uwewiestLernen und Zusammenleben

Dr. Uwe Wiest, Dipl.-Psych., Leiter des Schulpsychologischen Dienstes Bremen  a.D.

Originalarbeiten

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Geschlechtergerechte Sprache

Es geht um zwei ganz unterschiedliche Themen:
Bezeichnungen für individuelle Personen verschiedenen Geschlechts (1.) und die sogenannte gendergerechten Bezeichnungen in Texten (2.)
  1. Es ist ein großer Fortschritt, dass es üblich und wohl selbstverständlich geworden ist, individuelle Rollen - und Berufsbezeichnungen nicht mehr nach männlichen Begriffen zu vergeben, sondern für Frauen und Männer geschlechterbezogen. Also.
    Die Lehrerin, der Lehrer, Die Kauffrau, der Kaufmann, die Diplom-Psychologin, der Diplom-Psychologe …
    So steht es in den Zeugnissen, So soll es in Urkunden, Formularen, in der Anrede sein.
    Liebe Kundin für Frauen, lieber Kunde für Männer.
    Im konkreten Fall ist es sehr wohl sinnvoll, beide Geschlechter zu benennen. Wie in Strophe 5 von "Das Wandern ist des Müllers Lust". Da werden nämlich zwei Personen verschiedenen Geschlechts angesprochen.
  2. Dagegen halte ich es für eine weit über das Ziel hinausschießende literarische Belästigung, wenn BesserwisserInnen, SprachverhunzInnen, die Allgemeinheit zwingen wollen, grauenhafte Texte zu schreiben, aus dem angeblichen Motiv heraus, die Gleichstellung des weiblichen Geschlechts herzustellen. Mit einem gewissen Erfolg. Ich muss gestehen, ich habe mich da auch immer wieder einschüchtern lassen. Dabei handelt es sich um nichts mehr oder weniger als um eine großbürgerliche Spielwiese.
    Es widerspricht dem Wesen der deutschen Sprache schlicht und ergreifend. Viele Berufsbezeichnungen sind nicht deshalb männlich, weil weibliche Berufsausübende unterdrückt werden sollen, sondern weil es in der deutschen Sprache üblich ist, Substantiven über den Artikel und die Endung ein grammatisches Geschlecht zuzuschreiben.
    Gute MondIn, du gehehest so stihille. Eher nicht.
    Es muss in der allgemeinen Bezeichnung nicht vorkommen, dass es weibliche und männliche Berufstätige in dieser Kategorie gibt. Das ist bei einem Gattungsbegriff selbstverständlich. 
    Schon bei Stellenausschreibungen ist das fragwürdig. Man sollte doch annehmen, dass es für die Qualität der Berufsausübung egal ist, ob ein Bewerber männlich oder weiblich ist. Die Schrägstrich-Schreibweise lässt dagegen vermuten, dass es einen Unterschied macht, ob eine Frau oder ein Mann diese Arbeit wahrnimmt. Ist das /innen hinter der Berufsbezeichnung vielleicht sogar der Grund für eine unterschiedliche Bezahlung?  Etwas anderes ist es natürlich, wenn eine Berufs- oder Rollenbezeichnung mit -mann oder -frau endet.
    Wenn  allgemein zum Beispiel von der Berufsgruppe Lehrer die Rede ist, dann sind es eben Lehrer beiden Geschlechts, denn Lehrer ist der Wortstamm. Da braucht es keine unaussprechlichen und nicht vorlesbaren Schreibweisen wie LehrerInnen. Oder: Was ist eine Lehrkraft? Ein physikalischer Vorgang im Klassenzimmer? Eine Kraft, die andere Körper beschleunigt oder deformiert? Studenten, das ist ein Status. Studierende ein Begriff für eine gerade eine Handlung ausführende Person.
    Aufhören mit dem Mist und sich um reale Probleme kümmern, das ist die Devise. Immer noch werden Frauen bei gleicher Tätigkeit oft schlechter bezahlt, immer noch sind unter den Ärmsten alleinerziehende Frauen mit Kindern weit überrepräsentiert - und Männer in Führungspositionen. Das sind die Ungerechtigkeiten, und die bestehen weiter.

    Merke: den vielen Frauen mit finanziellen Sorgen und schlechter Bezahlung gehen solche Genderspielereien in Texten an der ÄrschIn vorbei.
Zusammengefasst:
  1. Bei individuellen Zuordnungen von Berufs- und Rollenbezeichnungen wird die passende weibliche oder männliche Form gewählt. Ingenieur, Ingenieurin.
  2. In Texten aller Art, die sich nicht auf konkrete Personen beziehen, sind Rollen- und Berufsbezeichnungen Gattungsbezeichnungen, da wird die einfachste Form gewählt und keine Geschlechterdifferenzierung vorgenommen - es sei denn das Wort selber enthält bereits eine Endung mit Geschlechterfestlegung. Bootsmann. Hausdame.
Die andere radikale Alternative, die wohl nur wenige akzeptieren könnten, wäre: alle Berufs- und Rollenbezeichnungen ins Neutrum zu setzen: das Lehrer, das Bischof, das Mechaniker ...
Das wäre natürlich ein ganz erheblicher und fundamentaler Eingriff in die Sprache, aber konsequent.
Eine wissenschaftlich fundierete Abhandlung zu dem Thema hier.


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