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Die Legende von der absoluten Gültigkeit der zehn Gebote -

von Gott persönlich in Stein gemeißelt. Ich glaub's nicht.

Laut Bibel empfing Moses von Gott auf dem Berg Sinai zehn Gebote. Die Zehn Gebote gelten im Judentum als das Herzstück der Thora und gehören im Christentum zu den Hauptquellen der christlichen Ethik:
  1. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
  2. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.
  3. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbat und heiligte ihn.
  4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.
  5. Du sollst nicht töten.
  6. Du sollst nicht ehebrechen.
  7. Du sollst nicht stehlen.
  8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
  9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
  10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel und noch alles, was dein Nächster hat.

Quelle: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG und Altes Testament, 2. Mose 20,2-17; 5. Mose 5,6-2.

http://www.jugendopposition.de/index.php?id=3724

Die zehn Gebote sind als Verbote formuliert.

Auch die christlich-evangelischen nach Martin Luther.

Bittest du deine Mitmenschen um die Einschätzung dieser Gebote oder besser gesagt Verbote,

dann hörst du überall: das ist ein kostbares Kulturgut, die Wiege unserer Zivilisation.

Dem entgegne ich folgendes:

Wenn die Reihenfolge eine Wertigkeit darstellt, dann ist die Anbetung eines anderen Gottes als den deiner Religion ein schlimmeres Vergehen als Totschlag und Mord. Das Tötungsverbot kommt erst an fünfter Stelle.

Das Tötungsverbot gilt ausschließlich für private Angelegenheiten, denn Gott fordert schon nach der Geschichte des Abfalls und des Tanzes um das goldene Kalb zur Hinrichtung der vom Glauben Abgefallenen auf! (2. Mose, 32 f.)

Wen wundert es da, wenn auch heute noch Menschen umgebracht werden, weil sie angeblich oder tatsächlich Gott oder einen der Mittler als Hirngespinst beziehungsweise Scharlatan abtun?

Selbst den Feiertag zu heiligen ist wichtiger als auf die Tötung von Menschen zu verzichten.

Die Gebote, die sich nicht auf Gott und religiöse Bräuche beziehen, sind trivial. In jeder Gesellschaft wird das Stehlen, Morden, Lügen als Vergehen oder Verbrechen betrachtet.

Zwei Gebote gelten offenbar nur für Männer, und die Frauen kommen nach dem Haus und kurz vor anderem Besitz. Das ist doch nun wirklich eine minderwertige Vorstellung, die aber absolut auch für das paulinische Christentum gilt.

Das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, in seiner Absolutheit und ohne das Gegenstück, das Ehren der Kinder, ist aus heutiger Sicht ebenfalls fragwürdig. Den Vater, der säuft und die Frau schlägt und das Geld durchbringt, ehren? Oder das entsprechende mütterliche Gegenstück, das dich ein Leben lang verachtet?

Das sechste Gebot "Du sollst nicht ehebrechen" macht im Zeichen von effektiver Verhütung und einer anderen Auffassung von sexueller Partnerschaft wenig Sinn. Treue in der Partnerschaft kann etwas wunderbares sein.  Es gibt aber individuelle Konstellationen, wem sage ich das, die gegen eine Fortsetzung einer solchen sprechen.
Es ist immer wieder ergiebig, darüber nachzudenken, was in den zehn Geboten nicht steht: kein Verbot, seine Frau zu verdreschen oder die Kinder. Oder das Vermögen des Partners durchzubringen.

In früheren Zeiten ging es bei der Verheiratung vor allem um Besitz und Erbfolge. Da hatte die Treulosigkeit oder gar die Auflösung der Ehe ganz andere Folgen. Daher musste ein entsprechendes gewichtiges göttliches Gebot her.

Die Kritik an den zehn Geboten: atheistische Blasphemie?
Oder gehört es zur abendländischen Kultur, sich konsequent nicht an die zehn Gebote zu halten?

In den jahrhundertelang vom Christentum beherrschten Ländern war es immer ein anerkanntes Recht der Fürsten, der Könige, des Adels, Kriege anzuzetteln und zu führen und in dem Zusammenhang Raub, Mord, Zerstörung, Vergewaltigung als selbstverständliches Recht anzusehen. Völkermord? Natürlich, wenn es um Ungetaufte, sogenannte Heiden, ging. Mit einer entsetzlichen Selbstverständlichkeit wurden in christlichen Landen alle paar Jahre Kriege geführt, und man musste Burgen und Befestigungen bauen, um die christlichen Nachbarn von Verbrechen abzuhalten. Das Christentum hat sich daher komplett als moralische Oberinstanz delegitimiert.
Wie es mit dem Islam steht, erfährt man in den Nachrichten.