uwewiestLernen und Zusammenleben

Dr. Uwe Wiest, Dipl.-Psych., Psychologiedirektor  a.D.

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Geschlechtergerechte Sprache

Es geht um ganz unterschiedliche Themen:
Bezeichnungen für individuelle Personen verschiedenen Geschlechts (1.)
und die sogenannte gendergerechten Bezeichnungen in Texten (2.)
Und dann ist da noch ein drittes Thema der grammatischen Benachteiligung von Frauen (3.) - und das ist wirklich eins. Das gewalttätige Geschlecht wird nicht benannt.
Achtung: zuende lesen, nicht nach 1 und 2 aufhören, weil der Autor flugs als reaktionär eingeordnet wird, wie in der Gender-Meinungsblase üblich. Das dicke Ende kommt noch: unter 3.
  1. Es ist ein großer Fortschritt, dass es üblich und wohl selbstverständlich geworden ist, individuelle Rollen - und Berufsbezeichnungen nicht mehr nach männlichen Begriffen zu vergeben, sondern für Frauen und Männer geschlechterbezogen. Also.
    Die Lehrerin, der Lehrer, Die Kauffrau, der Kaufmann, die Diplom-Psychologin, der Diplom-Psychologe …
    So steht es in den Zeugnissen, So soll es in Urkunden, Formularen, in der Anrede sein.
    Liebe Kundin für Frauen, lieber Kunde für Männer.
    Im konkreten Fall ist es sehr wohl sinnvoll, beide Geschlechter zu benennen. Wie in Strophe 5 von "Das Wandern ist des Müllers Lust". Da werden nämlich zwei Personen verschiedenen Geschlechts angesprochen.
  2. Dagegen halte ich es für eine weit über das Ziel hinausschießende literarische Belästigung, wenn BesserwisserInnen, SprachverhunzInnen, Besserwissende und Sprachverhunzende, die Allgemeinheit zwingen wollen, grauenhafte Texte zu schreiben, aus dem angeblichen Motiv heraus, die Gleichstellung des weiblichen Geschlechts herzustellen.  Mit einem gewissen Erfolg. Dabei handelt es sich um nichts mehr oder weniger als um eine großbürgerliche Spielwiese.
    Es muss in der allgemeinen Bezeichnung nicht vorkommen, dass es weibliche und männliche Berufstätige in dieser Kategorie gibt. Das ist bei einem Gattungsbegriff selbstverständlich. 
    Es widerspricht dem Wesen der deutschen Sprache schlicht und ergreifend. und hat Nebenwirkungen, die für die Gleichstellung von Frauen eher nach hinten los gehen:
    Schon bei Stellenausschreibungen ist das fragwürdig. Man sollte doch annehmen, dass es für die Qualität der Berufsausübung egal ist, ob ein Bewerber männlich oder weiblich ist. Die Schrägstrich-Schreibweise lässt dagegen vermuten, dass es einen Unterschied macht, ob eine Frau oder ein Mann diese Arbeit wahrnimmt. Ist das /innen hinter der Berufsbezeichnung vielleicht sogar der Grund für eine unterschiedliche Bezahlung?  Etwas anderes ist es natürlich, wenn eine Berufs- oder Rollenbezeichnung mit -mann oder -frau endet.
    Wenn  allgemein zum Beispiel von der Berufsgruppe Lehrer die Rede ist, dann sind es eben Lehrer beiden Geschlechts, denn Lehrer ist der Wortstamm. Da braucht es keine unaussprechlichen und nicht vorlesbaren Schreibweisen wie LehrerInnen. Oder: Was ist eine Lehrkraft? Ein physikalischer Vorgang im Klassenzimmer? Eine Kraft, die andere Körper beschleunigt oder deformiert?
    Studenten, das ist ein Status. Studierende ein Begriff für eine gerade eine Handlung ausführende Person.
    Diese flasch gebrauchte Gerundivform: Zum Thema "Studierende und Studierendenwerk: Ich hätte noch mehr Vorschläge zum Verhunzen: Lehrendezimmer. Sozialarbeitende, Feinschmeckende (hmmmm), Verkaufende-Schulung, Pfarrende, Reitende, Nachtwachende (statt Nachtwächter),  Fabrizierende (statt Fabrikanten),  ...
    Das Schlimme ist ja: das ist ernst gemeint, was die Gendernden da fabrizieren, die halten das für progressiv! Für den Quatsch sol es ja sogenannte Lehrstühle geben.
    Sinnvoller  ist es sicherlich, reale Probleme der Benachteiligung von Frauen anzupacken. Immer noch werden Frauen bei gleicher Tätigkeit oft schlechter bezahlt, immer noch sind unter den Ärmsten alleinerziehende Frauen mit Kindern weit überrepräsentiert - und Männer in Führungspositionen. Das sind die Ungerechtigkeiten, und die bestehen weiter.
    Dann gibt es noch das Thema: schlecht bezahlte und wenig ansehnliche Frauenberufe. Wie wäre es mit einer Quote für putzende Menschen (früher Putzfrauen?) Sozusagen als Spiegelbild für die Chefetage, nur mit viel mehr Betroffenen? Auf jede Putzfrau einen Putzmann!
    Die radikale Alternative wäre: alle Berufs- und Rollenbezeichnungen ins Neutrum zu setzen: das Lehrer, das Bischof, das Mechaniker ...Das wäre natürlich ein ganz erheblicher und fundamentaler Eingriff in die Sprache, aber konsequent.
    Eine wissenschaftlich fundierte Abhandlung zu dem Thema hier.
  3. Es gibt ein viel gravierenderes Thema, das von Gender-Lobbyistinnen nun gar nicht aufgegriffen wird - im Gegenteil, unter dem Vorwand, Frauen schützen zu wollen, wird eine grammatische und inhaltliche Diskriminierung gedankenlos benutzt.
    Gewalt gegen Frauen. Gewalt gegen Frauen, die hat kein Subjekt. Was ist das? Gewalt von Kaninchen gegen Frauen, Kindern gegen Frauen, anderen Frauen gegen Frauen, vom schlechten Wetter gegen Frauen, wer übt die Gewalt aus?  Männer natürlich. Aber sie werden nicht genannt.
    Dabei hat der Satz, meinetwegen in einer Zeitungsüberschrift: Gewalt von Männern gegen Frauen, gleich ein ganz anderes Gewicht. Die Gewalt geht nämlich fast immer von Männern aus.
    Das Weglassen der Männer suggeriert, dass Frauen eine besondere Spezies sind. Frauen sind eine Minorität, mit Mängeln behaftet, wie andere Benachteiligte. Sie sind schwach, können sich nicht angemessen wehren. Männer hingegen gelten als normal, sie stehen nicht im Focus. Ein richtiger Kerl ist eben aggressiv, ein richtiger Mann. Übrigens ist er es ja nicht nur gegen Frauen. Einbrecher, Schläger, Messerstecher, Räuber, Attentäter, religiöse Hetzer sind überwiegend Männer..
    In der Politik: auf dem ganzen Erdball vermehren die gewaltbereiten, autoritären, emotional verkümmerten und saudummen Kerle in Regierungsämtern wie die Quecke im Rasen.
    Im Grunde könnte man also bei dem Satz Gewalt von Männern gegen Frauen auch die Frauen weglassen. Also nur: Gewalt von Männern. Wenn Gewalt, sind es eben fast ausnahmslos Männer.
    Gewalt von Männern wird immer auch positiv bewertet. Durchsetzungsfähig - versus  Weichei. Muskelpakete, Springerstiefel, Saufen, Lärmen, Herumdrecken. Oder Protzautos, mit aufgedrehten Lautsprechern auf- und abfahren, Rasen und Drängeln im Straßenverkehr, Goldketten, dicke Uhr, und immer laut. So sind echte Kerle eben. Und bei Streit einfühlsam sein oder Probleme mit Worten lösen? Das passt ja nun gar nicht! Wenn es sprachlich nicht reicht, gibt es was auf die Fresse.
    Hallo? Gehts noch?
    Es sind doch nicht alle Männer so.1 Nein. Aber wenn, dann sind es eben ausschließlich Männer. In Bezug auf Gewalt sind die Rollen der Geschlechter sehr klar geteilt, und eine gender-angemessene Ausdrucksweise beschreibt diese, indem beide Geschlechter in dem Satz ihre Rolle zugewiesen bekommen: eben Gewalt von Männern gegen Frauen. 
Ein Schritt zur Gleichstellung von Mann und Frau wäre dann gegeben, wenn nicht Frauen (Stichwort Frauenhäuser), sondern die gewaltausübenden Männer die Folgen tragen müssen. Männerhäuser mit Ausgangssperre und Fußfessel. Na ja, das ist dan ja schon fast der Knast, wo Männer sowieso die Mehrheit haben.
1 siehe folgendes Bild:
Männer und Frauen - Gewalt

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