Der Mensch – geschaffen als Bild Gottes?

Gott hat erkannt, dass die Kopie ihm selbst zu ähnlich geworden ist, er zieht die Notbremse. Das ist der Sündenfall.

1. Mose 1
26Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.

1. Mose - Kapitel 2

16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; 17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon ißt, wirst du des Todes sterben

1. Mose - Kapitel 3

14 Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du solches getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und vor allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du gehen und Erde essen dein Leben lang. 15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.
16 Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein.
17 Und zu Adam sprach er: Dieweil du hast gehorcht der Stimme deines Weibes und hast gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen, verflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich darauf nähren dein Leben lang. 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und sollst das Kraut auf dem Felde essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis dass du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

22 Und Gott der HERR sprach: Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!

23 Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er das Feld baute, davon er genommen ist, 24 und trieb Adam aus und lagerte vor den Garten Eden die Cherubim mit dem bloßen, hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens.

Also: Gott schafft sich ein Wesen, das ihm gleicht – bis auf die Erkenntnis, was gut und böse ist.

Dieses Abbild Gottes ist aus Erde gemacht, und es ist sterblich. Sterblich von Anfang an. Denn es steht nur geschrieben, dass der Mensch umgehend stirbt, wenn er vom Baum der Erkenntnis isst. Es steht nicht da, dass er unsterblich ist, so lange er das nicht tut.

Es steht auch geschrieben, dass Gott eine ebenbürtige Konkurrenz des Menschen verhindern will, indem er den Zugang zu diesem Baum ein für alle Mal versperrt. Die Sünde besteht darin, Gott Konkurrenz zu machen. Gott handelt also aus Angst vor Konkurrenz durch sein Geschöpf.

Das zeigt, dass das Sünden-Konzept aus einer autoritären Denkweise stammt: Sünde ist es, wenn wir versuchen, Gott gleich zu werden, indem wir erkennen.

Gott will das nicht. Und offenbar muss man regelmäßig vom Baum der Erkenntnis naschen, um dauerhaft zu erkennen. Deshalb versperrt Gott den Weg, und so bleibt das menschliche Erkennen ein Torso.

Die Frau hat bei der Geburt Schmerzen, weil der Mensch einen so großen Kopf hat. Die Genesis macht das zu einer Strafe für die Frau. Außerdem: sie hat als erstes vom Baum der Erkenntnis genascht. Wir wussten es schon immer, die Frau ist schlau. Deswegen auch die Unterdrückung der Frau in Ländern mit monotheistischen Religionsbekenntnissen. Sie neigt dazu, schlauer zu sein als der Mann. Zum Kinderkriegen ist sie auch in der Lage, der Mann nicht. Da muss tüchtig der Deckel drauf.

Deshalb ist die Kirche auch entdeckungs- und wissenschaftsfeindlich gewesen, denn in der Tat: Die Konstruktion: »der Mensch als Gottes Ebenbild« wird durch Erkenntnis erschüttert, vor allem aber die Konstruktion eines Gottes als Ebenbild des Menschen. Es ist heute nicht mehr haltbar, dass Gott so gebaut ist wie ein Mensch, nur irgendwie größer, mächtiger, allmächtig, aber mit Kopf, Beinen, Leib. Da beide Geschlechter Ebenbild Gottes sind, kann Gott auch kein Vater sein. Das kommt erst durch das sogenannte Neue Testament.

Damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt: nicht die Vorstellung, es könnte einen Gott geben, an sich ist absurd und für jedes Kind widerlegbar, sondern die jüdisch-christliche Gottesvorstellung und das Menschenbild, das dazu gehört: der Mensch als ungehorsamer Fast-Gott und ein Gott mit Angst vor der Konkurrenz.

Der Mensch hat danach die theoretische Möglichkeit, wie Gott zu werden, und wenn er das versucht, gottgleich zu werden, dann ist das Sünde. Das ist keine Morallehre.

Damit fällt auch die Vorstellung, Gott habe den Menschen zum Herrscher über alle anderen Kreaturen eingesetzt. Der Mensch ist eine Kreatur. Er kann vieles, was andere Kreaturen nicht können. Andere Kreaturen können Dinge, die der Mensch nicht kann.

Die Vorstellung, Krankheit und Mühsal sei eine Folge des Sündenfalls, ist widerlegt. Die Mühsal der Feldarbeit und der Herstellung von Nahrungsmitteln ist längst überwunden, zumindest theoretisch. Wir wissen längst, wie es geht.

Entsprechend haben sich auch von jeher die Fürsten von Gottes Gnaden verhalten. Wer sich auflehnt, wird als Verbrecher eingestuft, mit den entsprechenden Folgen.

Sünde ist also gar keine moralische Kategorie (das wurde erst später hinein gedeutet), sondern die Umschreibung für den Versuch, sich Gott nicht länger zu unterwerfen und Gott auch nicht mehr zu benötigen.

Deshalb reagieren die Religionen auch so aggressiv auf Menschen, die keine Theisten sind. Deswegen geht es bei den zwei erstrangigen zehn Geboten um die Anerkennung und Ehrung Gottes. Das andere ist trivial oder merkwürdig.

Deshalb können innerhalb jeder Religion die größten Verbrechen ausgeübt werden, so lange Gott als Gott verehrt wird. Das erklärt auch, warum jahrhundertelang Religionsgemeinschaften von so vielem Lumpengesindel im Ornat angeführt wurden – und werden?


Es gibt keinen menschenähnlichen Gott und der Mensch ist nicht gottähnlich, und das Leid der Welt kommt nicht von der Auflehnung gegen Gott.

Wo soll dieser Gott sein? Warum führt der sich so absurd und absolutistisch auf? Wieso muss sich Gott in Gestalt des Christus aufhängen lassen – um sich mit sich selbst zu versöhnen? Oder um die Menschen zu beglücken, die auf Erkenntnisse verzichten, auf das Denken verzichten, um diesen »Sündenfall« damit rückgängig zu machen? Denn die Kreuzigung bedeutet ja nicht Erlösung für alle, sondern für die, die das Konstrukt »Gottes Sohn« akzeptieren. Wer das glaubt, zeigt, dass er auf Teile seines Erkenntnis­vermögens verzichtet, also das Fruchtstück der Erkenntnis freiwillig ausspuckt, und dem wird das ewige Leben und das Paradies verheißen.

  • Wir wissen heute: der Mensch ist kreatürlich, genau wie alle Wesen entsteht und vergeht das Individuum. Wenn es Glück hat, hat das Individuum ein schönes Leben, es gibt Leid, Schmerz, Angst, Trauer, wenn es nicht gut für Einzelne läuft. Das gilt für alle Wesen mit Nervensystem, vielleicht sogar für die anderen auch. Mit ihrem Verhalten hat es mal etwas zu tun, mal nicht. Bist du zur falschen Zeit am falschen Ort, hast du Pech gehabt.

  • Wir wissen mittlerweile, dass Raum und Zeit viel, viel größer sind als angenommen, und dass die Struktur von Raum und Zeit immer noch nicht voll verstanden wird.

Man kann ausschließen, dass die Dinge so sind, wie die monotheistischen Schöpferreligionen behaupten:

  • Da oben ist kein Himmel, auf denen ein großer, starker Mann sitzt, zu seiner Rechten sein Sohn (Christentum), umgeben von Engeln und Heiligen und belauert vom Teufel in seiner Hölle. Der eines Tages über die Menscheit zu Gericht sitzt.

  • Es gibt ganz offensichtlich auch keinen Gott, der an einzelnen Menschen interessiert ist und in das Leben von Individuen oder Gruppen oder Völkern eingreift, gar die Guten belohnt und die Bösen bestraft. jetzt oder später.

  • Es gibt auch keine Leute, denen Gott ein Buch diktiert. Weder einer Verfasser-Gruppe (Bibel) noch einem einzelnen Propheten (Koran). Mit einmaligen Kontakten zu einem Gott.

Daher ist es normal, den monotheistischen Religionen und ihren Botschaften und Vorschriften keinen Glauben (mehr) zu schenken.

Der Begriff Atheismus suggeriert wie der Begriff Nicht-Raucher, dass Gottesglaube das Normale und Richtige ist, so wie Raucher das Normale und Wünschenswerte ist. Man sollte nicht so gedankenlos sein, sich selbst mit einem Verneinungs-Begriff zu verunglimpfen. man ist ja auch kein Nicht-Dieb (Adieb) oder Nicht-Terrorist oder Nicht-Selbstverletzer, oder, wenn man gesund ist, kein Nicht-Kranker (Akranker).

Korrekt ist: ich bin kein Theist, das ist eine neutrale Verneinungsform, da steht die Verneinung nicht in der Bezeichnung, sondern erläutert (negiert) eine andere Bezeichnung.

Der Mensch ist bei der Schaffung einer Moral auf sich selber gestellt.

Die Menschheit wird auf die Dauer nur klar kommen, wenn die Leute sich anständig benehmen, auch wenn sie nicht beobachtet werden, wenn sie nicht von Polizei und Gerichten in Schach gehalten werden müssen, wenn sie sich auch dann anständig benehmen, wenn sie Macht haben. Ohne dass man ihnen mit Göttern droht.

Man muss offen und selbstverantwortlich sein. Das ist schwer, so wie die Menschen gebaut sind.

Appendix: Adam und Jesus, wurden beide von Gott gestraft?

Übrigens: Jesus von Nazareth hat in den Augen der zeitgenösssischen Juden genau den Frevel begangen, der Adam vorgeworfen wurde: sich als gottgleichen Sohn Gottes dargestellt:

Johannes 14

5 Spricht zu ihm Thomas: HERR, wir wissen nicht, wo du hin gehst; und wie können wir den Weg wissen? 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Johannes 19

6Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige! Kreuzige! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. 7Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.

Jesus von Nazareth läuft also herum und erzählt, er sei Gottes Sohn, also die bessere Kopie als Adam, mit der Erlaubnis, die Wahrheit zu kennen. Er begeht also genau die Sünde, die Adam vorgeworfen wird, er meint aber, das zu dürfen, denn er ist nicht nur als Bild Gottes geschaffen worden, er ist Gott.

Das genau werfen ihm die zeitgenössischen Juden vor, genau das ist mit dem Blick auf die Genesis ein ungeheuerlicher Frevel gegen Gott, und unsere Passionsfeiern handeln von dem Vorwurf an die Juden, dass sie dies Jesus von Nazareth vorgeworfen haben.

Dabei tun die gläubigen Juden doch etwas Folgerichtiges. Sie verhaften ihn als Lästerer und sorgen dafür, dass er als Verbrecher hingerichtet wird. Die Christenheit macht den Frevel des Jesus von Nazareth zu ihrem Glaubensinhalt. Wen wundert es, dass Juden und Christen sich Jahrhunderte spinnefeind gegenüberstanden? Das sind unversöhnliche Positionen.