führer die Voraussetzung schafft. Das darf dann nur nicht schief gehen. Ein anderes Beispiel ist die sich katholisch gebärdende Mafia.

Legitimation

Mit Religion können Handlungen legitimiert werden, die sonst nicht so leicht durchzusetzen sind, bis hin zu Verbrechen und Kriegen. „Gott mit uns“. Nicht nur der Graf, der Herzog, der Kaiser will etwas, sondern der Oberkaiser im Himmel.

Soziale Markierung.

Ein Volk, eine Nation, ein Bündnis hat dieselbe Religion, die dem unterworfenen Gegner aufgezwungen wird. Die Anhänger von Verlierer-Religionen samt ihrer Sitten, Heiligtümer und Gesetze werden verfolgt und vernichtet.

Innerhalb von Religionen gibt es Untermarkierungen. Weiße Amerikaner gingen und gehen in andere Kirchen als Schwarz-Afrika-Abkömmlinge, anders ausgedrückt: Kirchen für Herren und Sklaven.

Heilige Bücher und Dogmen.

Religiöse Vorschriften in heiligen Büchern sind zu uneindeutig und widersprüchlich, als dass man innerhalb einer Religion zwischen dem wahren Glauben (Berufen auf bestimmte Bibelstellen oder Suren usw. ABC) und dem Ketzerglauben (Berufen auf Stellen XYZ) unterscheiden kann. Daher gibt es so viele Unter-Religionen, deren Angehörige sich oft bekämpfen. Aber das stört Gläubige nicht. Heilige Bücher werden als Ganzes wie eine Gottheit verehrt und man kann Bücher auch beleidigen.

Damit sich nicht jede Person ihre eigene Religion bastelt, braucht man eine Hierarchie mit einem Vorschriftenkanon, wie man zu glauben und seinen Glauben zu zeigen hat, zum Beispiel Kirchen, und eine religiös gefärbte Gesetzgebung. Wie und was man glaubt, bestimmt die Kirche, nicht der Einzelne. Daher braucht die Religionsgemeinschaft gesetzgeberischen Einfluss. Besonders ausgeprägt ist das  im gegenwärtigen Islam. Religionswächter sind keine tiefgeistlgen Menschen, sondern Angehörige einer Sittenpolizei, die zum Beispiel dafür "sorgt", dass Frauen wegen ihrer Bekleidung kriminalisiert und misshandelt werden.

Gerne wird von Religionsvertretern darauf hingewiesen, dass bestimmte Phänomene auch in wissenschaftlich-atheistischen Gesellschaftssystemen auftreten. Das ist kein Gegenargument, sondern eine Bestätigung. Wer aus Darwin, Marx eine Ideologie macht, zu der man sich bekennen muss, und wer entsprechende heilige Bücher und Filme hat, Stichwort Mao-Bibel, gehört in dieselbe Kategorie.

Verschiedene Lebenspläne in derselben Glaubensgemeinschaft.

Eine weltumspannende Religionsgemeinschaft wie die katholische Kirche lässt ganz unterschiedliche Lebensansätze zu, die extrem unterschiedlicher nicht sein können:

Da gibt es Mönche und Nonnen, die sich der absoluten Kargheit in der Lebensführung verschrieben haben, und nur Arbeit und Glaubensritus kennen. Dann die eitlen Würdenträger in Rom. Oder die Herrscher, die sich durch die katholische Kirche oder islamische Richtungen legitimiert fühlen. Da gibt es Musik und Musikverbot, zum Beispiel im Islam. Gruppen mit Sinnenfreude und solche mit Askese. Tolerant-friedliche Menschen mit hohem Anspruch an Menschlichkeit und Liebe, aggressive Menschen, die vor Folter und Mord nicht zurückschrecken, wenn man sie lässt.

Toleranz?

Menschlichkeit, Gedankenfreiheit, Recht für alle, egal was sie glauben, dass gibt es in allen Religionen und hat es in allen Religionen gegeben, ebenso das Gegenteil wie man gerade in der Gegenwart sehen kann. Die  Moslems in Bagdad und das islamische Andalusien waren tolerant und haben den Frauen wirtschaftliche und rechtliche Anerkennung gezollt. Das römisch-katholische Christentum in dieser Zeit war aggressiv und primitiv. Konstantinopel hat sich mit Cordoba besser verstanden, viel besser, als mit Rom.

In der Moderne haben sich die christlichen Kirchen überwiegend eine andere Rolle zugeschrieben. Sie haben sich aus der säkularen Rechtsprechung weitgehend zurückgezogen und sich auf das Verteidigen der Schwachen und der mitmenschlichen Moral spezialisiert. Das gilt aber auch nicht überall, wie die Zerstörung von Kirchen im nur wenige Jahre zurückliegende Balkankrieg gezeigt hat.

Kirchen und Moscheen.

Der Mensch hat das Bedürfnis, seine Religion sichtbar zu machen und dem Himmel auf der Erde einen weithin sichtbaren dominanten Platz einzuräumen. Die religiösen Gebäude sind der Versuch, die Realität mit dem jeweiligen religiösen Gebäude zu schmücken. Dieses Bedürfnis ist so stark, dass die herrlichsten prunkvollsten Gebäude entstanden sind, prunkvoller als die Herrscherhäuser, und vor allem für das Volk zugänglich. In den Kirchen kannst du Gott und den Himmel sehen! Gott und der Himmel sind in den Kirchen Realität. Wie Burgen der Fürsten sind sie auch ein Zeichen der kirchlichen Macht.

Riten und Archetypen.

Menschen schaffen sich Symbole für Vorgänge und brauchen eine erhebende Begleitung für ihre Lebensstadien. Es geht um den kalten Winter und die Hoffnung auf Wärme und Erlösung. Es geht um die Geburt: wir sind alle nackt und von vornherein schutzbedürftig, überall lauern Gefahren. Es geht um Zeugung und Geburt, das Wunder, dass Frauen Kinder bekommen, säugen und aufziehen. Männer machen verschiedene Arten von bedeutsamem Zinnober, damit sie ihre Rolle haben, eben auch leider Kriege und Verbrechen. Man sehe sich nur die Geschlechterverteilung in der Kriminalität an! Aber Männer waren such Moralisten, Philosophen, Propheten, Wissenschaftler. Das ist eine Krise unserer modernen Zeit, dass Frauen offenbar beides können, das mit den Kindern und der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Religion wird in einem liberalen Staatswesen mit Gewaltenteilung gut angenommen, wenn sie die Archetypen bedient: Taufe und Kommunion-Konfirmationen für das Werden, Trauung für die Familiengründung, Bestattung mit Würdigung des Verstorbenen. Marienkult für die Verehrung der Frau und des Kindes. Religiöse Feiern sind Gemeinschaftsfeiern. Was Gläubige da für Energie hineinstecken!

Allein das Weihnachtsfest: der unbändige Wunsch der Menschheit, da möge jemand kommen oder gekommen sein, der uns alle rettet. Und das ist so oft ergreifend aufgeführt und vertont worden.

Neugier, der Wunsch nach Erklärungen

Religion und Wissenschaft haben ähnliche Antriebe. Wissenschaft will verstehen, die Welt erkennen, um Menschen besser schätzen und ihre Ausbreitung sichern zu können. Wissenschaftliche Denk- und Forschungsstrategien haben sich inzwischen als viel erfolgreicher als die Religionen erwiesen, auch und gerade für den menschlichen Alltag. Warum? Wissenschaft fördert Lernfähigkeit.

Was wir in den letzten Jahren über den Mikrokosmos, den menschlichen Körper, den Makrokosmos herausgefunden haben, drängt Religionen als Erkenntnisweg immer mehr an die Wand. Hygiene und Impfung: besser als Gebete. Kleine Kisten landen auf fernen Himmelskörpern. Wir wissen, dass es unendlich viele Planeten gibt.

Gott kann nicht auf einem Thron 500 Kilometer über der Erdoberfläche sitzen.

Aber die Frage, wie wir leben und überleben sollen, ist immer noch nicht geklärt. Ja, das ist so.

Warum sich religiöse Kosmologien ungerührt halten.

Sie befriedigen nach wie vor grundlegende Bedürfnisse. Der Mensch ist im übrigen anfällig für Aberglauben. Zufällige Ereignisse werden als göttliche Fügung interpretiert. Der Einsturz von Kirchen, Siege der vermeintlich Gottlosen und der in der Tat schlechten Menschen werden einfach ausgeblendet. Religiosität in der orthodoxen Form führt also zu erheblichen Wahrnehmungs-Verzerrungen und behindert Lernen. Oder macht alltägliche Wahrnehmungsverzerrungen erst sichtbar. Denn alle Menschen handeln nach sogenannten Erfahrungen, die statistisch bedeutungslos sind. Ein Beispiel ist der Siegeszug der Homöopathie.

Die Stärke einer gemäßigten Religion ist ihre Symbolkraft. Ergreifende Riten, Musik, Aufführungen, Begleitung von Lebensabschnitten, das brauchen die Atheisten nicht neu zu erfinden, um dann wieder selber zur Religion zu werden. Religion ist Symbolität, als Symbole können wir das mittragen, und wir brauchen nicht zu missionieren und anderen ihre Riten und Symbole streitig zu machen.

Einige Religiöse sind da leider noch nicht angekommen, und meinen das Böse in der orthodoxen Religion ausleben zu müssen.

Religionen altern.

Wenn sie frisch sind und die Gründer noch leben oder gerade verstorben sind, haben Religionen Vitalität und Anziehungskraft. Sie sind revolutionär, stellen das Bisherige einschließlich der sozialen Strukturen in Frage.

Dann bilden sie eigene Hierarchien und werden von den Herrschenden vereinnahmt, werden sozusagen staatstragend und verlieren ihr kritisches Potential. Diese Phase dauert im Allgemeinen sehr, sehr viel länger als die Anfangsphase.

Aber das ist ja im Leben der Menschen und ihrer Strukturen nichts Besonderes. Man betrachte doch nur die Parteien in der BR Deutschland. Die Grünen sind heute eine Art CDU-FDP und unterscheiden sich von den anderen Mainstream-Parteien vor allem durch ihr besonderes bürgerliches Moralin.

Religionsgemeinschaften, Staatsdoktrinen, Parteien funktionieren nach denselben Mechanismen.



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