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© Dr. Uwe Wiest, Delmenhorst, 2018

Die Lehre von ruhenden Göttern und Seelen ohne Gedächtnis.

In den Weltreligionen gibt es Götter oder einen Gott, die mit den Menschen herummachen.

Religionen sind Ansammlungen von Phantasien. Sie geben Rezepte, wie man Gott (oder Götter) beeinflussen kann, zum Beispiel durch Gebete und Opfer. Religionen dienen als Rechtfertigung für Macht, Unterdrückung, Krieg. Die Phantasien bestehen aus Behauptungen über Jenseitiges, Auferstehung, Rache Gottes an Ungläubigen, Belohnung der rechtschaffenen Gottgläubigen, und natürlich über Gottesmänner, die als einzige authentischen Kontakt mit Gott haben oder hatten. Sogenannte Propheten, Messiasse, Erlöser, Heilige.

Zu einem freudig gestalteten rechtschaffenen Leben führt das nicht unbedingt. Religion baut auf Zweifel und Ängsten auf. Wer weiß schon, ob Gott zufrieden ist oder hier oder im Jenseits auf die Person drauf haut?

Die angeführten Gründe für das Wirken von Gottheiten auf den Menschen sind nicht stichhaltig.

Religionen sind rationalen Überlegungen, Forschungsergebnissen, Erfahrungen unzugänglich. Beispiel: Arme werden ersäuft, Kirchen stürzen ein, Gläubige verschiedener Richtungen bekämpfen sich. Gebete werden so oft erhört wie es nach Zufall zu erwarten ist. Das alles stört Gläubige überhaupt nicht.

Es spricht alles dafür, Gott-Sein und Mensch-Sein zu entkoppeln:

Gott hat das Ganze einmal in Gang gesetzt und ruht jetzt, 

nicht nur am 7. Tag, sondern für immer.

Die Entwicklung des Da-Seins erfolgt nach seinen Gesetzen und bedarf keines weiteren Eingreifens.

Die Antithese zu den Weltreligionen ist nicht: – Gott existiert nicht –, sondern: die Gott-Mensch-Beziehung existiert nicht.

An Menschen uninteressierte Götter: Gott schafft die Welt mit einer Initialzündung, von den Physikern etwas missverständlich Urknall genannt, und das war es dann. Seitdem sieht er gelegentlich zu, so wie ein Gärtner den Wuchs der Pflanzen beguckt, aber ohne jemals zu gärtnern, ohne Interesse, und ohne Möglichkeit und Motivation einzugreifen, denn alles entwickelt sich nach Gottes Gesetzen (den Gesetzen der Physik, Biologie und der in allem Sein innewohnenden Kreativität). Alles was da ist, war als Möglichkeit von Anfang an da. Mögliches wird Wirklichkeit – oder auch nicht.

Gott ruht nicht nur am siebten Tag. Sein siebter Tag hält an bis in alle Ewigkeit.

Die Konsequenz für das tägliche menschliche Leben ist im übrigen die Gleiche wie beim Atheismus. Aber: Gott bestreiten ist gar nicht notwendig und irrelevant, wenn man einen nicht individuell eingreifenden Gott postuliert. Die Abkopplung vom Nachdenken über Gott macht es leichter, seine Energie auf das tatsächliche Leben zu konzentrieren.

Die Religionsgemeinschaften verlieren dadurch natürlich jede bisherige Bedeutung. Sie versuchen als Hilfsorganisationen und Kulturveranstalter, vor allem musikalischer Art, zu überleben. Oder in der perfidesten Art als kognitives Dach autoritär-gewalttätiger Staaten und anderer Unterdrückungssysteme. Stichwörter: Waffen segnen. Gottes-Staat.

Daraus ergibt sich die Priorität des Grundrechts auf Freiheit von Gott-Mensch-Religionen (Theistischen Religionen) vor der Freiheit für Glauben und Praktizieren von abergläubischem Kasperkram.

Die Seele verliert mit dem Tod ihre persönlichen Merkmale und macht einen Neuanfang.,

wie eine ausgewischte Schultafel oder eine gelöschte Datei, und entwickelt sich mit einem anderen Individuum neu. Das vorige Leben hinterlässt keine Spur in der Seele. Damit ist das Verhalten eines Individuums für die Existenz der Seele nach dem Tode nicht relevant. Es erübrigt sich die Angst vor dem Tode und dem Jenseits, und es bedarf keines Erlösers.

Das ist doch ganz leicht zu verstehen: die Person hat über die ganze Lebenszeit die Wahrnehmung, immer dasselbe Ich zu sein. Dabei wird sie doch im Laufe der Jahre durch Erfahrung und ihre biologische Entwicklungsphase eine andere. Würde man die Siebzigjährige wieder zu einer Zwanzigjährigen verwandeln, würde sie unter Umständen ganz anders denken und handeln.

Das Ich stirbt nicht, die Seele existiert weiter, aber ohne irgendetwas von der verstorbenen Person mitzunehmen. Es ist nicht einfach schwarz nach dem Tode, vielmehr beginnt ein ganz anderer neuer Film in einem anderen sich entwickelnden Körper. Das Licht geht aus und woanders wieder an.

Das subjektive Bewusstsein ist wie ein mehrdimensionaler Film,

Das Individuum erkennt, dass es gleichzeitig einzigartig ist: es wirkt nur in diesem Film mit und in keinem anderen. Es erlebt sich als „Ich“, als Hauptdarsteller. Es beobachtet, nimmt wahr, kommuniziert und reagiert mit anderen, die gewissermaßen „außen“ sind. Die individuelle Person ist die Einzige, die Emotionen erlebt, sie kann nur annehmen, dass andere dieselben Emotionen haben: gleiche Sprachäußerungen, gleiche Mimik und Gestik. Der Ausdruck von Gefühlen ist ja weitgehend universal. Für sich selber kann man in den Spiegel schauen oder Fotos und Videos ansehen.

Das Individuum kann seinen Film nicht verlassen, sein Leben lang, wenn der Film zu ende ist, stirbt die Person. Es ist Beobachter und Akteur zugleich.

Es kann nur existieren, wenn es die Macht und die Regeln des Drehbuchs akzeptiert. Innerhalb des Drehbuchs hat es nur einen schmalen Handlungs-Spielraum. Das Individuum muss sich so verhalten, als wären alle anderen Menschen in derselben Situation und hätten ihre eigenen Filme. Es muss also einen objektiven Standpunkt einnehmen.

Moral: auch bei besten Einsichten und Absichten: das Ich mit seinen Interessen bleibt im Vordergrund. Moral war und ist immer: was schützt mich, die Gruppe, was gibt ihr Entwicklungschancen? Es geht nie um universale Menschenrechte. Oder warum wollen die Reichen ihr Erbe nicht an andere verteilen? Warum usurpieren Familienclans ganze Staaten? Das ist im Tierreich so, das ist bei den Menschen so. Der Fortschritt könnte sein, dass wir alle Menschen als einheitliche Sippe verstehen.

Das Verlangen nach Lebensverlängerung bis hin zur Unsterblichkeit ist töricht und zerstört Möglichkeiten.

So was strebt die Wissenschaft an, Erhaltung deiner Merkmale, virtuell oder als Gehirn im Glas oder verpflanzt in einen neuen Körper? Die ewige Idee vom individuellen Jungbrunnen? Ein Irrweg.

Die Christen träumten immer von der persönlichen Auferstehung und dem ewigen Leben. Das ist nichts gegen die Vorstellung einer völlig anderen Existenz. Stelle dir vor, du wirst eine schlaue Krähe in einem funktionierenden Sozialverband mit einer attraktiven Krähin. Eieiei. Nichts geht über einen hohen Paarungsflug. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Ist es so final toll, ein Mensch zu sein? Wir müssen ständig atmen, schlafen, kacken, pissen, uns waschen, die Nägel schneiden, dauernd sind wir krank, wir müssen unsere Macken ständig kompensieren, wir sind unseren Trieben ausgesetzt, Und und und. in den letzten Jahren sehen wir überhaupt nicht mehr schön aus, im Vergleich zu früher geht es noch ein paar Jährchen länger dank der hochentwickelten Chirurgie mit ihren Techniken und Ersatzteilen, gut, es gibt Schlimmeres, aber so ein Neuanfang als perfekter Einzeller ist auch nicht schlecht. Hunderte von Jahren herum paddeln und sich gelegentlich teilen. Nette andere Einzeller treffen. Bloß nicht die eigene abgeteilte Verwandtschaft. Bis dich jemand frisst.

Spannender ist es, sein Leben aktiv zu gestalten, dann zu sterben, und in einen neuen Film einzutauchen. Das ist ein Paradoxon: ich bin nicht tot, ich kehre wieder. Aber ich bin ein völlig neues Ich.

Die menschliche Leistung in Richtung auf Einfluss über den Tod hinaus besteht in der Kultur,

dem Hinterlassen von Spuren in die menschlichen Gemeinschaft. Von den Personen bleiben Versatzstücke in den „Filmen“ anderer. Wenn sie denn Spuren hinterlassen haben! Je weiter sich die Ziviliation entwickelt hat, desto mehr solcher Spuren gibt es. Bauwerke, Schrift, Gedankengebäude, Kunst, Technik aller Art, schließlich das Internet als kollektives Supergedächtnis und Kommunikationsmittel.

Was bedeutet das für mein Leben?

Die Lehre von den ruhenden Göttern und den von allen Merkmalen sauber gewaschenen Seelen, die auf den nächsten Film warten, stimmt mich froh.

Bis es so weit ist, mache ich noch etwas richtig Gutes aus dem laufenden Film.

Literaturempfehlung: Lukrez, über die Natur der Dinge. Von zeno.org Geschrieben vor über 2000 Jahren, vor dem Neuen Testament.

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