Die Macht des Gebets.

Das Gebet als Zwiegespräch

Der Alltagsmensch wird nicht oft an Gott denken, auch wenn er an Gott glaubt. Verbringt aber eine Person sehr viel Zeit, sagen wir eine Stunde täglich, mit Gebeten, so wird der Ansprechpartner sehr real. Realer als existierende Menschen. Sie vertraut Gott alles an, diskutiert alles mit ihm, bittet um etwas, dankt für etwas, wie im Gespräch mit einem guten Freund, nein, besser. Gott quatscht einem nicht unqualifiziert dazwischen und lässt einen ausreden. Man muss geradezu nach Zeichen suchen, dass Gott einen verstanden hat oder reagiert (siehe Oben). Aber das ist auch gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass Gott einem zuhört, und dass man Gott in sich selber erkennt, indem man seine Gedanken, Gefühle, Erlebnisse, Nöte, vor ihm ausbreitet.

So wird das Gebet zu einer schönen Stunde, die einem gut tut, besonders in der Not, wenn man keinen Menschen hat, dem man vertrauen möchte und dem man ohne sich zu schämen alles erzählen kann.

Wenn jemand so viel Zeit mit einer vorgestellten Person, eben dem Gott, verbringt, und diese Person immer da ist, selbst wenn jemand im Gefängnis sitzt oder einsam wandert, weil sie immer ansprechbar ist, dann ist sie in gewissem Sinne viel realer als andere Personen. Damit festigt sich die Gewissheit, dass es diesen persönlichen Gott gibt. Das Bestreiten eines persönlichen Gottes kommt einem dann töricht vor, als ganz und gar unsinnig, beschränkt.

Der Dialog mit Gott und Gott selbst wird zu einer subjektiven Realität, zu einer festen, realen Überzeugung. Gott wird realer als die sonstige Realität. Es ist für den betenden Menschen unsinnig, die Existenz Gottes zu bestreiten.

Es ist letztlich sogar unwichtig, ob es Gott gibt. Die Frage stellt sich dem Betenden gar nicht. Die Frage an sich ist sinnlos.

Das ist eine Erlebnisebene, unabhängig von wissenschaftlichen Nachweisen und rationalen Überlegungen.

Gebete als autosuggestive Leerformeln zur Stärkung der Gruppenbindung

Das Gebet ist lebendige Selbst-Auseinandersetzung - wenn es in der Beschäftigung mit den eigenen Gedanken und Gefühlen besteht, oder auch mit innerem Schweigen mit Gott. Beten kann jede und jeder, egal welcher Religion sie oder er sich zugehörig fühlt. Die Wirkung von Gebeten auf tatsächliche Ereignisse ist dabei unwichtig.

Gebete in der Glaubensgemeinschaft (Islam: fünf Mal am Tag!) sind keine Selbstauseinandersetzung und keine Dialoge mit Gott, sondern das Herunterleiern von liturgischen Formeln zur Festigung der Zugehörigkeit. Autosuggestive, gruppenbezogene Gehirnwäsche.

Das Gebet im Vergleich

Alternativen zum Gebet als Methode der Selbst-Auseinandersetzung, Problemlösung und Entspannung sind:

Gespräch mit anderen Menschen,

Psychotherapie,

Tagebuch schreiben,

Stilles Nachdenken,

Meditation, zum Beispiel Transzendentale Meditation (Das Verfahren, nicht die Sekte).

  1. Das Gespräch mit einem realen menschlichen Partner, wenn es denn gut läuft, hat den Vorteil, dass die Person echte Zuwendung erhält und auch ein Korrektiv zu den eigenen Gedanken. Die Person schwimmt nicht so sehr im eigenen Saft.

    Es läuft aber nicht immer gut. Gerade wenn man sehr in Not ist, verwirrt man oft andere, erhält Standardtröstungen, man selber schämt sich ob seiner Probleme, und man muss Sorge tragen, dass der Gesprächsinhalt nicht vertraulich behandelt wird.

  2. Ein Psychotherapeut, der sein Handwerk versteht, wird gut zuhören und auf seinen Fundus an wirksamen Handlungsvorschlägen zurückgreifen. Eine Psychotherapie setzt aber voraus, dass man sich als seelisch krank definieren lässt, sonst zahlt die Kasse nicht. Wenn man das nicht will zahlt man selber. Auf jeden Fall ist die Psychotherapie deswegen keine Lösung für den Alltag, sondern nur im Krankheitsfalle oder wenn man sich in einer besonderen Situation befundet, eine wichtige Weichenstellung in seinem Leben vornehmen will oder muss.

  3. Tagebuch schreiben – das kann man auch am Rechner. 10 Minuten alles herunterschreiben was einen bewegt. Sich sozusagen leer schreiben. Gut für die Entspannung.

  4. Stilles Nachdenken – einfach so da sitzen und nachdenken. Da wird man schnell kribbelig, wenn man es nicht gewohnt ist. Das macht einen auf Dauer geduldig und entspannt.

  5. Transzendentale Meditation. Denken eines zweisilbigen Wortes, ununterbrochen. Bei der ersten Silbe einatmen, bei der zweiten ausatmen, kurz Stille. Die Gedanken fließen im Hintergrund und werden nicht beachtet. Befreit wunderbar von Zwangsgedanken, nimmt den Gedanken unangenehme Emotionen. Psychologen sagen, es findet eine Entkonditionierung statt.