Allmacht und Heldentod

Ein schicker junger Mann. Aber ein NICHTS. Araber am südlichen Mittelmeer. Kaum eine Chance, je eine Arbeit zu bekommen oder allgemein gesprochen gesellschaftlich etwas darzustellen. Er wird wohl nie eine Familie haben, die er wenigstens mit bescheidenem Wohlstand versorgen kann. Er wird nie etwas Ansehnliches für seine Kinder tun können. Einer von Millionen armen Schluckern.

Aber voll jugendlichem Tatendrang und voller Kreativität. Und hinter ihm: real oder in der Phantasie: die dunkle Organisation. Wer das Gute nicht findet, dem gibt das Böse eine Chance.

Das Profil des Terroristen.

Er bekommt eine ungeheure mediale Aufmerksamkeit. Alle reden von ihm, tagelang, auf dem ganzen Erdball. Präsidenten, Zeitungen, Fernsehen, soziale Netzwerke, Stammtische, eben alle und überall. Frei nach dem Motto, es ist nicht wichtig, was über ihn geredet wird, sondern dass über ihn geredet wird.

Er lebt Allmachtsphantasien aus. Er plant unerschrocken monatelang seine Gräueltat, ermordet Leute auf einem bedeutenden öffentlichen Platz, kommt danach durch alle Kontrollen, feixt, weil er unerkannt Bahn fährt, sich unter Leute mischt, die nicht wissen, das er der große Held ist.

Und: er stirbt den Heldentod. Im Schusswechsel. Im Gefecht.

Er schreibt damit eine phantastische aufregende Erzählung und erhebt sich über alle, die hasserfüllt über ihn reden.

Hat er sich da nicht verhalten wie viele große Helden der Geschichte?

Der Einzelgänger-Terrorist ist im historischen Vergleich also ein echter Mann, der sich aus dem vorgezeichneten Elend seiner Herkunft und Zukunftsaussicht erhebt und zum Handelnden macht. Er schont sich und andere nicht. Er zeigt keine Angst, und er macht Angst. Ja, aus solchem Holz sind echte männliche Helden geschnitzt.

Die Art der Legitimation ist dabei zweitrangig.

Ebenso das Prinzessinnen-Versprechen.

Das Entscheidende ist: der Terrorist ist der männliche mediale Held. Er steht in der Arena, die Weltöffentlichkeit begleitet das Ganze mit dem Konzert ihres moralischen Lamentos und bestärkt einen weiteren Helden-Kandidaten damit für die nächste Tat.

Wo liegt die Lösung? Zwei Vorschläge:

  • Gebt dem echten Mann in wenig hoffnungsvoller Lage eine Bühne für gute Taten.

  • Gebt dem politisch motivierten Mörder kein bisschen mehr Aufmerksamkeit als dem gemeinen Mörder.

Jeder Mord ist gemein. Unser Bewusstsein füllen soll beides nicht.

Uwe Wiest, 28.12.16