Das Reich Gottes

Wo ist das Reich des Jesus von Nazareth?

Johannes 18 Vers 36

36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt.

Was soll man mit diesem Satz anfangen? Zunächst einmal kann man ihn situativ verstehen, indem Jesus zu Pilatus sagt: ich bin keine Konkurrenz zu den Römern, den jüdischen Hohepriestern oder anderen Machthabern. Damit verteidigt er sich gegen den Vorwurf des Hochverrats.

Wenn sein Reich aber nicht von dieser Welt ist, von welcher Welt spricht er? Wo soll diese Welt sein? Ist diese Welt räumlich oder zeitlich von unserer Welt getrennt? Ist dieses Reich etwas ganz anderes als weltliche Reiche?

Lukas 17, Vers 20 und 21

20 Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte.

21 Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.

Das Reich Gottes ist also etwas, was da ist, was aber mit den fünf Sinnen nicht erkannt und geortet werden kann.

Nimmt man diese beiden Bibelstellen zusammen, kann man feststellen:

Es ist sinnlos, auf das Reich Gottes zu warten, denn es ist bereits da. Es ist aber kein weltlicher Staat, es ist überhaupt kein Staat. Damit ist es auch sinnlos, auf die Wiederkunft Christi zu warten, denn das Reich Gottes existiert bereits.

Die Annahme des Offenbarung-Johannes, das Reich Gottes, die Neue Welt, käme erst nach diesem Jüngsten Gericht, widerspricht dem ebenfalls, denn dann wäre das Reich Gottes eine zeitlich definierte Dimension, eine Welt nach unserer Welt.

Das Reich Gottes ist eine paradoxe Konstruktion. Es gehört nicht zu dieser Welt und ist doch da.

Judas und Satan

Die Versuchung auf dem Tempeldach. Wäre er doch gesprungen!

Matthäus 4 Vers 5

  5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so lass dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf Händen tragen, auf dass du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: "Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen."

Da hatte ihn noch nicht der naive Größenwahn gepackt.

Es wäre besser, Jesus wäre gesprungen. Er wäre fürchterlich auf die Fresse gefallen, aber das hätte ihm die Kreuzigung erspart. Das wäre ein toller Realitätstest gewesen, der ihm seine Illusionen genommen hätte. Er ist nicht gesprungen, weil er zu wissen glaubte, dass Gott ihn auffangen würde. Er war nämlich der festen Überzeugung, Gottes Sohn zu sein, was das auch immer heißt, und dass Gott-Vater ihn da raushauen würde.

Aber genau damit hat er Gott versucht. Denn genauso wenig, wie Gott ihn aufgefangen hätte, wenn er vom Tempeldach gesprungen wäre, hat Gott ihn aufgefangen, als die Häscher des Hohenpriesters kamen. In Gethsemane hat Jesus Gott versucht.

Er hat Gott vertraut. Vom Tempeldach springen ist ja nichts anderes, als da hin zu gehen, wo die Soldaten des Hohepriesters auf dich warten. Das zweite Mal hat Jesus auf Satan gehört und seine Jünger daran gehindert, ihn zu verteidigen. Er hat Judas Ischarioth geradezu beauftragt, den satanischen Realitätstest zu machen. Tja dann hängt man am Kreuz und Gott-Vater macht nix. Markus 15, 34.

Er ist genau der Versuchung erlegen, die Satan ihm auf dem Tempeldach angeboten hatte. Jesus hat Satan nicht verstanden. Was für eine Tragik!

Was wäre gewesen, wenn Jesus Satan gesagt hätte: „Komm mein Junge, wir wissen beide, Gott greift auf dieser Welt nicht ein, wir müssen schon selber für gute Verhältnisse sorgen! Und auf dem Teppich bleiben.“ Auch beim entscheidenden zweiten Mal!

Das Christentum hat gelernt. Vertraue nicht auf Gott, sondern auf die weltliche Macht ...

Gott hat sich im Alten Testament hervorragend mit dem Satan vertragen.

Das Buch Hiob, Kapitel 1 und 2: Gott und Satan machen gemeinsame Sache. Jeder erledigt seinen Job. Der Satan als Gläubigen-Tester. Am Ende: Hiob mit Zertifikat.

Auch Jesus blieb im Dialog mit dem Satan.

Genauso locker wie Jahve. Matthäus 4. Da gab der Satan Jesus die Chance, pfiffig zu reagieren, wie sich das für einen Messias gehört.

Bis dahin ist Satan also nicht der Böse, sondern der Prüfer, an dem sich der Rechtgläubige abarbeitet. Eine ehrenvolle Aufgabe. Auch hier: Stiftung Warentest für Rechtgläubige.

Judas und Satan als Werkzeug Jesu

Johannes 13, 27: Der Satan fährt im Auftrag Jesu in den Judas, der Jesus verraten soll. Jesus lässt bei seiner Gefangennahme aber alle Möglichkeiten eines Entkommens aus. Die Jünger dürfen ihn nicht verteidigen, und er selbst gibt sich zu erkennen und liefert sich damit aus. Johannes 18, Vers 3 folgende.

Auch hier sehen wir, dass Satan die Funktion des Prüfers hat: Judas ist nur der Anlass, damit Jesus die Gelegenheit bekommt, in den Opfertod zu gehen. Satan durfte erst handeln, als er von Jesus dazu bestimmt war!

Erst dieser Offenbarungs-Johannes mit seinen Horror- Hass- und Rachephantasien schildert das Verhältnis zwischen Gott, Gottes Sohn und dem Satan, der Schlange, dem Tier, der großen Hure als vergiftet und feindselig. Beispiel: Offenbarung 14, 10, Offenbarung 20, 10 und 11.